Festival

Svenja Böttger zum 43. MOP: "Ein Modellprojekt"

Die Leiterin des Filmfestival Max-Ophüls-Preis in Saarbrücken sprach mit uns über die 43. Ausgabe, die ab 16. Januar mit brandneuem Konzept hybrid und verlängert an den Start geht.

09.12.2021 13:22 • von Heike Angermaier
Svenja Böttger (Bild: Oliver Dietze/FF MOP)

Svenja Böttger, Leiterin des Filmfestival Max-Ophüls-Preis in Saarbrücken, sprach mit uns über die 43. Ausgabe, die nach einer digitalen Version 2021 ab 16. Januar nun mit brandneuem Konzept hybrid und verlängert an den Start geht.

Wie schwer war es für Sie, dass die 43. Ausgabe doch nicht fast normal ablaufen kann wie noch im Herbst geplant?

SVENJA BÖTTGER: Es war sehr schwer. Wir hatten zwar sowieso schon nur auf eine kleinere Festival-Version gehofft, die komplett im Kino stattfinden sollte, aber angesichts der angespannten Corona-Lage blieb uns nichts anderes übrig als noch einmal umzudenken. Wir haben zwei Wochen über neue Konzepte diskutiert und uns für eines entschieden, das unter den aktuellen Bedingungen machbar ist und trotzdem auch am physischen Ort Kino festhält.

Gibt es unter den Alternativszenarien auch eine komplett digitale Version wie in diesem Jahr?

SVENJA BÖTTGER: Leider ja. Das ist unsere absolute Notfall-Version, wenn im Saarland ein Lockdown beschlossen wird. Die Version, die wir aber anstreben, sehen wir als Modellprojekt. Um den Kinobetrieb mit Eventcharakter unter den aktuellen Maßnahmen möglich zu machen, haben wir das Festival um drei Tage verlängert und auf Kinos außerhalb Saarbrückens ausgeweitet. Vor allem haben wir unser Programm stark herunter gekürzt auf 27 Wettbewerbsprogramme und auf maximal 80 Filme insgesamt inklusive Kurzfilme. So können wir für jeden Film bzw. jedes Programm eine Premiere mit Gästen und Publikum im größten Kinosaal in Saarbrücken mit Publikumsgespräch veranstalten, die simultan in die anderen Kinos ausgestrahlt wird. Jeder Film läuft also nur zu einem Termin, aber in mehreren Kinos gleichzeitig.

Wie ist der Stream geregelt?

SVENJA BÖTTGER: Beim Onlinestream sind wir genauso streng wie im vergangenen Jahr und limitieren Kontingente und Zugriffe. Im Moment der Präsenzpremiere der jeweiligen Filme startet auch das Streaming, das - je nach Verfügbarkeit - bis 30. Januar abrufbar ist.

Sie können aber die Erfahrung aus dem Vorjahr nutzen?

SVENJA BÖTTGER: Für die technische Umsetzung ja, aber die Rahmenbedingungen sind in der vierten Welle andere und können sich natürlich auch noch weiter verändern, wenn die Corona-Lage sich weiter verschlechtern sollte. Unser Hauptproblem ist jetzt, mit der Vorbereitung fertig zu werden. Im vergangenen Jahr hatten wir fast fünf Wochen mehr Zeit, unser Konzept umzusetzen. Wir haben den Filmschaffenden gerade erst unser neues Konzept erklärt und sind größtenteils auf große Zustimmung gestoßen. Aber die Zahl der Gäste ist wie die der Zuschauer*nnen begrenzt und könnte sich noch weiter reduzieren. Unser Format "MOP-Festivalfunk" mit dem SR, in dem wir unsere Talente und ihre Filme vorstellen, setzen wir aber auf jeden Fall fort, und wir werden auch unsere "Blaue Woche" zur Einstimmung vor dem Festival wieder veranstalten.

Können Sie erste Programmschwerpunkte nennen?

SVENJA BÖTTGER: Zum Programm kann ich erst etwas am 16. Dezember sagen, wenn unsere Pressekonferenz stattfindet. Aber wir merken an der Zahl der Einreichungen deutlich, dass weniger Nachwuchsfilme fertig bzw. überhaupt gedreht wurden. Nach dem Filmstau kommt nun die Filmleere. Dabei ist insbesondere die Zahl der freien Projekte, die in den Jahren vor Corona kontinuierlich zunahm, weniger geworden, weil die Finanzierung nicht zustande kam. Dass gerade beim Nachwuchs gespart wird, finde ich ein sehr schlechtes Signal!

Sind Ihnen alle bzw. die meisten Preisstifter und Partner erhalten geblieben?

SVENJA BÖTTGER: Tatsächlich komplett ja. Aber das heißt leider nicht, dass wir gut dastehen. Wir haben trotzdem massive Einnahmeeinbußen. Vom Land erhalten wir gerade viel Unterstützung, aber aus dem Programm Neustart Kultur beispielsweise bekommen wir bisher keine Unterstützung. Das ist ziemlich frustrierend. Immerhin ist die Bedeutung der Filmfestivals dank des Engagements der AG Filmfestival inzwischen mehr in den Fokus der politischen Entscheider*Innen gerückt.

Die Fragen stellte Heike Angermaier