Kino

DAS WAR 2021 - Eine Branchenumfrage: Kostümbildnerin Veronika Albert

Was waren die Ereignisse, die Ihr 2021 geprägt haben? Blickpunkt:Film hört sich um und befragt Mitglieder der Kino-, Fernseh- und Videobranche, mit welchen Schwierigkeiten sie konfrontiert waren, welche Erfolge sie feiern konnten. Hier berichtet die österreichische Kostümbildnerin Veronika Albert.

07.12.2021 07:32 • von Barbara Schuster
Kostümbildnerin Veronika Albert (Bild: Privat)

Was waren die Ereignisse, die Ihr 2021 geprägt haben? Blickpunkt:Film hört sich um und befragt Mitglieder der Kino-, Fernseh- und Videobranche, mit welchen Schwierigkeiten sie konfrontiert waren, welche Erfolge sie feiern konnten. Hier berichtet die österreichische Kostümbildernin Veronika Albert.

"Green Producing wird wichtiger Bestandteil"

1. Was waren für Sie die prägenden Ereignisse in diesem Jahr?

Die angespannte Coronasituation spielte natürlich auch 2021 eine große Rolle in meinem Leben. Einige internationale Projekte wurden auf Grund der Pandemie abgesagt oder verschoben. Dadurch musste ich zum Beispiel auf ein historisches Projekt verzichten, was ich sehr schade fand. Solche Absagen ist man zwar gewöhnt, wenn man in diesem Beruf arbeitet, dennoch tun sie jedes Mal aufs Neue weh und prägen einen dann auch.

Dafür hatte ich heuer gut Zeit für den Verband österreichischer Filmausstatter*innen zu arbeiten, dabei habe ich gemerkt, dass ich mich gerne für Andere einsetze, und es war ein gutes Training für meine Kommunikationsweisen.

Das Green Producing wird ein wichtiger Bestandteil in Zukunft in unserer Arbeit werden und darum habe ich mich dieses Jahr damit recht viel beschäftigt. Hatte dabei einige Aha-Erlebnisse und konnte viele wichtige Informationen sammeln, die ich nun in meinen Beruf integrieren werde.

Große Freude hatte ich auch bei dem Beschluss vom Österreichischen Filminstitut, in Zukunft eine Frauenquote im Film einzuführen. Ich finde, es sollten mehr weibliche Themen in Filmen und Serien in Zukunft gefördert werden und dabei hilft uns die beschlossene Quote. Denn bislang waren es leider immer nur 25 Prozent - und das ist echt zu wenig!

Große Angst hatte ich um ein Familienmitglied, welches Anfang des Jahres an Covid-19 erkrankte, aber zum Glück, und dafür bin ich unendlich dankbar, ging es nach einer kurzen gefährlichen Phase wieder gut aus.

Wer es allerdings leider nicht geschafft hat und was mich sehr traurig macht, ist die liebe Kollegin, Ursula Wolschlager, Produzentin, Drehbuchautorin, Dramaturgin. Sie starb nach einer Krebserkrankung viel zu früh mit nur 52 Jahren. Sie hat so viel für den österreichischen Film getan und ich mochte sie sehr. Man denkt dann wieder mehr über das Leben, die Liebe, die Gesundheit und die Vergänglichkeit nach.

2. Womit hatten Sie am meisten zu kämpfen?

Beruflich war das wohl meine finanzielle Lage, wenn man nicht weiß, wann das nächste Projekt kommt, ist man schon gestresst. Ich hatte aber auch das Glück ein schönes Projekt in Griechenland drehen zu können. Das war allerdings eine Herausforderung, ich musste mit einem griechischen Team arbeiten, da merkte ich erst, wie genau und schnell wir Österreicher*innen und Deutsche arbeiten, im Gegensatz zur südländischen Mentalität. Aber ich habe auch dadurch wieder viel dazugelernt und kann diese Erfahrung in zukünftige Projekte mitnehmen.

Privat war es vor allem in den letzten Wochen durch die neuerliche Entwicklung vom hohen Anstieg der Coronainfektionen sehr schwierig. Die Spaltung in der Gesellschaft tut mir gar nicht gut und ich kann nur hoffen, dass es sich bald für alle gut entwickeln wird und wir irgendwann wieder gelöster mit vielem umgehen können. Ich setze da sehr auf die Impfung!

3. Was waren Ihre persönlichen größten Erfolge?

Beruflich war das der Besuch auf dem Filmfestival in Locarno. Dort wurde im August die Premiere von meinem letzten historischen Projekt "Monte Verità - Der Rausch der Freiheit" von Stefan Jäger und mit Maresi Riegner in der Hauptrolle gefeiert. Und es ist immer sehr schön für mich, wenn ich meine Arbeit dann im fertigen Film sehen kann, und auch zufrieden damit bin. Die Dreharbeiten fanden 2020 in der Schweiz, Italien, Deutschland und Österreich unter strengsten Coronamaßnahmen statt, was sehr mühsam war. Die Premiere war dann die Belohnung für die harte Arbeit.

Privat hatte ich endlich Zeit, eine langfristige und nachhaltige Ernährungsumstellung zu machen. Ich ernähre mich nun seit einiger Zeit schon zu 80 Prozent vegan und es tut mir und meinem Körper unendlich gut. Das hätte ich während Dreharbeiten niemals so gut geschafft. Dafür bin ich dankbar, meine Blutwerte waren noch nie so gut!

4. Wie schätzen Sie 2022 ein?

In Österreich haben wir zur Zeit wieder einen Lockdown. Man kann, fürchte ich, leider keine seriösen Prognosen für 2022 geben. Aber ich kann hoffen, und das tue ich, indem ich ganz fest daran glaube, dass wir die Pandemie nächstes Jahr endlich besser in den Griff bekommen werden, da auch bald zusätzliche Impfstoffe auf dem Markt sein werden, die dann die Impfquoten sicher in die Höhe treiben werden.

Beruflich hoffe ich einerseits das wunderbare historische Projekt "Die Mittagsfrau" unter der Regie meiner Schwester Barbara Albert drehen zu können. Es ist eine Romanverfilmung und spielt 1921 bis 1954. Andererseits hoffe ich auf ein weiteres historisches Projekt mit einer anderen wunderbaren Regisseurin. Da möchte ich noch nichts verraten. Aber generell kommen jetzt langsam wieder mehr Anfragen rein und das zeigt den Optimismus in der Filmbranche und dieser färbt auch auf mich ab!

DAS WAR 2021 - Eine Branchenumfrage: Filmemacherin Eva Spreitzhofer

DAS WAR 2021 - Eine Branchenumfrage: Tammo Buhren, Geschäftsführer zweiB