Kino

VdF fordert Umdenken bei Corona-Hilfe

Nicht zuletzt aus "großer Sorge" über potenziell erneut harte Corona-Zeiten für die Kinobranche fordert der VdF ein neues Hilfsinstrument, das auch die Verleihbranche erreichen und damit nicht zuletzt eine kontinuierliche Filmbelieferung sichern soll. Denn der "Sonderfonds Kulturveranstaltungen" habe mit Blick auf Verleiher versagt.

18.11.2021 07:25 • von Marc Mensch
VdF-Geschäftsführer Johannes Klingsporn (Bild: VdF)

Es kommt wohl nicht von ungefähr, dass ein Sprecher des Bundesministeriums der Finanzen konkrete Nachfragen zum Sonderfonds Kulturveranstaltungen im Mai zwar gerne telefonisch, aber nicht schriftlich beantwortete. In einer ausführlichen Stellungnahme gegenüber der Politik legt der Verband der Filmverleiher (VdF) nun dar, weshalb der Sonderfonds als Instrument zur Unterstützung (auch) der Verleihbranche auf ganzer Linie versagt habe - tatsächlich habe laut dem VdF "kein einziger Verleiher auch nur einen Cent" aus diesem Programm erhalten, was nach dem Wortlaut auch jene Unternehmen mit einschließt, die nicht in diesem Verband organisiert sind.

Kernproblem war demnach die angestrebte "indirekte Berücksichtigung" - und zwar schon deshalb, weil sie sich dem Regelwerk des Programms gar nicht direkt entnehmen lässt. Wie der VdF darlegt - und wie man es Blickpunkt:Film ausdrücklich (nur) nicht schriftlich bestätigen wollte - war die Erwartung des federführenden Bundesfinanzministeriums, dass ein Verteilschlüssel vorab im Rahmen einer Branchenvereinbarung geregelt würde, die der abschließenden Bewertung durch die BKM unterworfen gewesen wäre.

Eine solche Vereinbarung kam nicht zustande, nach Darstellung des Verleiherverbandes habe sich überhaupt nur der HDF auf gemeinsame Bemühungen mit der AG Verleih hin zum Gespräch bereit gezeigt, die Kinovertreter im HDF-Hauptausschuss hätten jedoch "keine Hilfen generieren" können, "die eine Verleihbeteiligung ermöglicht hätten".

Dass eine Beteiligung, wäre sie denn zumindest im Prinzip zustande gekommen, ein Bürokratiemonster sondergleichen gewesen wäre, liegt auf der Hand - tatsächlich hätten laut VdF selbst wiederholte Nachfragen bei der BKM wichtige steuerrechtliche Fragen offen gelassen. Und selbstverständlich gibt es ein weiteres evidentes Kernproblem: Nachdem der Sonderfonds (übrigens völlig anders als dies zunächst angekündigt war) grob gesagt auf einen Kostenersatz gedeckelt ist, hätte eine Verleihbeteiligung laut VdF quasi zwangsweise das Teilen "klassischer Betriebsgeheimnisse" hinsichtlich der Kostenstruktur von Standorten erfordert.

"Wir sind in großer Sorge, dass vor uns erneut sehr schwierige Zeiten liegen, die massive Auswirkungen auf den Kinobesuch haben könnten. Deshalb ist es dringend notwendig, dass die derzeit bestehenden Covid-Hilfsmaßnahmen kritisch überprüft werden und zumindest für die Verleihwirtschaft andere Wege gegangen werden", lautet das Fazit von Johannes Klingsporn.

Man wolle deshalb ein alternatives Modell vorstellen, "das für die Verleihbranche eine erhebliche Hilfe darstellen könnte und insbesondere in Corona-gefährdeten Zeiten Verleiher motivieren würde, weiterhin eine kontinuierliche Filmbelieferung zu garantieren", so der VdF-Geschäftsführer. Mit dem Filmförderungsgesetz bestehe eine gesetzliche Grundlage, die für Kinos und Verleiher entsprechende Meldesysteme auf monatlicher Basis vorsehe, die eine Transparenz gewährleisteten, die beim Sonderfonds für Kulturveranstaltungen auch nicht in Ansätzen zu erwarten sei.

Konkret führt der VdF zu seiner Forderung aus:

"Wir fordern deshalb den Aufbau einer erweiterten IT-gestützten Referenz-Melde- und Auszahlungsstruktur bei der FFA, die die Voraussetzung für Hilfszahlungen an die Verleiher und Produzenten schafft. Anknüpfungspunkt sind die monatlich gemeldeten Umsatz- und Besucherzahlen der Filme. Anders als bei der FFG-Referenzförderung nur für deutsche Kinofilme soll der Anspruch auch für ausländische Filmwerke gelten. Die Abwicklung soll auf monatlicher Basis, ähnlich wie bei den SfK-Hilfen, erfolgen. Auf Verleihseite sollen diese Mittel wie Anteile an den Kinoerlösen, also wie die Filmmiete, verbucht werden, so dass die Produzenten gemäß der jeweiligen Verleihverträge Beteiligungsansprüche haben. Das Melde- und Auszahlungssystem soll vollständig digitalisiert organisiert werden; eine monatliche Veröffentlichung der Filme mit Besucherzahlen und Hilfszahlungen sorgt für umfassende Transparenz. Für dieses Hilfsprogramm müssen natürlich gesonderte Mittel zur Verfügung gestellt und ein eigenes Regelwerk erstellt werden. Die Verleihfirmen haben in den letzten Jahren vor der Pandemie pro Monat durchschnittlich zwischen 30-35 Mio. Euro umgesetzt. Ein Hilfsäquivalent von 30 Prozent würde also pro Monat einem Wert von neun bis 10,5 Mio. Euro entsprechen.