Produktion

Dienstleister-Umfrage, Teil 1: "Erhöhung der Förderquote"

Wir fragten Dienstleister, was sie von der neuen Bundesregierung erwarten, wie wichtig Ausfallfonds bleiben und welche Trends bestimmend sind. Hier antwortet Friedhelm Bixschlag, Geschäftsführer Bavaria Studios.

29.11.2021 08:40 • von Heike Angermaier
Friedhelm Bixschlag, Bavaria Studios (Bild: Bavaria Studio)

Wir fragten Dienstleister, was sie von der neuen Bundesregierung erwarten, wie wichtig Ausfallfonds bleiben und welche Trends bestimmend sind. Hier antwortet Friedhelm Bixschlag, Geschäftsführer Bavaria Studios.

Welche Erwartungen haben Sie an eine neue Bundesregierung?

FRIEDHELM BIXSCHLAG: Sie muss Rahmenbedingungen schaffen, die die deutsche Produktionslandschaft international wettbewerbsfähig machen. Das bedeutet eine grundlegende Reform der Filmförderung. Diese müsste insbesondere vier Punkte umfassen:

1. die Erhöhung der Förderquote, vor allem für Studiobetriebe

2. die Möglichkeit, dass technische Dienstleister selbst Förderanträge stellen können (neben dem komplexen DFFF2 und seinen hohen Hürden)

3. Planungssicherheit für Dienstleister und Kunden

4. eine Vereinfachung der Antragsbedingungen. Wir erwarten davon eine nachhaltige Stärkung des gesamten deutschen Produktionsstandortes.

Wie wichtig waren und bleiben Ausfallfonds zur Absicherung der Pandemierisiken in der Produktion - und welche Maßnahme wären darüber hinaus gefragt, um der Film- und TV-Branche durch den zweiten Coronawinter zu helfen?

FRIEDHELM BIXSCHLAG: Wir sind als Dienstleister indirekt betroffen. Somit wird uns auch indirekt geholfen. Für viele unserer Kunden bleiben Ausfallfonds die einzige Möglichkeit, um coronabedingte Drehstopps finanziell stemmen zu können. Ohne Ausfallfonds können Produzenten ihre Produktion nicht beginnen und das Risiko einer Unterbrechung auf sich nehmen. Weiterhin müssen alle Kosten übernommen werden, die entstehen, um Hygienemaßnahmen bzw. Corona-Schutz zu gewährleisten. Das umfasst insbesondere Corona-Tests, damit es gar nicht erst zu Produktionsunterbrechungen kommt. Entsprechend waren und sind Ausfallfonds für uns sehr entscheidend.

Produktion wird virtueller, nachhaltiger, internationaler: Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Trend - und wie ist ihr Unternehmen darauf eingestellt?

FRIEDHELM BIXSCHLAG: Zu den wichtigsten Trends gehören neben Green Production und Green Studios die virtuelle Produktion und eine zunehmende Internationalisierung auf Auftraggeberseite. Hinzu kommen immer mehr digitale, globale Verbreitungswege. Am Ende ist es ein Zusammenspiel all dieser Trends. Wir sind sehr gut aufgestellt und vorbereitet. Seit 2013 sind wir bereits als Standort CO2-neutral. Unsere Kunden finden optimale Voraussetzungen für die Umsetzung einer grünen Produktion vor. Mitarbeiter*innen werden als Green Consultants weitergebildet. Damit bieten wir neben der Infrastruktur auch Beratung an.

Zum Thema Virtual-/Mixed Reality-Produktion: Zusammen mit ARRI und Eyeline Studios haben wir das Konsortium "BaViPro" gegründet. Gemeinsam bauen wir in den nächsten Monaten eine LED-Bühne auf. Wir forschen, unterstützt vom Freistaat Bayern, an einer zukunftsfähigen LED-Volume-Bühne, die den Standort nachhaltig stärken wird. Nur so können wir die aktuell hohe Nachfrage auch internationaler Kunden und Plattformen dauerhaft befriedigen beziehungsweise deren Ansprüchen umfassend über alle Gewerke und Produktionsarten gerecht werden.