Kino

REVIEW KINO: "Ein Junge namens Weihnacht"

Am Donnerstag startet in den deutschen Kinos "Ein Junge namens Weihnacht", ein hinreißend magisches Familienabenteuer über einen Jungen, der im hohen Norden seinen Vater finden will. Warum wir begeistert sind, erfahren Sie in unserer Besprechung.

15.11.2021 09:30 • von Thomas Schultze
Weihnachten kommt schon am nächsten Donnerstag dank "Ein Junge namens Weihnacht" (Bild: Studiocanal)

Am Donnerstag startet in den deutschen Kinos Ein Junge namens Weihnacht", ein hinreißend magisches Familienabenteuer über einen Jungen, der im hohen Norden seinen Vater finden will. Warum wir begeistert sind, erfahren Sie in unserer Besprechung.

Einen Weihnachtsklassiker schüttelt man nicht mit Ansage aus dem Ärmel. Ist das Leben nicht schön?" oder "Wir sind keine Engel" mussten auch erst einmal Jahrzehnte reifen, bis sie ihren Status erlangten. Und da, wo man's drauf angelegt hatte, klappt es meist nicht. Redet noch irgendjemand von der 1994er-Version von "Das Wunder von Manhattan"? Eben. Also besser gar nicht erst versuchen. Was man indes machen kann, ist es zu versuchen, ein Familienabenteuer zu drehen, das allen Ansprüchen moderner Familienabenteuer entspricht, das von Herzen kommt, einfallsreich ist, charmant, liebenswert, Comedy und Adventure ebenso hat wie Herz und ein bisschen Botschaft. Das idealerweise standhalten kann mit denen, die vorexerziert haben, wie es geht, also ein Paddington" vielleicht oder Harry Potter und der Gefangene von Askaban". Vielleicht reden wir in ein paar Jahren davon, dass Gil Kenans reizende Verfilmung des Erfolgsromans von Matt Haig ein Weihnachtsklassiker ist. Aktuell zählt erst einmal, dass in dieser britischen Produktion Family-Entertainment der herausragenden Art geboten wird.

Dass hier auch noch erzählt wird, wie ein ganz einfacher Junge zu dem Herren werden konnte, den heute alle Welt nur als Weihnachtsmann kennt, ein Prequel der sehr gewitzten Art, ist eigentlich nur ein Extrabonus on top: "Ein Junge namens Weihnacht" funktioniert auch einfach nur als großes Abenteuer, als anspielungsreicher und kluger Film über die Macht des Geschichtenerzählens, in dem ein ganz einfacher Junge gezwungen ist, sich auf den beschwerlichen Weg Richtung Norden zu machen, wo sich sein ihn nach dem Tod der Mutter alleinerziehender Vater als Teil einer Jagdgesellschaft aufhält. Unterwegs passiert dann die Magie, ein bisschen wie in Der Sternwanderer" oder auch den Jim Knopf"-Geschichten: Sprechende Mäuse, getreue Rentiere, durchtriebene Elfen, böse Trolls begegnen auf dem Weg Nikolas, der angetrieben wird von Hoffnung und Glauben und dann immer mehr auch von Freundschaft und echter Solidarität.

Gil Kenan, dank Filmen wie Monster House" und City of Ember" erprobt in Sachen fantastischem Kino für Kids und aktuell auch auf dem Radar als Autor des Drehbuchs von Ghostbusters: Afterlife", hat viel Liebe und Leidenschaft in den Film gesteckt, was man ihm in jedem seiner prächtigen Einstellungen ansieht. Mit Michiel Huisman, Kristen Wiig, Sally Hawkins, Toby Jones und Jim Broadbent hat er viele Stars für die Nebenrollen gefunden. Und mit dem eindrucksvoll aussehenden Henry Lawfull einen tollen Jungen, mit dem man gerne auszieht, um mitzuerleben, was denn alles passieren wird, damit er am Ende des Films von Nikolas zum Nikolaus werden kann. Alles mit großen, bunten, stimmungsvollen Kinobildern. Das Publikum in Deutschland, Frankreich und Großbritannien darf sich freuen, dass sie "Ein Junge namens Weihnacht" auf der großen Leinwand erleben darf. Der Rest der Welt muss mit Netflix leben. Pech gehabt.

Thomas Schultze