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DAS WAR 2021 - Eine Branchenumfrage: Christian Jeltsch, Autor

Was waren die Ereignisse, die Ihr 2021 geprägt haben? Blickpunkt:Film hört sich um und befragt Mitglieder der Kino-, Fernseh-, Festival- und Videobranche, mit welchen Schwierigkeiten sie konfrontiert waren, welche Erfolge sie feiern konnten. Hier berichtet Christian Jeltsch, Drehbuchautor.

30.12.2021 14:11 • von Frank Heine
Christian Jeltsch (Bild: privat)

Was waren die Ereignisse, die Ihr 2021 geprägt haben? Blickpunkt:Film hört sich um und befragt Mitglieder der Kino-, Fernseh-, Festival- und Videobranche, mit welchen Schwierigkeiten sie konfrontiert waren, welche Erfolge sie feiern konnten. Hier berichtet Christian Jeltsch, Drehbuchautor.

"Erholung, Erleichterung, Vergebung"

1. Was waren für Sie die prägenden Ereignisse in diesem Jahr?

Die Frage nach einem 'prägenden Ereignis' braucht als Antwort, wie ich denke, wirklich einschneidende Geschehnisse. Als solche sind mir die Vorkommnisse in Afghanistan in diesem Sommer in Erinnerung geblieben. Und die Erkenntnis, dass ich mich für mein Land wirklich schämen muss. Dass die westlichen Länder Versprechen brechen und damit Menschen, die diesem Versprechen vertrauten und sich für die gute Sache einsetzten, im Stich lassen und damit sogar in den Tod treiben, ist ein für mich wirklich prägendes Ereignis. Noch dazu weil es zu vermeiden gewesen wäre, hätten nicht Bürokratie und politischer Dilettantismus und / oder Desinteresse dazu geführt.

Die Frage ist: Bleibt es bei einem hilflosen Zuschauen? Oder können wir als Autoren nicht solche Ereignisse in Geschichten verwandeln, die die Menschen berühren? Müssen wir das nicht sogar? Ich finde schon. Dazu brauchen wir Partner in den Produktionen und Redaktionen, die mutig die Entwicklung solcher Geschichten begleiten. Gerade jetzt ist es für mich der falsche Weg, brisante Themen zu meiden. Es braucht die Vielfalt der Geschichten. Es braucht auch gewagte, kritische und, ja, provokante und nonkonforme Blicke auf die Gegenwart. Gerade von uns Geschichtenerzählern. Eine offene Gesellschaft, eine starke Demokratie verträgt das nicht nur, sie sollte das sogar einfordern.

Eine offene und starke Demokratie muss auch der Kunst keine Vorschriften machen, wie korrekt sie zu sein hat. Wir sollten zum Beispiel darauf vertrauen und uns darauf freuen, dass jeder Künstler die großartigen gesellschaftlichen Errungenschaften der letzten Zeit, nämlich die Gleichstellung aller Menschen zu fordern und zu fördern, auf seine eigene Weise annehmen und sich damit auseinandersetzen wird.

Kunst, die immer auch Visionen für eine Gesellschaft entwickelt, kann nicht faszinieren, provozieren, berühren, trösten..., wenn sie aus Angst oder vorauseilendem Gehorsam eingesperrt wird in ein Paket aus Vorschriften, das - wie jetzt im Fall von amazon - jedem Kreativen in unserer Branche kostenlos geliefert wird. Und dazu muss man nicht mal Prime-Kunde sein.

2. Womit hatten Sie am meisten zu kämpfen?

Es war nicht die Einsamkeit, die das Virus in den letzten Monaten gefördert hat. Als Autor bin ich daran gewöhnt. Es ist viel mehr die wachsende Unsicherheit. Die Traurigkeit und Mutlosigkeit, die sich breit macht. Sicher ist das alles verständlich und zu erklären. Nur trübt das viel zu oft den Blick. Auch in unserer Branche, wie mir auch aus Gesprächen mit Kollegen bewusst wurde.

Außergewöhnliche Geschichten werden zu selten als solche erkannt und zu schnell als "schwierig" abgetan. Das "Immer-Gleiche", Brave, Unkomplizierte genügt. Die "Nummer-Sicher" ist viel zu oft das Ziel. Wo bleibt die Lust am Neuen? Wo das Verrückte, das Staunen hinterlässt? Wo die Freude, auszuprobieren? Wo der Ansporn, zu wagen? Wo der Mut, zu scheitern?

Wir müssen acht geben, dass wir das Geschenk, das wir alle in unserer Branche bekommen haben, nämlich Geschichten erzählen zu dürfen, nicht zu gering schätzen.

3. Was waren Ihre persönlichen größten Erfolge?

Die Freude am Schreiben zu behalten, meine Zufriedenheit aus dem Prozess des Schreibens zu entwickeln und mit den interessanten, spannenden, traurigen und fröhlichen Charakteren meiner Geschichten unterwegs zu sein. Von ihnen geleitet, gemaßregelt und ab und an auch gelobt zu werden.

4. Wie schätzen Sie 2022 ein?

Ich hoffe, dass all die Projekte, die von den Autoren ausentwickelt, aber wegen Covid nicht gedreht wurden, nun endlich in Produktion gehen. Auch um der Gefahr zu entkommen, dass es zur nächsten und übernächsten und überübernächsten Überarbeitungs-Verschlimmbesserung kommt, nur weil ja doch noch Zeit ist.

Und ich setze auf Erholung. Auf Erleichterung und da, wo notwenig, auf Vergebung. Und auf Rückbesinnung, dass Vielfalt im Denken und Handeln uns alle bereichert.

Davon will ich dann erzählen.

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