Kino

Pierre Perifel: "Tarantinos Weltkonzept für Kinder erzählen"

Der Trailer des neuen Dreamworks-Animation-Films "Die Gangster Gang" über eine Gruppe tierischer Einbrecher feiert heute Weltpremiere. Blickpunkt:Film sprach mit Regisseur Pierre Perifel über die Einflüsse von Quentin Tarantino und Mangas - und wie die Produktion alles etwas anders machte.

14.12.2021 15:04 • von Michael Müller
"Die Gangster Gang" ist Pierre Perifels Regiedebüt (Bild: Universal)

Der Trailer des neuen Dreamworks-Animation-Films "Die Gangster Gang" über eine Gruppe tierischer Einbrecher feiert heute Weltpremiere. Der deutsche Kinostart ist am 24. März 2022. Blickpunkt:Film sprach mit Regisseur Pierre Perifel über die Einflüsse von Quentin Tarantino und Mangas - und wie die Produktion alles etwas anders machte.

Sie selbst haben Ihren Familien-Animationsfilm "Die Gangster Gang" mit einem Tarantino-Film verglichen - nur eben ohne die Gewalt. Daran schließt sich die philosophische Frage an: Kann ein echter Tarantino-Film denn überhaupt ohne die Gewaltspitzen richtig gut sein?

PIERRE PERIFEL: Nein, das glaube ich nicht, denn es ist natürlich ein wichtiges Markenzeichen seiner Arbeit. Mir ging es bei dem Vergleich vor allem darum, wie Quentin Tarantino Gangster portraitiert und klugen Humor in seinen Dialogen verwendet. Das war so ein bisschen der Startpunkt für unser Projekt "Die Gangster Gang". Als ich damals das erste Comic-Buch des australischen Autoren Aaron Blabey fand, worauf unser Film basiert, und ich das Cover mit den Tieren in ihren Anzügen sah, schrie das förmlich für mich nach Reservoir Dogs". Die Ausgangsidee war also, Tarantinos Weltkonzept für Kinder zu erzählen - und dann entfernten wir uns mit eigenen Ideen davon und mischten den Stil von Regisseuren wie Steven Soderbergh, Guy Ritchie und Edgar Wright unter. Aber Tarantinos Art von Coolness wollten wir auf jeden Fall auch mit unserem Film erreichen.

Mit Schauspielern wie Sam Rockwell, Awkwafina oder Richard Ayoade hat der Film einen ziemlich exzentrischen Stimmen-Cast, der von den populären Namen her fast mehr nach einem coolen Indie-Film klingt.

PIERRE PERIFEL: Von Anfang an haben wir uns gesagt, dass wir nicht auf die üblichen Verdächtigen setzen wollen. Das gilt für die aller größten Schauspielstars oder den berühmtesten Score-Komponisten. Wir wollten wirklich alles ein bisschen anders machen. Wir fingen im kreativen Prozess wie Tarantino mit dem Soundtrack zuerst an. Die Welt durch Musik zu entdecken und sie auf diese Weise ikonisch zu machen, war die Idee. Genauso sind wir bei dem Cast verfahren. Wir wollten die besten Schauspieler für die jeweiligen Rollen, die richtig gut zusammenpassen. Es sind vielleicht nicht die größten Namen. Aber sie sind der perfekte Cast für diese Charaktere. Es fing alles mit Sam Rockwell an, der solch ein respektierter Schauspieler in Hollywood ist. Als wir ihn an Bord hatten, war es auch einfacher, den Rest des Casts zu überzeugen. Es geht bei dem Projekt um Coolness. Und Sam Rockwell ist als Schauspieler nicht nur cool, sondern auch jemand, der seine Projekte sehr überlegt auswählt.

Wie würden Sie den Animationsstil Ihres Films beschreiben?

PIERRE PERIFEL: Es ist ein Schmelztiegel aus französischen, japanischen und amerikanischen Einflüssen. Die Wurzeln liegen in Frankreich, wo ich aufwuchs, Graphic Novels las und Animationsfilme schaute. Die französische Filmkultur ist stark beeinflusst von anderen Kunstformen wie der Malerei, aber auch Comicbüchern und dem Weltkino. Aber die japanischen Einflüsse sind ebenso sehr groß.

Mangas spielen in Frankreich eine noch viel größere Rolle als etwa in Deutschland, wo sie auch schon beliebt sind, richtig?

PIERRE PERIFEL: Oh ja, ich las viele von deren größten Künstlern, als ich noch in Frankreich lebte. Das hat natürlich meinen Geschmack geprägt. Der Ansatz bei "Die Gangster Gang" war: Können wir solch einen Animationsstil auch hier in Hollywood machen, der vom Stil abweicht, den zum Beispiel Disney oder auch Dreamworks ansonsten hat? Das floss alles bei uns in das Design der Figuren und in den Animationsstil. Unsere Animationen sind letztlich niedlich, witzig und dynamisch geworden - und gleichzeitig sind sie auch anders. So sollte es auch sein, weil das auch Spaß macht. Auf eine Art glaubt man, in der CG-Animationswelt immer sehr ähnliche Animationen zu sehen. Da wollten wir etwas mehr Veränderung wagen. Aber der Stil ist immer noch sehr zugänglich.

Der Animationsstil sieht ein bisschen gröber und ruppiger als der klassische Pixar-Film aus.

PIERRE PERIFEL: Das ist es. Zuerst einmal ist es ein bisschen düsterer, was natürlich auch damit zusammenhängt, dass es um Gangster-Figuren geht. Die Handlung spielt in Los Angeles. CG-Animation hat die Eigenschaft, weil sie aus dem Computer stammt, dass sie mittlerweile einen Grad von Perfektion erreicht hat, der ohne Probleme hyperrealistisch ist. Die Frage lautet also: Wie kann man diese Perfektion etwas aufbrechen und dem Ganzen einen mehr selbstgemachten Charakter verleihen, dass es manchmal wie gemalt ausschaut? Diese Stile miteinander zu vermischen, war unsere Aufgabe.

"Die Gangster Gang" ist Ihr Regiedebüt. Sie haben davor viel als Animator gearbeitet. Wie sehr unterscheidet sich die Arbeit?

PIERRE PERIFEL: Als Animator ist man nur in einen kleinen Teil des großen Ganzen involviert. Man kümmert sich um die Bewegungen der Figuren, will sie so signifikant wie möglich hinbekommen, so dass sie perfekt für die Geschichte sind. Das war übrigens meine komplette Ausbildung für den Job als Regisseur. Es ist ein bisschen so, wie Schauspieler zu sein. Man ist dieser kleine Teil, auch wenn es ein sehr wichtiger Teil der Produktion ist. Man ist nicht beteiligt an der Pre-Production, am Drehbuchprozess, dem Score, dem Sound Design oder dem Schnitt. Als Regisseur hat man mehr Überblick und kümmert sich um viele verschiedene Aspekte der unterschiedlichen Gewerke.

Hat Ihnen dieser Prozess gefallen?

PIERRE PERIFEL: Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich liebe den Job des Animators. Aber wie die meisten anderen Menschen liebe ich es dazuzulernen. Und als Regisseur lernt man jeden Tag hinzu, weil man mit so vielen talentierten Künstlern zusammenarbeiten darf. Das Wichtigste ist, zu wissen, was man für einen Film mit welcher Geschichte machen will. Als Regisseur hat man auch die deutlich größere Verantwortung, die Geschichte richtig zu erzählen. Das finde ich aufregend, weil man zum Beispiel mit einer Botschaft inspirierend für die unterschiedlichen Generationen des Publikums sein kann.

Ihr Werk ist im Subgenre des Heist-Films verortet. Was sind Ihre liebsten Heist Movies in der Filmgeschichte?

PIERRE PERIFEL: Ich mag sehr Der Clou", den finde ich ganz fantastisch. "The Italian Job", "Snatch" und Bube, Dame, König, Gras" fallen mir jetzt spontan auch ein. Aber es gibt viel zu viele Heist-Filme, die ich toll finde. Steven Soderbergh mit seinen Ocean's Eleven"-Filmen hatte schon einen großer Einfluss auf "Die Gangster Gang".

Das Interview führte Michael Müller