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DAS WAR 2021 - Eine Branchenumfrage: Christian Jungen, Festivalchef Zurich Film Festival

Was waren die Ereignisse, die Ihr 2021 geprägt haben? Blickpunkt:Film hört sich um und befragt Mitglieder der Kino-, Fernseh-, Festival- und Videobranche, mit welchen Schwierigkeiten sie konfrontiert waren, welche Erfolge sie feiern konnten. Hier berichtet Christian Jungen, Künstlerischer Leiter des Zurich Film Festival.

16.12.2021 12:03 • von Barbara Schuster
Christian Jungen (Bild: Gabriel Hill for Zurich Film Festival )

Was waren die Ereignisse, die Ihr 2021 geprägt haben? Blickpunkt:Film hört sich um und befragt Mitglieder der Kino-, Fernseh-, Festival- und Videobranche, mit welchen Schwierigkeiten sie konfrontiert waren, welche Erfolge sie feiern konnten. Hier berichtet Christian Jungen, Künstlerischer Leiter des Zurich Film Festival.

"Don't be a schmuck"

Was waren für Sie die prägenden Ereignisse in diesem Jahr?

Die Durchführung des 17. Zurich Film Festival im Herbst. Trotz unsicherer Lage und den Unkenrufen der Kulturpessimisten, das Kino sei tot, haben wir es als physischen Event durchgezogen - mit über 100.000 Besucherinnen und Besuchern und Gästen wie Sharon Stone, Paolo Sorrentino und Paul Schrader. Wir sind nun das größte Filmfestival der Schweiz und das zweitgrößte im deutschsprachigen Raum hinter der Berlinale. Ein zweites prägendes Ereignis war meine Reise nach Los Angeles Anfang Dezember. Ich habe meine Antrittsvisiten bei den Studios gemacht, die eigentlich für das Frühjahr 2020 vorgesehen waren, aber dann wegen der Pandemie nicht möglich waren. Es war schön zu sehen, dass das Zurich Film Festival bei den Studios bekannt und beliebt ist.

Womit hatten Sie am meisten zu kämpfen?

Mit dem grassierenden Pessimismus. Wenn man in einer Pandemie einen physischen Event mit vollen Kinosälen durchführen will, trifft man auf viele Bedenkenträger und Panikmacher. Irgendwann habe ich realisiert, dass man sich nicht beirren lassen darf und aufs Ziel fokussiert bleiben muss. Viele haben uns geraten, doch ein virtuelles Festival auszurichten. Doch das wollte ich nicht. Wir sind Fürsprecher des Kinos. Ich habe immer gesagt, für uns gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder wir machen das Festival mit Publikum in den Sälen oder wir machen es gar nicht. Eine der grössten Herausforderungen fürs Festival war es, genügend Helfer zu finden. Allein für die Kontrolle der Covid-Zertifikate an den Kinoeingängen benötigten wir 1200 Einsatzschichten à drei Stunden. Zum Glück haben uns viele Studierende und Kulturfreunde mit Sondereinsätzen unterstützt.

Was waren Ihre persönlichen größten Erfolge?

Ein Karriere-Highlight war für mich, dass wir das neue James-Bond-Abenteuer "Keine Zeit zu sterben" zeigen konnten - nur 15 Minuten nach Beginn der Weltpremiere in London. Dafür haben wir über vier Monate mit dem Studio verhandelt. Toll war überdies, dass die MGM-Studiobosse Pamela Abdy und Michael De Luca nach Zürich kamen, wo wir Pam an unserer Industry-Konferenz Zurich Summit mit dem Game-Changer-Award dafür auszeichneten, dass sie mit ihrem Studio dem Kino die Treue hält und Filme wie "Keine Zeit zu sterben", "Licorice Pizza" und "House of Gucci" nicht an Streamer verkaufte. Ein weiterer Erfolg war es, Sharon Stone ans Festival zu bringen. Die Frau ist noch immer eine Wucht, vermag Publikum und Medien in ihren Bann zu ziehen.

Wie schätzen Sie 2022 ein?

Es wird nochmals ein herausforderndes Jahr. Der durch die staatlichen Ausfallentschädigungen für die Branche aufgeschobene Strukturwandel wird nun einsetzen. Es wird Entlassungen und Schliessungen geben. Aber auch wieder viele tolle Filme und neue Chancen für Leute mit Zuversicht und guten Ideen. Und wenn ich vor einer schwierigen Situation stehe, werde ich in meinem Büro zur Kaffeemaschine schauen, über der ich das Motto, das mir mein Vorgänger als Abschiedsgeschenk hinterlassen hat, aufgehängt habe: Don't be a schmuck. Keep going. It will be great.

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