Kino

Wegweisender Deal für Canal Plus

Um im Wettbewerb mit den US-Streamern mithalten zu können, hat Canal Plus gemeinsam mit den französischen Filmverbänden eine wegweisende Vereinbarung getroffen, die einerseits die französische Filmproduktion massiv unterstützt, andererseits der Pay-TV-Gruppe ein kürzeres Auswertungsfenster gewährleistet.

03.12.2021 08:38 • von Barbara Schuster
Canal Plus ist der wichtigste Partner der französischen Filmindustrie (Bild: Canal Plus)

Um im Wettbewerb mit den US-Streamern Netflix, Prime oder Disney+ mithalten zu können, hat Canal Plus gemeinsam mit den französischen Filmverbänden eine wegweisende Vereinbarung getroffen, die einerseits die französische Filmproduktion massiv unterstützt, andererseits der Pay-TV-Gruppe ein kürzeres Auswertungsfenster gewährleistet, um die Filme schneller auf die hauseigene Plattform stellen zu können.

Für die Jahre 2022 bis 2024 hat sich Canal Plus dazu verpflichtet, 600 Millionen Euro in französische und europäische Filme zu investieren. Der größte Anteil, nämlich 85 Prozent, soll französischen Filmproduktionen zugutekommen. Auch eine Diversitätsklausel wurde aufgesetzt, um zu verhindern, dass die Gruppe nur in Big-Budget-Produktionen einsteigt und kleinere Produktionen keine Chance erhalten. Der über sechs Monate hinweg ausgehandelte Deal wurde gestern von Canal-Plus-Chef Maxime Saada und den wichtigsten französischen Verbänden, ARP, BLIC und BLOC, in denen die verschiedensten Gewerke von Autoren über Regisseure, Produzenten hin zu Verleihern und Vertrieben organisiert sind, unterzeichnet.

Canal Plus ist seit vielen Jahren der wichtigste Partner der französischen Kinofilmindustrie und war stets, wie alle französischen Sender, über Investment-Vereinbarungen hinsichtlich der Kinofilmproduktion eingebunden. So war Canal Plus dazu verpflichtet, 12,5 Prozent seines Jahresumsatzes in französische und europäische Filme zu investieren. Aufgrund der volatilen Entwicklung des Marktes seit Eintritt von Netflix und Co in Frankreich, was auch Canal Plus zu spüren bekam, variierte bzw. sank der Beitrag zur französischen Filmproduktion durch die Pay-TV-Gruppe.

Die nun getroffene Vereinbarung ist unabhängig vom Marktgeschehen, was für die Kreativen und Produzenten eine klare Absicherung bietet. Auf der anderen Seite wird Canal Plus eingeräumt, die Filme bereits sechs Monate nach Kinostart auf seiner Plattform zu zeigen. Akquirierter Content erhält ein exklusives neunmonatiges Fenster, das auf 16 Monate ausgedehnt werden kann, wenn eine weitere Auswertungsstufe folgen sollte, gewährleistet bekommt.

Daraus zieht Canal Plus einen Wettbewerbsvorteil, denn Konkurrenten wie Netflix müssen in Frankreich 15 oder 17 Monate warten, bis sie Filme, die im Kino liefen, auf ihren Plattformen anbieten dürfen. Die Regeln für die Auswertungsfenster für alle Akteure, einschließlich Free-TV und Streamingdiensten, werden derzeit überarbeitet und liegen nun in Händen der französischen Regierung, deren Genehmigung eingeholt werden muss. Die neuen Fenster-Richtlinien sollen die vorgeschriebenen Quoten für lokale Inhalte (Streamer sind verpflichtet, 20 Prozent ihrer Einnahmen in Frankreich in lokale Produktionen zu investieren) ergänzen.