Kino

Cinecitta bilanziert dramatischen Rückgang durch 2G Plus

Innerhalb von drei Wochen mit zunehmend schärferen Corona-Maßnahmen haben sich die Besucherzahlen im Cinecitta um gut 80 Prozent verringert. Ähnlich fällt die Bilanz aus, wenn man das vergangene Kinowochenende in Relation zu Vergleichszahlen der Vorjahre setzt - und das in einem Multiplex, das sogar ein eigenes Testzentrum im Haus hat. Schon morgen soll ein Eilantrag bei Gericht eingereicht werden.

29.11.2021 15:44 • von Marc Mensch
Wolfram Weber zieht erneut vor Gericht (Bild: Cinecitta)

Der November begann im Nürnberger Cinecitta, einem der größten Multiplexe der Republik, nicht schlecht. 22.096 Besucher konnte Betreiber Wolfram Weber zwischen Mittwoch dem 3. November und Sonntag dem 7. November zählen. Eine Woche später stand die Corona-Ampel in Bayern auf Rot, 2G wurde zur Zulassungsvoraussetzung für Kinos - ohne Ausnahmen für ungeimpfte Jugendliche. Denn als bislang einziges Bundesland pocht Bayern auf den 2G-Status schon ab einem Alter von zwölf Jahren und drei Monaten.

Die logische Folge der Zugangshürde: Vom 10. bis 14. November sanken die Besucherzahlen um mehr als die Hälfte auf 10.221, eine Woche später waren es von Mittwoch bis Sonntag dann noch 9067. Dann kam 2G Plus und damit eine weiter Halbierung der Zahlen: 4309 verkaufte Tickets zählten die Webers am vergangenen Wochenende (inkl. Mittwoch) noch, dies entsprach einer Auslastung ihres Hauses von 3,8 Prozent. Innerhalb von drei Wochen waren die Besucherzahlen also um gut 80 Prozent verringert.

Sowohl der Vergleich mit dem diesjährigen Oktoberdurchschnitt wie auch mit den entsprechenden Wochen der Jahre 2017 bis 2019 zeige, dass 2G Plus gegenüber einem Kinobetrieb ohne derart einschneidende Auflage ein Minus von rund 80 Prozent bedeutet habe, erläutert Weber.

Dabei hat das Cinecitta sogar noch einen erheblichen Vorteil: Denn das Multiplex bietet in der Kassenhalle des Cinemagnum ein eigenes Testzentrum - das sich laut Weber "vor dem Ansturm gar nicht retten kann". Alleine gestern seien 812 Tests (davon rund 90 Prozent an Geimpften) vorgenommen worden, nur zwei seien positiv ausgefallen. Zusätzlich hatte man für Kurzentschlossene in der Kassenhalle des Haupthauses noch 145 (durchgehend negative) Selbsttests unter fachkundiger Aufsicht durchführen lassen - eine Maßnahme, die laut Weber aber auch nur deshalb durchgeführt werden konnte, weil sich der Besuch insgesamt in engen Grenzen hielt. Zudem sei das Problem absehbar, dass Tests Mangelware werden.

Insgesamt also eine desolate Situation - und ein klarer Beleg dafür, dass an einen auch nur kostendeckenden Betrieb unter 2G-Plus-Bedingungen nicht zu denken ist. Was Weber besonders anprangert, ist die Ungleichbehandlung der Gastronomie, vor allem angesichts der besonders sicheren Umgebung, die Kinos bieten. Deshalb werde von seinem Anwalt derzeit ein Eilantrag finalisiert, der am morgigen Dienstag der Verwaltungsgerichtsbarkeit vorgelegt werden soll. Tatsächlich soll, wie man in Branchenkreisen hörte, Weber nicht der einzige Kinobetreiber sein, der in dieser Situation den Rechtsweg beschreiten will.