Kino

KOMMENTAR: Zufluchtsort der Herzen

In Zeiten der Not war das Kino stets ein Hort des Trosts: Gemeinsam zu lachen und zu weinen, zu bangen und zu hoffen, Anteil zu nehmen an den Abenteuern und Schicksalen von Figuren auf der Leinwand, die buchstäblich größer sind als das Leben, hat es den Menschen seit Anbeginn der Lichtspielhäuser wenn schon nicht erleichtert, mit den Härten des Alltags umzugehen, so doch zumindest zwei Stunden Abstand zu gewinnen von den Dingen, die einen gerade nach unten ziehen.

25.11.2021 07:46 • von Jochen Müller
Thomas Schultze, Chefredakteur (Bild: Blickpunkt:Film)

In Zeiten der Not war das Kino stets ein Hort des Trosts: Gemeinsam zu lachen und zu weinen, zu bangen und zu hoffen, Anteil zu nehmen an den Abenteuern und Schicksalen von Figuren auf der Leinwand, die buchstäblich größer sind als das Leben, hat es den Menschen seit Anbeginn der Lichtspielhäuser wenn schon nicht erleichtert, mit den Härten des Alltags umzugehen, so doch zumindest zwei Stunden Abstand zu gewinnen von den Dingen, die einen gerade nach unten ziehen. Nicht von ungefähr waren Kriegsjahre stets Erfolgsjahre für das Kino.

Wenn man nun, mit dem Ende des Jahres 2021 bereits fest im Visier, beginnt, den Blick zurückschweifen zu lassen auf die letzten, nun ja, im Moment noch elf Monate, wird man für sich vielleicht feststellen, dass das immer noch gilt. 2021, das ist im aktuellen Rückblick für mich nicht die ersten sechs Monate, die wir uns weitgehend im Lockdown befunden haben, ausgesperrt von kommunalen Erlebnissen.

Für mich beginnt das Jahr im Juli, mit dem Festival de Cannes, dem ersten großen Filmevent, das in zumindest ziemlich großer Pracht wieder vor Ort stattfand und Menschen in entsprechender Anzahl wieder in großen Sälen vereinte, um miteinander zu erleben, was die Größen des Weltkinos bewegt und Neues zu erzählen zu haben.

2021, das ist für mich Locarno, das unter der Leitung des Kinoliebhabers Giona A. Nazarro in neuem Glanz erstrahlte, endlich wieder Screenings auf der Piazza Grande.

Das ist für mich Venedig, das eigentliche Highlight des Jahres, das auf dichtestem Raum einen wunderbaren Film nach dem anderen vom Stapel laufen ließ und, sieht man ab von dem in diesem Jahr problematischen Buchungssystem für Einlasskarten, fast schon nach Alltag wie einst schmeckte.

Das ist Hamburg, Zürich, London, Hof, all die Orte, die förmlich aufzuatmen schienen, weil sie zeigen wollten, dass sich all diejenigen, die immer so lax vom Tod des Kinos orakeln, gerne mal gehackt legen können.

Allesamt waren es auch Events, die einem zeigten, wie Normalität auch in der Pandemie aussehen kann. Mit diesen Festen des Films einher ging auch die Erholung des kommerziellen Kinos:

Wenn die Filme stimmten, stimmten auch die Zahlen. Im Kino versammelt man sich eben gern. Dass einem nun wieder der Wind aus den Segeln genommen wird, der gerade so schön und stetig blies, ist ein Rückschlag. Der umso schwerer wiegt, als er vermeidbar gewesen wäre.

So pandemiemüde wir auch sein mögen: Was hilft zetern - da müssen wir durch. Und da kommen wir auch durch. Mir zumindest helfen dabei die vielen Kinoerlebnisse, die ich 2021 allen Widrigkeiten zum Trotz dennoch haben konnte, und die vielen tollen Filme, die mich nicht nur unterhalten und amüsiert haben, sondern stets daran erinnert haben, so schwer ihre Themen auch gewesen sein mögen, dass das Leben lebenswert ist.Und aufgeben keine Option.

Thomas Schultze, Chefredakteur