Kino

HDF warnt vor "Lockdown durch die Hintertür"

Die Benachteiligung von Kulturbetrieben gegenüber Gastronomie und Hotellerie bringt Kinobetreiber auf die Barrikaden. Der HDF fordert eine Gleichbehandlung - und prangert zudem Auflagen an, die sich für Kinos wie ein Lockdown auswirken würden.

23.11.2021 10:14 • von Marc Mensch
Die HDF-Vorstandsvorsitzende Christine Berg (Bild: Mike Auerbach)

Einmal mehr bleibt den Kinos erst einmal nicht viel mehr, als gebetsmühlenartig zu wiederholen, was diverse Studien und vor allem die Erfahrungen in der Praxis - inklusive eng überwachter Modellversuche mit wissenschaftlicher Begleitung - seit Beginn der Pandemie gezeigt haben: Kinos sind absolut keine Treiber des Pandemiegeschehens. Umso härter trifft die Branche das Signal, das mit der Privilegierung der Gastronomie bzw. von Beherbergungsbetrieben im neuen Infektionsschutz gesetzt wurde. Und damit nicht genug: Auch wenn Bayern und Sachsen ihre jüngsten Maßnahmen noch auf das alte Infektionsschutzgesetz stützen (wollen), werden Kulturbetriebe dort gezielt benachteiligt.

In Sachsen ist die Gastronomie vom gestern begonnenen Lockdown ausgenommen, in Bayern soll sie (außer in Hotspots) mit der 2G-Regel weiterarbeiten können, während für den Kinobesuch 2G Plus vorgesehen ist (bei gleichzeitiger Begrenzung der Kapazitäten auf 25 Prozent), die entsprechende Verordnung soll heute beschlossen werden.

Aus Sicht des HDF schlicht ein Unding: "Die Kinos haben in den vergangenen Monaten ihr hohes Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit, Kino als sicheren Ort zu gestalten, mehrfach unter Beweis gestellt. Es ist nicht nachvollziehbar, dass gerade Kino und Kultureinrichtungen in einigen Ländern nur unter Einhaltung sehr hoher Auflagen öffnen dürfen oder komplett geschlossen werden, Gastronomie und Hotellerie aber von einem Lockdown ausgenommen werden. Wir fordern hier eine Gleichbehandlung der Freizeitaktivitäten und kritisieren scharf, dass insbesondere Kinos als nachweislich sicherer Ort anders behandelt werden als die Gastronomie", so die Vorstandsvorsitzende Christine Berg.

Der Verband mahnt unterdessen nicht nur eine Gleichbehandlung - und damit eine möglichst bundesweit einheitliche 2G-Regelung - an. Sondern er warnt auch davor, dass eine Testpflicht für Geimpfte und Genesene einen "Lockdown durch die Hintertür" darstellen würde, denn bereits die Erfahrungen der vergangenen Monate hätten gezeigt, dass die Testpflicht ein großes Hemmnis für die Besucher*innen ist (Ausnahme sind natürlich Schüler*innen, die ohnehin regelmäßig für den Unterricht getestet werden). Die Folgen einer solchen Regelung, wie sie Bayern anstrebt, seien potenziell verheerend: "Ein erneuter Lockdown kann für viele Kinos das endgültige Aus bedeuten."

Unterdessen verweist der Verband darauf, dass die Kinos nicht nur die geltenden Regeln konsequent umsetzen, sondern in vielen Fällen freiwillig Maßnahmen - wie einen vielfach nicht mehr vorgeschriebenen "Wohlfühlabstand" zwischen Besuchergruppen - umsetzen, um höchste Sicherheit und angenehme Atmosphäre für ihre Besucher zu gewährleisten. Umso unverständlicher sei die neuerliche Benachteiligung.

Zusammengefasst fordert der Verband: Planungssicherheit über eine schnelle Umsetzung der Beschlüsse der Ministerpräsident*innenkonferenz in allen Bundesländern sowie die Vermeidung eines "Lockdowns durch die Hintertür" über eine uangemessene 2G-Plus-Regel. Zudem sei zwingend erforderlich, dass einheitliche Auflagen für alle Freizeitaktivitäten gelten und keine Ausnahmen für einzelne Bereiche gemacht würden. Damit wäre nicht nur eine Gleichbehandlung gegeben, sondern auch flächendeckend eine geringere Verbreitung von COVID-19 möglich.