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REVIEW STREAMING: "The Beatles: Get Back" von Peter Jackson

Heute schon ist auf Disney+ Weihnachten für Fans der Beatles: Peter Jackson hat in "The Beatles: Get Back" aus Filmmaterial der "Let It Be"-Sessions ein achtstündiges Monumentalwerk des Dokumentarfilms geformt. Hier unsere Besprechung.

25.11.2021 16:16 • von Thomas Schultze
Höhepunkt von "Get Back": der letzte Live-Auftritt der Beatles auf dem Dach von Apple (Bild: Disney+)

Heute schon ist auf Disney+ Weihnachten für Fans der Beatles: Peter Jackson hat in The Beatles: Get Back" aus Filmmaterial der Let It Be"-Sessions ein achtstündiges Monumentalwerk des Dokumentarfilms geformt. Hier unsere Besprechung.

Anfang Januar 1969 kommen die Beatles in den Twickenham Studios zusammen, um binnen zwei Wochen neues Material zu erarbeiten, das dann in einem live aufgezeichneten Fernsehspecial der Weltöffentlichkeit präsentiert werden soll. Immer ist die Kamera von Regisseur Michael Lindsay-Hogg mit dabei, der gerade für die Stones den "Rock'n'Roll Circus" inszeniert hat und das Vertrauen der Beatles genießt. 60 Stunden Material werden gedreht; dazu kommen 150 Stunden Tonaufnahmen. Das TV-Special wird gestrichen, wie man weiß, aber Lindsay-Hogg nutzt das Material für den 1970 erschienenen Film "Let It Be", der gemeinhin als Dokument des Niedergangs der Beatles gilt, Zeugnis einer Gruppe, deren Mitglieder einander nicht mehr leiden und die nicht mehr miteinander arbeiten können - die kurz vor der nicht zu vermeidenden Implosion steht.

All dieses Material stand nun auch Herr der Ringe"-Regisseur Peter Jackson zur Verfügung, der es mit den Mitteln, mit denen er seine Erster-Weltkrieg-Doku They Shall Not Grow Old" modern und aktuell aussehen ließ, auf Vordermann brachte, dass es aussieht, als sei es erst gestern gedreht worden. Aus seinem ursprünglichen Vorhaben, einen neuen Film für Apple TV+ zu machen, ist nun ein fast achtstündiger Dreiteiler geworden, der Premiere bei Disney+ feiert. Und ein echtes Event, egal wie man zu den Beatles stehen oder wieviel man über die legendäre Band aus Liverpool wissen mag. Gewiss, die Laufzeit mag exzessiv erscheinen, zumal es nach einem zehnminütigen Intro, das die Karriere der Fab Four bis zu diesem Zeitpunkt zusammenfasst, keinen Erzähler mehr gibt, der den Zuschauer an der Hand nimmt und durch die Hülle und Fülle an Bild und Ton und vor allem Musik, Musik, Musik führt.

Abgesehen von einigen wenigen Texteinblendungen, die für Orientierung sorgen, ist man als Betrachter die sprichwörtliche Fliege an der Wand, erlebt sozusagen ungefiltert mit, wie die Beatles miteinander umgehen und wie die Lieder entstehen, die längst in den Kanon der Populärmusik eingeflossen sind: Aus einem kurzen Jam McCartneys zur Überbrückung einer Wartezeit schält sich die Melodie von "Get Back" heraus; während im Vordergrund diskutiert wird, spielt McCartney am Piano erste Versatzstücke von "Let It Be"; George Harrison erzählt den Bandkollegen, dass ihn ein Fernsehprogramm über einen Opernball zum Walzerrhythmus von "I Me Mine" inspiriert hat. Ansonsten wird viel gejammt miteinander, als gelte es, sich zum Warmmachen einmal durch die Historie des Rock'n'Roll zu spielen. Man erlebt das Bittere mit, die Nickligkeiten und Streits, die am Ende von Teil eins darin münden, dass George Harrison hinwirft und die Zukunft der Band zwischenzeitlich in der Schwebe hängt. Aber auch die Freude beim Spielen der Musik, wenn alles andere ausgeblendet werden kann, und dem letzten Auftritt auf dem Dach der Beatles-Organisation Apple. Wie von Peter Jackson zweifellos erhofft, entfaltet die Zeit, die man mit den Beatles verbringt, eine Sogwirkung, der man sich nicht entziehen kann, gerade in den Momenten, in denen man mit den genialsten Musikern des 20. Jahrhunderts einfach nur abhängt.

Thomas Schultze