Kino

Einigung über neuen Gagentarifvertrag

Produzentenallianz und ver.di haben sich auf einen neuen Tarifvertrag für die Filmschaffenden verständigt, der am 1. Januar inkrafttritt und bis 31. Dezember 2023 läuft.

25.11.2021 12:30 • von Jochen Müller
Christoph Palmer, CEO und Verhandlungsführer der Produzentenallianz (Bild: Allianz Deutscher Produzenten - Film & Fernsehen)

Nachdem sich die Allianz Deutscher Produzenten - Film & Fernsehen und ver.di für das Jahr 2021 vor dem Hintergrund der Corona-bedingt angespannten wirtschaftlichen Situation der Produktionsbetriebe auf ein Gagen-Moratorium für das Jahr 2021 verständigt hatten, haben sich beide Parteien jetzt auf einen ab 1. Januar 2022 gültigen Tarifvertrag geeinigt, der eine Laufzeit bis 31. Dezember 2023 haben soll. Das teilen die Produzentenallianz und ver.di heute mit.

Demnach werden die Wochengagen ab dem 1. Januar um jeweils 50 Euro und ab dem 1. April 2023 um weitere 35 Euro erhöht; ver.di hatte eine Erhöhung um insgesamt 100 Euro gefordert gehabt. Beispielhaft führt ver.di, die den neuen Vertrag als einen "Erfolg für die etwa 25.000 Filmschaffenden in deutschen Filmproduktionen" wertet an, dass die Gagen von Assistentinnen und Assistenten in unterschiedlichen Berufen damit innerhalb der Vertragslaufzeit von 24 Monaten um acht Prozent steige; allein der erste Erhöhungsschnitt führe im Durchschnitt aller Berufe zu einer Steigerung von mehr als vier Prozent.

"Mit den Festbetragserhöhungen erreichen wir für Filmschaffende mit niedrigeren Wochengagen besonders starke Einkommenssteigerungen. Unsere Kolleginnen und Kollegen in Auftragsproduktionen mit kurzen Beschäftigungszeiten brauchen angesichts der gestiegenen Lebenshaltungskosten diesen Booster für ihr Einkommen", erklärte ver.di-Verhandlungsführer Matthias von Fintel nach Abschluss des neuen Tarifvertrags, den er nach dem Kurzarbeits-Tarifvertrag 2020 für die Phase der Stilllegung von Dreharbeiten und mit den seit September 2021 geltenden Verbesserungen bei den Arbeits-, Ausgleichs- und Ruhezeiten als "die dritte wichtige Säule für die Arbeitsbedingungen in Filmproduktionen" bezeichnete.

Darüber hinaus wurde festgelegt, dass zum 1. Januar eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern beider Tarifparteien, ihre Arbeit aufnimmt und Gespräche zu systematischen und einzelne Berufsgruppen betreffenden Veränderungen des Gagentarifvertrags führen wird. In diesen Gesprächen soll es auch um die Integration von neuen Berufsbildern wie Script Supervisor gehen.

Christoph Palmer, CEO und Verhandlungsführer der Produzentenallianz, betont: "Die nun gefundenen Regelungen für den Tarifteil Gage tragen einen Kompromisscharakter. Es war uns aus Arbeitgebersicht wichtig, ein vertretbares Ergebnis zu erzielen, das einerseits die Inflationsentwicklung beachtet und andererseits die angespannten finanziellen Rahmenbedingungen der deutschen Produktionswirtschaft berücksichtigt. Auch die vereinbarte Laufzeit von zwei Jahren gibt den Produktionsunternehmen einen gewisse Planungssicherheit. Insgesamt ist der zustande gekommene Kompromiss als ausgewogen zu bewerten. Insofern hat sich die gemeinsame Sozialpartnerschaft zwischen ver.di und der Produzentenallianz einmal mehr bewährt."