Kino

Pandemiebeschränkungen für Bayerns Kultur: "Korrekturen sind überfällig!"

Konkrete Ergebnisse brachte der gestrige, hochrangig besetzte Austausch zum Umgang mit der Kultur in der Corona-Krise erwartungsgemäß noch nicht - die Hoffnung darauf, dass das bayerische Kabinett in der kommenden Woche Anpassungen bei den Kapazitätsgrenzen beschließt, schmälerte der Termin aber zumindest nicht.

13.01.2022 13:37 • von Marc Mensch
Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek nahm an dem zweieinhalbstündigen Austausch teil (Bild: Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege)

Dank für die "eindrückliche Schilderung der Situation" - damit mussten sich Angehörige der bayerischen Kulturszene gestern nach dem runden Tisch auf Einladung der Staatskanzlei erst einmal bescheiden. Dass es bei diesem Termin keine greifbaren Ergebnisse geben würde, war abzusehen, schließlich diente das Gespräch lediglich der Vorbereitung für die Kabinettsberatungen von kommender Woche. Deutlichere Signale, was dort zu erwarten ist, hätte man sich allerdings durchaus wünschen mögen - auch wenn die Ungerechtigkeit der Situation derart evident ist, dass man zumindest zuversichtlich sein darf, dass die Kapazitätsbeschränkung auf 25 Prozent keinen Bestand haben wird.

Das ist es auch, worauf letztlich von Seiten der Kunst- und Kulturbranche gedrängt wurde - denn die Perspektive, eine kurzfristige Abkehr von 2G Plus (und damit eine tatsächliche Beendigung der Ungleichbehandlung) zu erreichen, ist im Moment quasi nicht existent. 75 Prozent mögliche Auslastung bei Beibehaltung von 2G Plus - so lautet offenbar die gemeinschaftlich getragene Forderung an die Politik.

Tatsächlich setzt sich auch die Grünen-Opposition trotz einer im Vorfeld des Gesprächs nachdrücklich bekundeten Forderung nach einem "Ende der nicht hinnehmbaren und unsinnigen Ungleichbehandlung" keineswegs für die Überführung etwa von Kinoveranstaltungen in 2G ein - vielmehr drängt man (neben der Aufhebung der aktuell gültigen Kapazitätsgrenze für die Kultur) auf die Ausweitung von 2G Plus auch auf die Gastronomie. Was absolut im Sinne der Gleichbehandlung wäre, der Kultur aber natürlich kaum weiterhelfen würde - höchstens in dem Sinne, dass die Bereitschaft zur Testung steigen könnte, wenn diese Voraussetzung für weitere Bereiche wird.

Doch auch wenn beim gestrigen - dem Vernehmen nach gegen Ende sehr emotionalen - Austausch noch nichts Zählbares zustande kam: Immerhin war die virtuelle Runde seitens der Staatsregierung mit Gesundheitsminister Klaus Holetschek, Wissenschafts- und Kunstminister Bernd Sibler, Digitalministerin Judith Gerlach, Kultusminister Michael Piazolo und Staatskanzleichef Florian Herrmann sehr prominent besetzt; zudem nahm man sich für den Austausch ganze zweieinhalb Stunden Zeit. Eine Garantie dafür, dass man der Kultur mit einer zeitnahen Erhöhung der Kapazitätsgrenzen entgegen kommen wird, ist das selbstverständlich nicht. Aber in einer Zeit, in der Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger bereits potenzielle Lockerungen von Hotspot-Regeln für die Gastronomie zur Sprache bringt, darf man wohl langsam anfangen, an simplen Anstand zu appellieren.

In einer ersten Reaktion auf die gestrigen Gespräche erklärte die AG Kino-Gilde über ihren Vorsitzenden Christian Bräuer: "Es ist gut, dass die bayerische Staatsregierung nun den Dialog mit der Branche aufgenommen hat," so Bräuer weiter. "Korrekturen sind überfällig. Den Worten müssen nun auch Taten folgen!"

Denn es sei "vollkommen unverständlich, dass die Kultur in Bayern weiterhin so barsch behandelt wird", so Bräuer. "In der Gesamtschau ist das angesichts der strikt umgesetzten und auch wissenschaftlich bestätigten Hygienekonzepte eine himmelschreiende Ungerechtigkeit!" Die Bund-Länder-Konferenz habe den hohen gesellschaftlichen Wert von kulturellem Erleben sehr deutlich hervorgehoben - zum großen Bedauern der Verbandsmitglieder lasse sich dies in den bayerischen Beschlüssen bislang aber nicht wiedererkennen. Und das obwohl sich in Bundesländern mit weniger radikalen Einschränkungen die dortigen Regeln bewährt hätten.

"Als soziale Orte sind wir uns unserer Verantwortung bewusst. Die von uns allen mit Sorge beobachtete Ausbreitung der Omikron-Variante sollte aber nicht heißen, dass die Kultur in Bayern weiter mit unverhältnismäßigen Auflagen bestraft wird. Denn in fast zwei Jahren Pandemie haben Kinos eindrucksvoll bewiesen, dass sie einen sicheren Betrieb ermöglichen können", so Bräuer abschließend.

Ganz ähnlich hatte sich bereits gestern Christine Berg geäußert, die für den HDF Kino an den Beratungen teilnahm.