Kino

DAS WAR 2021 - Best of Kino: Barbara Schuster, Chefin vom Dienst

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, Zeit auch für die Redaktion, es Revue passieren zu lassen und die ganz persönlichen Favoriten zu benennen. Hier wirft Barbara Schuster, Chefin vom Dienst, einen Blick auf ihre zehn liebsten Kinoproduktionen.

16.12.2021 10:54 • von Jochen Müller
"Annette" ist der Kinofavorit 2021 von Barbara Schuster, Chefin vom Dienst (Bild: Alamode (Filmagentinnen))

Ich wünschte, ich wäre öfter im Kino gewesen. Und das sage ich nicht nur, weil es im ersten Halbjahr fast nicht möglich war. Sondern weil die Erlebnisse, die ich im Kino im zweiten Halbjahr hatte, oftmals wunderbare, nachhaltige Erfahrungen waren. Ob Annette", mein Lieblingsfilm in diesem Jahr, so stark auf mich gewirkt hätte, wenn ich ihn nur als Stream gesehen hätte? Ich bezweifle es. Hätten mich Frau im Dunkeln" oder Das Ereignis" ebenso bewegt, wenn ich sie nicht in Venedig bei der Mostra gesehen hätte? Vielleicht schon. Aber das Umfeld und das Ambiente, in denen man einen Film erlebt, sind eben doch auch entscheidend: Das wird man immer mit diesen Werken verbinden, die Vorfreude davor, die Gespräche danach... Andersrum: Vielleicht würde ich Helden der Wahrscheinlichkeit" und Die Geschichte meiner Frau" höher werten, wenn ich sie nicht zu Sichtungszwecken nur als Screener gesehen hätte. Es spricht indes auch für ihre Klasse, dass sie ihre Wirkung zuhause auf dem Computerbildschirm entfalten konnten.

1. "Annette"

Mich hat die Wucht und Unerbittlichkeit von Leos Carax' Musical umgehauen: Dass ein Filmemacher wirklich alles auf eine Karte setzt, erlebt man selten.

2. "Frau im Dunkeln"

Maggie Gyllenhaal verfilmt in ihrem Debüt den Erfolgsroman von Elena Ferrante, Olivia Colman als Frau, die sich verloren hat und beim Strandurlaub in Griechenland wiederfinden will. Hat mich sehr bewegt. Und den Roman habe ich auch gleich gelesen.

3. "West Side Story"

Diese Farben, diese Dynamik, diese Bewegung. Ich bin nicht unbedingt Fan traditioneller Musicals, aber wie Steven Spielberg den Klassiker auf den heutigen Stand der Dinge bringt, ist unbedingt sehenswert.

4. Wo in Paris die Sonne aufgeht"

Nach einem Ausflug in die USA kehrt Jacques Audiard nach Frankreich zurück, um mit fast weiblichem Blick von der Liebe zu erzählen in einem Paris, das sich im ständigen Umbruch befindet.

5. "Das Ereignis"

Spielt im Jahr 1962, könnte aber auch im Hier und Jetzt sein. Jede Szene, jedes Bild spürt man.

6. Cruella"

Die Ausstattung! Die Kostüme! Die Musik! Gar nicht sattsehen und -hören kann man sich an diesem rauschartigen Spektakel.

7. The Card Counter"

Die beinahe minimalistische und doch so eindringliche Atmosphäre hat mich sofort in ihren Bann geschlagen. Und Oscar Isaac habe ich noch nie so gut gesehen.

8. "Hit the Road"

Film aus dem Nichts, den ich sehen wollte, seitdem die ersten euphorischen Besprechungen aus Cannes zu lesen waren. Zum Glück hat's auf der Viennale geklappt. Debüt des Jahres!

9. "Helden der Wahrscheinlichkeit"

Mads Mikkelsen ist immer gut. Und in seiner Auswahl so zuverlässig und mutig, dass man auch fast immer den Filmen vertrauen kann, in denen man ihn sieht. Wie hier. So viel gelacht!

10. "Die Geschichte meiner Frau"

Was für ein faszinierender, fast hypnotischer Film, dem man ein bisschen Zeit geben muss, bis er einen in seinen Bann schlägt. Ich jedenfalls war gefesselt von den Figuren und dem ungewöhnlichen Szenario.