Kino

DAS WAR 2021 - Eine Branchenumfrage: Christian Bräuer, Geschäftsführer der Yorck Kinogruppe

Was waren die Ereignisse, die Ihr 2021 geprägt haben? Blickpunkt:Film hört sich um und befragt Mitglieder der Kino-, Fernseh-, Festival- und Videobranche, mit welchen Schwierigkeiten sie konfrontiert waren, welche Erfolge sie feiern konnten. Hier berichtet Christian Bräuer, Geschäftsführer der Yorck Kinogruppe.

15.12.2021 15:30 • von Marc Mensch
Christian Bräuer (Bild: David von Becker)

Was waren die Ereignisse, die Ihr 2021 geprägt haben? Blickpunkt:Film hört sich um und befragt Mitglieder der Kino-, Fernseh-, Festival- und Videobranche, mit welchen Schwierigkeiten sie konfrontiert waren, welche Erfolge sie feiern konnten. Hier berichtet Christian Bräuer, Vorstandsvorsitzender der AG Kino-Gilde und Geschäftsführer der Yorck-Kinogruppe.

"Regulierung ist der Schlüssel"

1. Was waren für Sie die prägenden Ereignisse in diesem Jahr?

Inmitten der Kräfte zehrenden Pandemie zählen eindeutig die Tage nach der Wiedereröffnung zum 1. Juli zu den ganz besonderen Momenten. Die positive Resonanz nach acht schweren Monaten war überwältigend. Vielerorts standen die Menschen Schlange für Filme wie "Nomadland" - der erfolgreichste Film 2021 bei uns in der Yorck-Kinogruppe - und "Der Rausch". Die beeindruckende Treue unserer Besucher, die Blumen mitbrachten, bei der Öffnung des Vorhangs applaudierten und sich bei den Mitarbeitenden mit Geschenken bedankten, gab uns viel Kraft für die fortlaufende Pandemie. Zudem war das diesjährige Cannes-Festival in mehrfacher Hinsicht prägend. Nicht nur, dass es wieder stattfand und ich Kolleginnen und Kollegen, die ich sehr vermisste, wiedersah, sondern auch, dass mit "Titane" ein derart mutiger, radikal queer-feministischer und innovativer Film die Goldene Palme gewonnen hat, der die Lebendigkeit der Kunstform eindrucksvoll unter Beweis stellt.

2. Womit hatten Sie am meisten zu kämpfen?

Die Auswirkungen der Pandemie sowie der Maßnahmen zu deren Bekämpfung und der damit verbundenen Marktveränderung sind eindeutig die größte Herausforderung. Beim Kampf um erforderliche Hilfen für die Kinos stießen wir immerhin auf Gehör. Besonders schmerzhaft war die permanente Unberechenbarkeit, Inkonsequenz und Logikverweigerung bei Corona-Auflagen, die dann noch von einem Flickenteppich an Auflagen perfektioniert wurde. Monatelang musste das Personal im Kino die Debatten führen, um die die Politik sich gedrückt hat. Wir mussten Gästen erklären, warum sie einen Test im Kino brauchen, im Restaurant aber nicht; warum sie im Kino mit Abstand sitzen müssen und im Stadion nicht; und ganz besonders in den letzten Wochen erbitterte Diskussionen über die Impflicht und 2G-Regeln führen, vor denen sich die Politik viel zu lange versteckt hat. Und haben zugleich schon seit Monaten Impfpässe gescannt und mit Ausweisdaten abgeglichen.

3. Was waren Ihre größten persönlichen Erfolge?

Die letzten anderthalb Jahre haben unser Team sehr eng zusammengeschweißt - im Verband und auch im Unternehmen. Dass es uns gelungen ist, trotz der immensen Unsicherheiten permanent den Blick nach vorne gerichtet zu halten und uns den Mut nicht rauben lassen, sehe ich als große Leistung. So haben wir in der Yorck Kinogruppe einen erfolgreichen Neustart geschafft, mit Hilfe des Zukunftsprogramms die Passage Kinos neugestaltet, uns eine neue visuelle Identität verpasst und arbeiten gerade mit Hochdruck und großer Lust an unserer Zukunft. Und in der AG Kino ist sicherlich von großer Bedeutung, dass wir mit unserem Einsatz einen Beitrag dazu leisten konnten, den Kulturort Kino präsent zu halten, ein Kinosterben zumindest vorerst verhindert und die Kinovielfalt erhalten zu haben.

4. Wie schätzen Sie 2022 ein?

Noch immer befinden wir uns inmitten der Pandemie. Und auch wenn wir hoffen, dass dies der letzte Winter mit starken Beschränkungen ist, wissen wir, dass uns noch lange deren Folgen zu schaffen machen werden. Zuvorderst gilt dies sicherlich auch für die rasanten Marktveränderungen. Dennoch bleibe ich optimistisch für die Zukunft der Filmtheater dank der harten Arbeit vieler, die sie erhalten wollen. Von der tatkräftigen und innovativen Arbeit der Kinobetreibenden in unserem Land bis zu unseren Unterstützern, aber auch dank der Arbeit einiger lokaler, nationaler und europäischer Politiker. Die Regulierung ist der Schlüssel: Der Markt braucht starke Maßnahmen, um die Dominanz einiger weniger Akteure zu begrenzen. Für die Yorck hoffen wir, die Früchte jahrelanger Arbeit zu ernten. Wir beenden das Jahr mit einem Neustart unseres Kundenbindungssystem und starten 2022 mit einer neuen e-Commerce-optimierten-Webseite mit ungekanntem Nutzerkomfort.

DAS WAR 2021 - Eine Branchenumfrage: Antonia Kilian, Filmemacherin

DAS WAR 2021 - Eine Branchenumfrage: Sascha Schwingel, Geschäftsführer Vox Television

DAS WAR 2021 - Eine Branchenumfrage: Maria Köpf und Anne Leppin, Geschäftsführerinnen der Deutschen Filmakademie

DAS WAR 2021 - Eine Branchenumfrage: Lutz Heineking jr., eitelsonnenschein

DAS WAR 2021 - Eine Branchenumfrage: Christoph Maria Herbst

DAS WAR 2021 - Eine Branchenumfrage: Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des HDF Kino

DAS WAR 2021 - Eine Branchenumfrage: Szenenbildner Hannes Salat

DAS WAR 2021 - Eine Branchenumfrage: Eva Hubert, Vorständin der Themis Vertrauensstelle

DAS WAR 2021 - Eine Branchenumfrage: Juliane de Boer, Geschäftsführerin Filmpalast-Gruppe

DAS WAR 2021 - Eine Branchenumfrage: Drehbuchautor und Regisseur Sebastian Niemann

DAS WAR 2021 - Eine Branchenumfrage: Sarah Duve-Schmid, stellvertretender Vorstand der FFA

DAS WAR 2021 - Eine Branchenumfrage: Hauke Bartel, Bereichsleiter Fiction RTL Deutschland

DAS WAR 2021 - Eine Branchenumfrage: Janine Jackowski und Jonas Dornbach, Komplizen Film

DAS WAR 2021 - Eine Branchenumfrage: Marianne Wirth und David Wegmüller von den Solothurner Filmtagen

DAS WAR 2021 - Eine Branchenumfrage: Björn Hoffmann, Geschäftsführer Pandora Film

DAS WAR 2021 - Eine Branchenumfrage: Ewa Karlström, Produzentin, SamFilm

DAS WAR 2021 - Eine Branchenumfrage: Daniel Brühl, Schauspieler, Regisseur und Produzent

DAS WAR 2021 - Eine Branchenumfrage: Gregory Theile, Geschäftsführer Kinopolis

DAS WAR 2021 - Eine Branchenumfrage: Kostümbildnerin Veronika Albert

DAS WAR 2021 - Eine Branchenumfrage: Filmemacherin Eva Spreitzhofer

DAS WAR 2021 - Eine Branchenumfrage: Tammo Buhren, Geschäftsführer zweiB