Kino

KOMMENTAR: Bessere Zeiten

Das Coronavirus hat auch in diesem Winter das Land fest im Griff und bringt die Film- und Kinobranche erneut in Bedrängnis. Dabei sollte jetzt eigentlich eine Zeit des Aufbruchs sein, mit einer neuen Regierung und einem neuen Blick auf die Kultur- und Kreativwirtschaft, die in den Wechsel große Hoffnungen setzt.

02.12.2021 07:40 • von Jochen Müller
Ulrich Höcherl, Chefredakteur (Bild: Blickpunkt:Film)

Das Coronavirus hat auch in diesem Winter das Land fest im Griff und bringt die Film- und Kinobranche erneut in Bedrängnis. Dabei sollte jetzt eigentlich eine Zeit des Aufbruchs sein, mit einer neuen Regierung und einem neuen Blick auf die Kultur- und Kreativwirtschaft, die in den Wechsel große Hoffnungen setzt. Ob Europäischer Filmpreis oder Max Ophüls Festival, wie letztes Jahr ist es wieder an der Zeit auf Präsenzveranstaltung ganz zu verzichten, oder sie durch hybride Modelle zu ersetzen.

Die Münchner Filmwoche findet nun nicht im Januar sondern vielleicht im März statt, und der Medienboard-Empfang zur Berlinale vielleicht im Sommer nächsten Jahres. In einzelnen Bundesländern sind die Kinos schon wieder im Lockdown oder statt mit einer vernünftigen 2G-Regel mit einem unnötigen 2G+Test-Erfordernis überzogen, das sie 80 Prozent ihres Umsatzes kostet. Da ist es schwer, die Aufbruchstimmung zu empfinden, die eine neue Regierungskoalition mit sich bringen sollte.

Und doch sind die Hoffnungen groß. Das liegt auch am Koalitionsvertrag, der seit letzter Woche auf dem Tisch liegt und nicht nur freundliche Absichtserklärungen, sondern ganz konkrete Formulierungen enthält. Die neue Koalition der einzelnen Branchenverbände k3d freut sich schon mal, dass die Kultur- und Kreativwirtschaft nun einen direkten Ansprechpartner bekommen soll, der bei der Bundesregierung festgemacht ist. Die Produzentenverbände freuen sich, weil das drängende Besteuerungsproblem bei Coproduktionen gelöst werden soll. Die Förderung des Bundes soll neu geordnet werden, eine tiefgreifende Novellierung des FFG endlich angegangen werden, womöglich sogar wieder über steuerliche Anreizmodelle für den Film nachgedacht werden, die die Konkurrenz mit dem benachbarten Ausland bestehen können. Und das alles in enger Abstimmung mit den Branchenverbänden und den Länderförderern.

Das Wichtigste aber ist, dass eine Investitionsverpflichtung für die Streamer gesetzt werden soll, damit sie einen Teil des Umsatzes, den sie hierzulande machen, auch hier in die Produktion neuer Inhalte stecken müssen. Die Kinos freuen sich, weil sie in ihrer Bedeutung gewürdigt werden und wie die Festivals zuverlässig weiter gefördert werden sollen.

Auch die Personalie dazu hat großen Anklang gefunden. Die bisherige BKM Monika Grütters hat sich viele Meriten erworben und um die Filmbranche verdient gemacht. Aus ihrer Vorliebe für die Hochkultur und den künstlerischen Film hat sie nie einen Hehl gemacht. Der kulturelle Mainstream lag ihr nicht unbedingt am Herzen. Von Claudia Roth erhoffen sich nun alle einen pragmatischeren Ansatz und eine Öffnung gegenüber kulturellen Ausformungen, die auch ein großes Publikum begeistern. Grund also, hoffnungsvoll gestimmt in die Zukunft zu blicken, wenn da nur nicht das Virus wäre...

Ulrich Höcherl, Chefredakteur