Kino

KOMMENTAR: "Fröhlichkeit im Herzen"

Überall wird jetzt das zu Ende gehende Jahr resümiert, auch in Blickpunkt:Film. 2021 ist das Jahr, dem wir keine Träne nachweinen werden, so schwer hat die Pandemie in alle Lebensbereiche eingegriffen. Mit Blick auf das neue hilft am Ende nur das Motto der Ex-Kanzlerin.

16.12.2021 07:40 • von Jochen Müller
Ulrich Höcherl, Herausgeber und Chefredakteur (Bild: Blickpunkt:Film)

Überall wird jetzt das zu Ende gehende Jahr resümiert, auch in Blickpunkt:Film. 2021 ist das Jahr, dem wir keine Träne nachweinen werden, so schwer hat die Pandemie in alle Lebensbereiche eingegriffen. Mit Blick auf das neue hilft am Ende nur das Motto der Ex-Kanzlerin.

Die Allermeisten, die auf unsere Umfrage geantwortet haben, sind froh, das zweite Jahr der Pandemie halbwegs gut überstanden zu haben. Viele sind gewachsen an den Herausforderungen, die auch die oft widersprüchlichen Verordnungen der Behörden mit sich gebracht haben. Vielen ist in der Krise geholfen worden, vielen immer noch nicht. Die Begeisterung war groß, als im Sommer die Kinos endlich wieder flächendeckend öffnen konnten, und das Publikum zurück kehrte. Trotz übertriebener Auflagen haben die Kinobetreiber mit überzeugenden Hygienekonzepten ihrem Publikum ein rundum sicheres Filmerlebnis ermöglicht. Der neue Bond feierte einen wahren Siegeszug und konnte sechs Mio. Besucher wieder für die große Leinwand begeistern. Viele weitere Filme erwiesen sich als Publikumslieblinge, und doch drängten viel zu viele nach dem langen Lockdown auf die Leinwand. Gerade die besten der in Deutschland geförderten Filme erlebten dort nur einen kurzen Moment und wurden von nachdrückenden Starts gnadenlos verdrängt.

War die Politik im Sommer noch so mit sich und der Wahl beschäftigt, dass sie die vierte Welle verschlief, lieferte sie dann zum Jahresausklang wieder mehr Aktionismus als sinnvolle Maßnahmen und erstickte mit 2G plus die wirtschaftliche Erholung im Kulturbereich. Während all der Zeit hat die Produktionsbranche schier Unmögliches geleistet, um weiter die benötigten Programme und Filme herstellen zu können und um Soloselbstständige und kurz befristet Beschäftigte in Lohn und Brot zu halten. Auch hier hat die Politik mehr Hilfe versprochen als geliefert. Ob sich das unter der neuen Regierung bessert, bleibt nur zu hoffen.

Wie auch die begründete Hoffnung bleibt, dass das Publikum seine Vorlieben nur insoweit verändert, als dass es neue digitale Möglichkeiten, Filme und Programme zu konsumieren, und die vielen Angebote, die Streamer und Mediatheken nun auffahren, nur dankbar in seine Mediennutzung integriert und damit nicht lieb gewordene Gewohnheiten ersetzt. Die neue Booster-Regelung lässt hoffen, dass der Verordnungseifer von Söder & Co. die Kinos nicht doch noch in die Knie zwingt. Generell fällt der Blick in die Zukunft bei den Teilnehmern der Umfrage verhalten aus. Niemand weiß, welche Verwerfungen die nächste Mutante mit sich bringt. Bleibt für die kommenden Monate wohl nur das Rezept der Ex-Kanzlerin, sie mit "Fröhlichkeit im Herzen" zu meistern. In diesem Sinn darf ich Ihnen und uns allen einen guten Start in ein ungewisses Neues Jahr wünschen, das dritte Pandemiejahr, das die Branche zu bewältigen hat.

Ulrich Höcherl, Herausgeber und Chefredakteur