Kino

Forschungsprojekt "CineCov" bestätigt geringes Infektionsrisiko in Kinos

Eine von der SPIO initiierte und von der BKM geförderte Analyse des Fraunhofer Instituts in Zusammenarbeit mit der Universität der Bundeswehr unterstreicht einmal mehr, dass die in Filmtheatern typischen guten Lüftungsanlagen für eine zügige Abfuhr möglicher infektiöser Aerosole sorgen.

07.12.2021 16:05 • von Marc Mensch
Messung der Lüftungssituation und Aerosolausbreitung im Kinosaal »Neues Rex« in München. Der Einfluss von Besuchern wird dabei durch Wärmelastsimulatoren nachgestellt. (Bild: Fraunhofer IBP)

Womöglich gilt ja irgendwann ja doch, was man steten Tropfen nachsagt? Eine aktuelle Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP jedenfalls bestätigt nur, was schon vorherige Studien ergeben haben: Die in Filmtheatern typischen guten Lüftungsanlagen sorgen für eine zügige Abfuhr möglicher infektiöser Aerosole - und damit für ein geringes Infektionsrisiko.

Auf Initiative der SPIO - damals noch unter ihrem ehemaligen Präsidenten Thomas Negele - hin untersuchten Wissenschaftler*innen des IBP im Rahmen des von der BKM geförderten Projekts "CineCov" die typische Lüftungssituation in Kinosälen. Gemeinsam mit der Universität der Bundeswehr führten sie - unter anderem im Kino »Neues Rex« in München - umfassende Messungen durch und werteten mittels Simulation verschiedene Szenarien aus. Ergebnis: Die möglicherweise vom Publikum freigesetzten infektiösen Aerosole transportiert die Lüftung zügig ab.

"Die durch Menschen erwärmte Luft steigt nach oben. Speziell die für Kinosäle typische sogenannte Quelllüftung macht sich diesen Effekt zunutze", bringt Prof. Dr. Gunnar Grün, Projektleiter von CineCov, die Ausgangslage auf den Punkt. "Dies hat den entscheidenden Vorteil, dass Aerosole und darin enthaltene Viren effektiv abgeführt werden". In der Konsequenz sinkt das Infektionsrisiko - was sich laut einer Mitteilung des Fraunhofer-Instituts mit dem kürzlich berichteten geringen Anteil an Warnmeldungen der Luca-App aus Kinos (1,7 Prozent) "sehr gut decke".

Für "CineCov"-Initiator und Kinobetreiber Thomas Negele sind die Ergebnisse ein weiterer Beleg dafür, dass die aktuellen Auflagen für Kinos unter anderem in Bayern überzogen sind: "Für uns ist es kaum nachvollziehbar, weshalb für Kinos wesentlich strengere Zugangsregelungen als beispielsweise für Gaststätten gelten. Die aktuellen wissenschaftlichen Analysen belegen, dass Kinoräume für Menschen sicher und nur mit geringem Infektionsrisiko betrieben werden können. Unser aller Anliegen muss es sein, bereits heute bestmögliche Sicherheitsmaßnahmen für die Zukunft zu standardisieren. Unser Ziel ist daher, dass wir diese schönste Form der Filmkultur für alle noch sicherer erlebbar machen und auch der Politik eine differenziertere Grundlage bieten."

Bereits Ende vergangener Woche ist eine weitere Messkampagne des Fraunhofer IBP im Kinocenter "Trifthof" im oberbayerischen Weilheim gestartet. Nach "ersten, vielversprechenden Versuchen" mit zusätzlichen Verfahren zur Desinfektion von Luft und Oberflächen werden in diesem Rahmen weitere Lösungen auf ihre Wirksamkeit getestet. Mittels sogenannter Surrogat-Viren untersucht die Hygiene- und Raumklima-Forschungsgruppe des Fraunhofer IBP, ob bzw. wie viele infektiöse Aerosole im unmittelbaren Umfeld einer Indexperson nachweisbar sind - mit und ohne Luftreinigung.

Die Erkenntnisse sollen in überarbeitete Konzeptempfehlungen für Filmtheater einfließen, die in Kooperation mit dem Institut für Arbeitsmedizin, Sicherheitstechnik und Ergonomie e.V. (ASER) in entwickelt werden.

Weitere Informationen finden Sie hier auf den Seiten des Fraunhofer Instituts.