Produktion

Dienstleister-Umfrage, Teil 5: "Bessere Kommunikation"

Wir fragten Dienstleister, was sie von der neuen Bundesregierung erwarten, wie wichtig Ausfallfonds bleiben und welche Trends bestimmend sind. Hier antwortet Jens Wolf, Geschäftsführer MMC Studios Köln.

01.12.2021 07:29 • von Heike Angermaier
Jens Wolf, MMC Studios (Bild: MMC Studios)

Wir fragten Dienstleister, was sie von der neuen Bundesregierung erwarten, wie wichtig Ausfallfonds bleiben und welche Trends bestimmend sind. Hier antwortet Jens Wolf, Geschäftsführer MMC Studios Köln.

Welche Erwartungen haben Sie an eine neue Bundesregierung?

JENS WOLF: Ich erwarte von der neuen Regierung eine deutliche bessere Kommunikation bezüglich der Covid-Situation. Als Studio setzen wir seit Beginn der Pandemie auf ein umfangreiches und detailliertes Hygienekonzept, das wir laufend optimieren. Dafür brauchen wir klare und verständliche Regeln der Politik, auch für den Umgang mit den Kollegen. Ich würde mir beispielsweise eine Offenlegung der Impfstati der Mitarbeitenden wünschen, um einen bestmöglichen Schutz für alle Kollegen gewährleisten zu können und Forderungen Seitens der Sender nach einer Produktionsumsetzung im 2G Hygienestandard nachzukommen.

Unabhängig von Corona hoffe ich natürlich, dass die neue Bundesregierung für eine verbindliche Entwicklung der Medienpolitik steht und Kultur und Medien entsprechend fördert. Eine starke Wirtschaftsförderung ist ein wichtiger Baustein, um als Branche international konkurrenzfähig zu bleiben und in neue Produktionsmethoden und die Ausbildung neuer Talente investieren zu können.

Wie wichtig waren und bleiben Ausfallfonds zur Absicherung der Pandemierisiken in der Produktion - und welche Maßnahme wären darüber hinaus gefragt, um der Film- und TV-Branche durch den zweiten Coronawinter zu helfen? 

JENS WOLF: Die Ausfallfonds sind eines der wichtigsten Instrumente, um die Filmproduktion und die Finanzierung zu sichern. Ein klares Regelwerk im Umgang mit Corona ist das A und O. Nur wenn das Regelwerk und die Erwartungen der Politik klar und verständlich formuliert ist, können wir als Produzenten planen und unsere Produktionen absichern. Im Fall der Fälle zählen dann alle Beteiligten auf eine schnelle Umsetzung und Übernahme durch die Fonds, ohne viel behördliche Hürden. Sicherlich gibt es noch Produktionen, welche in der zweiten und dritten Welle darauf zurück greifen mussten, im Großen und Ganzen haben wir es als Industrie geschafft, ganz gut mit der Situation umzugehen. Im internationalen Umfeld verschaffen uns die Ausfallfonds einen Vorteil gegenüber anderen Ländern, da die internationalen Produzenten die bei uns eingeführten Mechanismen zur Minimierung des Produktionsrisikos in den höchsten Tönen loben. Da wurde meiner Ansicht nach von der Politik vieles sehr richtig gemacht und ein ergebnisorientiertes Toolset geschaffen auf welches wir nun als Produzenten und Studiobetreiber zugreifen können.

Produktion wird virtueller, nachhaltiger, internationaler: Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Trend - und wie ist ihr Unternehmen darauf eingestellt?

JENS WOLF: Aus Sicht der Filmproduktion sehe ich den Bereich "Virtual Production" als wichtigsten Trend für die nächsten Jahre. Die Technik hat hier in den letzten Jahren einen großen Sprung gemacht und auch die Kostenvorteile liegen auf der Hand: Durch den Virtual Production Space entfallen Reiseaktivitäten, man ist unabhängig von Wetterbedingungen oder Drehgenehmigungen und die Schauspieler agieren in einer authentischen Atmosphäre statt vor dem Green Screen. Wir haben in diesem Sommer bei der MMC ein Pilotprojekt gestartet und haben in diesem Bereich definitiv viel vor.

Darüber hinaus werden die Produktionen internationaler, nicht zuletzt durch die Streaming Dienste. Darauf haben wir in diesem Jahr mit der Eröffnung unserer ersten Auslandsdependance der MMC Movies in Los Angeles reagiert. Wir werden so unser Netzwerk zu Produzenten, Stoffen, Talents und Studios ausbauen.

Dienstleister-Umfrage, Teil 4: "Starre Rahmenbedingungen" (Charlie Woebcken)

Dienstleister-Umfrage, Teil 3: "Digitalisierung vorantreiben" (Martin Frühmorgen)

Dienstleister-Umfrage, Teil 2: "Lied vom Steueranreizmodell" (Alice Brauner)

Dienstleister-Umfrage, Teil 1: "Erhöhung der Förderquote" (Friedhelm Bixschlag)