Kino

Bayern beschließt 2G-Plus-Regel für Kinos

Der Zugang zu Kinos ist in Bayern ab morgen nur noch für Geimpfte und Genesene - und nur noch mit negativem Test - möglich, Ausnahmen für Jugendliche gibt es nicht. Ganz anders sieht dies in der Gastronomie aus, die allerdings ebenso der Schließung in Hotspots unterliegt. Den Beinahe-Lockdown für die Kultur begleitet der Freistaat mit der Verlängerung von Hilfsprogrammen.

23.11.2021 14:51 • von Marc Mensch
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sprach sich erneut entschieden für eine allgemeine Impfpflicht aus (Bild: IMAGO/Sven Simon)

Das wirklich spannende an der Pressekonferenz, die Ministerpräsident Markus Söder im Anschluss an die heutige Sitzung des Kabinetts im Landtag gab, war die Frage, ob er die Privilegierung der Gastronomie einigermaßen nachvollziehbar würde verteidigen können. Nun, er konnte es nicht - ganz im Gegenteil. Söders Argument für 2G Plus unter anderem im Kulturbereich war vielmehr, dass es sich sogar um ein Entgegenkommen in einer Situation handele, in der man ernsthaft über eine komplette Schließung hätte nachdenken können. Die Ironie der Tatsache, dass er die Grünen nur wenige Minuten zuvor dafür gegeißelt hatte, auf Bundesebene ein Gesetz federführend mit entworfen zu haben, auf dessen Basis "eher die Kultur als die Gastronomie" geschlossen würde, entging ihm dabei offenbar völlig.

Das bayerische Kabinett hat jedenfalls beschlossen, was Söder bereits am vergangenen Freitag angekündigt hatte: Für Kinos gilt ab dem morgigen Mittwoch die 2G-Plus-Regel, somit haben nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt, die zudem einen negativen (Schnell-)Test vorweisen müssen. Doch damit nicht genug: Im Saal gelten nicht nur Mindestabstände, sondern eine grundsätzliche Beschränkung auf maximal 25 Prozent der Kapazitäten. Und dem Wortlaut der Kabinettsmitteilung nach muss in Bereichen, die 2G Plus unterfallen, ab 24. November "durchgängig" eine Maske getragen werden, "auch am Platz". Das klingt nach einem zusätzlichen Verzehrverbot.

Unter dem Strich dürfte der Betrieb von Kinos quasi unmöglich gemacht werden, sollte die Testbereitschaft nicht immens höher ausfallen, als dies Erfahrungen in der Vergangenheit nahelegen. Auch eine Aufstockung von Ticketumsätzen durch einen Sonderfonds Kulturveranstaltungen dürfte in vielen Fällen nicht ausreichen, um wenigstens Fixkosten decken zu können, lauten Befürchtungen aus der Branche.

Unterdessen wird die Gastronomie massiv privilegiert. Denn diese unterliegt nicht nur weiterhin der 2G-Regel - sondern sie ist einer der (sehr) wenigen Bereiche, für die sich ungeimpfte Jugendliche über zwölf Jahren und drei Monaten (diese "drei Monate" kamen neu als Übergangszeit hinzu, die eine rechtzeitige Impfung ermöglichen soll) noch freitesten können. Lediglich eine Sperrstunde zwischen 22 und 5 Uhr trifft diesen Bereich. Wenig nachvollziehbar ist dieser Sonderstatus nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass noch jede bekanntgewordene Studie den Kinos erheblich größere Sicherheit bescheinigte.

In den Hotspots mit einer Sieben-Tage-Inzidenz über 1000 wird das öffentliche Leben weitgehend heruntergefahren, dort müssen nicht nur Kulturorte, sondern auch die Gastronomie komplett geschlossen werden. Es gibt aber keine Regelung, die es den Bewohnern dieser Hotspots untersagt, gastronomische Angebote außerhalb dieser Hotspots wahrzunehmen. Eine Ausgangssperre für Ungeimpfte kommt auch dort nicht.

Bekanntgegeben wurde zudem, dass die Bayerische Staatsregierung beschlossen habe, bisherige Unterstützungsmaßnahmen für Kunst- und Kulturschaffende fortzuführen, "um die lebendige Kulturlandschaft in Bayern zu erhalten". Demnach würden folgende Programme bis 31. März 2022 verlängert: Das Hilfsprogramm für soloselbständige Künstler*innen und Angehörige kulturnaher Berufe, das Stipendienprogramm zur Unterstützung von Künstler*innen in der Anfangsphase ihres professionellen Schaffens, das Spielstätten- und Veranstalterprogramm und das Hilfsprogramm für die Laienmusik. Auch die Unterstützung der staatlichen Kultureinrichtungen und der nichtstaatlichen Förderempfänger werde im Jahr 2022 fortgesetzt.

Übrigens: Nicht nur Markus Söder sprach sich entschieden für eine allgemeine Impfpflicht aus, sondern - wenngleich weniger leidenschaftlich und eher als obiter dictum eines Sturms an Anwürfen, die in dem Vorwurf gipfelten, die Staatsregierung habe die zu niedrige Impfquote unter anderem deswegen zu verantworten, weil sie das Impfen nicht postalisch beworben habe - auch die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Schulze.