Produktion

Superfilm-Chef John Lüftner: "Unser Markt ist ein Micky-Maus-Markt"

Superfilm-Chef John Lüftner schiebt nach einem turbulenten Jahr spannende neue Projekte an. Als Präsident des österreichischen Produzentenverbands AAFP muss er aktuell viele Themen wälzen. Dazu gehören die Versicherungsfrage, die fehlende Aufstockung des Fernsehfonds, Green Producing und Geschlechtergerechtigkeit. Und als never ending story das Steueranreizmodell.

15.11.2021 08:40 • von Barbara Schuster
John Lüftner führt mit David Schalko die Wiener Superfilm (Bild: Superfilm)

Superfilm-Chef John Lüftner schiebt nach einem turbulenten Jahr spannende neue Projekte an. Als Präsident des österreichischen Produzentenverbands AAFP muss er aktuell viele Themen wälzen. Dazu gehören die Versicherungsfrage, die fehlende Aufstockung des Fernsehfonds, Green Producing und Geschlechtergerechtigkeit. Und als never ending story das Steueranreizmodell.

Wie hat Superfilm die Corona-Zeit überlebt?

JOHN LÜFTNER: Halbwegs anständig. Wir hatten relativ viel im Produktionsplan und auch zwei Produktionen mitten in Produktion, als der erste Lockdown begann. Das war einerseits der österreichische Tatort: Unten", andererseits die Sky-Serie Ich und die anderen". Beide befanden sich am Anfang ihres Drehs, als Mitte März 2020 Schicht im Schacht ausgerufen wurde. David Schalko und ich waren drei Monate sehr intensiv damit beschäftigt, die Wiederaufnahme der Arbeiten zu regeln. Da wir die letzten waren, die aufgehört haben zu drehen, mussten wir auch die ersten sein, die wieder starten. Sonst wäre alles im Fiasko geendet. Dahinter reihten sich verschiedene andere Produktionen ein, mussten zurückgestellt werden. Aber es war klar: Wenn wir nicht rasch wieder drehen, bekommen wir die Band nicht mehr zusammen. Wir haben uns unmittelbar und mit beiden Teams darum gekümmert, wie man überhaupt wieder drehen kann und waren maßgeblich in den Verbänden aktiv, um Hygienekonzept und Ausfallfonds, der bereits Mitte Juni am Start und für uns Produzenten das wesentlichste Thema war, auf den Weg zu bringen. Beide Produktionen konnten wir ohne weitere Corona-Behinderungen zu Ende bringen. Im Herbst 2020 drehten wir sogar noch einen TV-Film, Die Unschuldsvermutung". Aber wir befanden uns das ganze letzte Jahr im Ausnahmezustand - 24/7. Glücklicherweise haben Testregime und Ausfallfonds funktioniert. Den Fonds mussten wir kaum in Anspruch nehmen. Insgesamt führten wir bei erstgenannten Produktionen rund 8000 PCR-Tests durch.

Waren Corona-Mehrkosten bei den beauftragenden Sendern je ein Thema? Wurde diesbezüglich rasche Einigung erzielt?

JOHN LÜFTNER: Die Kooperation mit den Sendern war super, nicht nur mit denen wir koproduziert hatten. Auch von allen Kollegen hörte man nur Positives. Sender und Förderer ließen uns nicht im Regen stehen. Man fackelte nicht so lange herum wie in Deutschland, was ich aus dem Augenwinkel mitbekommen habe, wo man viel länger nach Lösungen suchte, die dann auch noch weit weniger produzentenfreundlich waren als in Österreich.

Der mit 25 Mio. Euro ausgestattete Ausfallfonds läuft bis Ende des Jahres. Wie geht es danach weiter? Wissen Sie, in welchem Ausmaß er überhaupt in Anspruch genommen werden musste?

JOHN LÜFTNER: Es gibt noch keine offiziellen Zahlen, aber er ist nicht annähernd ausgeschöpft. Wir stehen jetzt vor dem Problem: Kommen wir wieder in eine Versicherungslösung oder nicht? Von einer Fonds-Verlängerung können wir nicht ausgehen. Es muss auch irgendwann mal gut sein mit den Corona-Maßnahmen - das betrifft alle Branchen, nicht nur unsere. Die verschiedenen G-Modelle wurden implementiert, ob 2G, 3G, 3G+, wie sie alle heißen... Wenn man nach unserem Arbeitskonzept weiter vorgeht, würde aus meiner Sicht als Präsident des Österreichischen Produzentenverbands AAFP kein Grund für die Versicherungswirtschaft bestehen, nicht auch wieder Ausfallschäden bei Filmproduktionen zu versichern. Verhandlungen dazu laufen, eingefädelt über unsere Fachgruppe in der Wirtschaftskammer, die uns mit den Versicherern zusammengebracht hat. Das Problem: Die Versicherungen schließen Pandemien in ihren Policen grundsätzlich aus. Es gibt Bedenken bei einer Aufweichung dieses Grundsatzes, was ich verstehen kann, weil es branchenübergreifend für andere Themen schwierig werden würde. Andererseits können wir das Angebot unterbreiten, Filmdrehs beispielsweise nach einer 2G-Regelung abzuwickeln. In diesem Fall würde ich mir selbst überlegen, in die Versicherungswirtschaft einzusteigen. Das Risiko eines Drehabbruchs ist auf ein Minimum reduziert und die Policen sind ja nicht gerade billig. Wir werden sehen. Sollten die Gespräche nicht fruchten, können wir ab 1. Januar 2022 eigentlich nicht mehr drehen...

Wenn man die Testungen am Set aufrecht hält , besteht kein oder fast kein Risiko. Aber wer zahlt die? Müssen da die Sender auf lange Sicht in die Pflicht genommen werden?

JOHN LÜFTNER: Wie ich sagte, irgendwann ist gut mit den Corona-Unterstützungsmaßnahmen. Es kostet doch auch nichts mehr. Diesen Sommer haben wir den ORF-Landkrimi gedreht, bei dem das ZDF Koproduzent ist, und hatten von unserer Seite zum ersten Mal keine Corona-Mehrkosten angesetzt. Das war aus mehreren Gründen möglich. Erstens fand die Produktion in einer Blase statt, im niederösterreichischen Waldviertel, wo wir das Team in einer Art Kasernensituation unterbringen konnten. Wenn die Blase einmal sauber ist, kann es eigentlich keine positiven Treffer mehr geben. Zweitens kosten uns die PCR-Tests in Österreich nichts, in den meisten Bundesländern gibt es Tests gratis. Wir haben sie über die Wirtschaftskammer Wien erhalten. Den Mehraufwand, den eine Produktionsassistentin hat, die für die Dokumentation verantwortlich zeichnet und jeden Morgen bei allen Fieber misst, halte ich aus den Handlungskosten deckbar - auch wenn mich für diese Aussage viele Kollegen verfluchen werden. Es ist aber so. Solange Corona da ist, und es wird so schnell nicht weggehen, müssen wir mit der Situation umgehen. Ich bin gerne bereit, diese administrativen Kosten aus den Handlungskosten zu bestreiten. Die Tests sollen in Österreich weiterhin gratis bleiben, zumindest für Geimpfte. Warum sollte ich dem Sender irgendetwas weiterverrechnen?

Vorausgesetzt, die Verordnungen bleiben beim Status quo...

JOHN LÜFTNER: Richtig. Bei den Produktionen 2020 waren die PCR-Tests ein Riesenposten, da hat einer bis zu 150 Euro gekostet, wenn man das mal 8000 nimmt, wie bei uns im vergangenen Jahr, kommt einiges zusammen. Da war die Beteiligung der Sender an den Mehrkosten unabdingbar. Sollten die Tests wieder kostenpflichtig werden, muss man mit den Finanzierungspartnern erneut das Gespräch suchen.

In Österreich gab es bereits den Fall, dass eine nicht-geimpfte Schauspielerin von den Dreharbeiten eines "Steirerkrimi" ausgeschlossen wurde. Wie geht der Produzentenverband mit diesem Thema um?

JOHN LÜFTNER: Wenn es zu einer Versicherungslösung kommen sollte, wird es darauf hinauslaufen, dass nicht nur die ausfallversicherten Personen, sondern wirklich alle an einer Produktion Beteiligten geimpft oder genesen sein müssen. Das werden die Versicherungen zur Voraussetzung machen. Das verstehe ich auch.

Den reibungslosen Dreh Ihres Landkrimis sprachen Sie bereits an. Was ist bei Superfilm noch im aktuellen bzw. kommenden Slate?

JOHN LÜFTNER: Wir hatten das Problem, dass wir 2020 so mit Covid-19 beschäftigt waren, dass wir wenig entwickelt und vor allem wenig verkauft haben. Nach "Die Unschuldsvermutung" im Herbst 2020 haben wir wieder losgelegt und konzentrierten uns verstärkt auf die Entwicklung, teilweise von Projekten, an denen wir schon länger arbeiteten. Im August dieses Jahres drehten wir den angesprochenen Landkrimi, Der Schutzengel", bei dem Götz Spielmann nach acht Jahren zum ersten Mal wieder Regie führte, nach seinem eigenen Drehbuch. Weitere spannende Projekte gehen 2022 in Dreh. Dazu gehört unser zweiter Landkrimi mit Karl Markovics vor und hinter der Kamera, dessen Dreh in Vorarlberg stattfinden wird, sowie zwei Miniserien.

Können Sie da schon mehr verraten?

JOHN LÜFTNER: Bei der ersten Serie, ein Sechsteiler, handelt es sich um ein Biopic über Franz Kafka, dessen Drehbücher %Daniel Kehlmann% schreibt. Für die Inszenierung zeichnet David Schalko verantwortlich; %Daniel Brühl% wird Max Brod, Kafkas besten Freund und Förderer, spielen. Federführend sind Dritte in Deutschland mit dem ORF als weiterem Senderpartner. Das zweite serielle Projekt ist eine Highschoolstory im Profiskisport, mit dem ORF als Haupt-Senderpartner.

Mit Satel ist die Verfilmung von David Schalkos "Schwere Knochen" geplant. Wie ist der Stand der Dinge hier?

JOHN LÜFTNER: Es bewegt sich ein wenig. Wissen Sie, die Trends im Öffentlich-Rechtlichen sind aus meiner Sicht einschätzbarer. Die wissen längerfristig, was sie tun und wollen. Bei den Streamern und anderen privaten Plattformen habe ich das Gefühl, dass sich die Strategien grundsätzlich schneller verändern, immer mit dem Blick auf den Gesamtmarkt. Wenn es da zwei, drei historische Stoffe in der jüngsten Vergangenheit gegeben hat, die dazu auch noch in Wien spielen, wie zuletzt etwa ¿Freud¿, ist man zurückhaltender. Mal sind Serien gefragt, erst auserzählt, dann mit Long-Run-Potenzial, im nächsten Augenblick heißt es, wir brauchen Features, oder auch nicht..... Das Briefing ist oft sehr volatil.

Produzierte man vor einigen Jahren noch fast ausschließlich für die Öffentlich-Rechtlichen, finden wir heute ein ganz anderes Bild der TV-Landschaft vor: Ausbreitung auf allen Ebenen, Stichwort Mediatheken, Streaminganbieter, Privatsender mit Plattformen etc... Was ist für Sie das Spannende an diesem Wandel, der noch in vollem Gang ist?

JOHN LÜFTNER: Zum einen ist es positiv, dass es mehr Ansprechpartner gibt. Aus österreichischer Sicht ist das außergewöhnlich, weil wir unsere Ideen eigentlich nur beim ORF anbringen konnten, die Kollegen in Deutschland dagegen immerhin bei fünf oder sechs Adressen. Wenn der ORF einen Stoff nicht wollte, war er prinzipiell nicht mehr finanzierbar. Mit der Öffnung des Markts verschwimmen allerdings die Verwertungsketten total. Das ist aus meiner Sicht ein Vorgang, der dem Zeitgeist entspricht. Als Produzent gilt es zu schauen, wo man sich mit seinen Ideen eingleist. Das ermöglicht uns neue Märkte und lässt auf ganz andere Zuschauerpotenziale zugreifen. Gleichzeitig bleibe ich persönlich skeptisch, was das Engagement der großen Streamer in Österreich betrifft. Ich glaube nicht, dass von dem Geld für den deutschen Sprachraum viel bei uns landen wird. Es ist eher so, dass die vielen Talente, die wir hier in der Tat haben, mehr und mehr in Deutschland arbeiten werden. Das verstehe ich auch. Unser Markt ist ein Micky-Maus-Markt. Wenn wir eine Österreich-relevante Geschichte machen, was muss die noch können, damit sie in den Algorithmus von Netflix passt?

Aber der Ruf für lokale Geschichten für ein weltweites Publikum ist doch aktuell riesengroß, untermauert von Erfolgen wie "Blood Red Sky", "Haus des Geldes" oder "Squid Game"...

JOHN LÜFTNER: Das stimmt. Es ist sehr viel möglich. Lokalkolorit funktioniert auch gut. Der schwarze Wiener Humor, der österreichische Schmäh sind durchaus Aspekte, die transportfähig sind. Allerdings haben wir auch ein strukturelles Problem im Umfeld. Es verschlägt niemanden aufgrund der wahnsinnig sinnvoll ausgestatteten Förderstruktur hierher. Wir haben immer noch kein Steueranreizmodell, obwohl wir schon seit Jahren daran arbeiten. Absurderweise scheiterten wir zuletzt nicht am Unwillen des Finanzministers, sondern permanent an Regierungskrisen! Erst grätschte die Ibiza-Affäre rein, jetzt die Causa Kurz. Deshalb werden nach wie vor Serien, die in Wien spielen, in Prag gedreht. Dort gibt es bekanntlich ein Tax Incentive Modell.

Immerhin gibt es den Fernsehfonds Austria...

JOHN LÜFTNER: Ein fantastisches, großartiges Werkzeug. Allerdings wurde er seit zwölf Jahren nicht mehr aufgestockt, und das, obwohl er in dem sich wandelnden Markt immer mehr bespielbar werden würde für uns Produzenten und uns auch ein Rechteverbleib garantiert wird. So wandelt sich die Erfolgsgeschichte zu einem Erfolgsdesaster, weil das Tool nicht mehr wirklich einschätzbar ist. Alle antragsberechtigten Projekte sind nicht mehr unterzubringen, werden über einen Kamm geschoren Daraus ergeben sich Finanzierungslücken von teilweise drei bis fünf Prozent. Wie sollen die überbrückt werden? Aus dem Eigenanteil der Produzenten zusätzlich können sie nicht kommen, die Finanzierungspartner sind zurecht irritiert. Wir haben das bei unserer Sky-Serie "Ich und die anderen" bereits erlebt, als die Förderung einfach gekürzt wurde. Wie erkläre ich das dem Partner, wenn ich vorhergesagt habe, dass es bei uns 20 Prozent vom Fernsehfonds gibt? Wenn wir verlässlich in der Finanzierung funktionieren würden, würde dieser Zug nicht ohne uns abfahren. Unter diesen Umständen kann es sein, dass einige den Zug nicht mehr erwischen.

Der RTR ist aber wie das ÖFI eine Bundesförderung. Das ÖFI hat unlängst eine Aufstockung der Fördermittel erhalten...

JOHN LÜFTNER: Die Kunst- und Kulturförderung funktioniert aus Sicht der Filmwirtschaft ausgeprägter als die reine Wirtschaftsförderung. Das Interesse der Kulturstaatssekretärin liegt offensichtlich näher bei der Bundesförderung Kino als bei einer sinnvollen, adäquaten Ausstattung eines Förderinstruments wie dem RTR - der allerdings auch gar nicht in ihrem Ressort liegt. Hier hat das Bundeskanzleramt das Sagen. Und dort gibt es derzeit dafür keine Ansprechpartner.

Österreich machte zuletzt nicht nur mit einer neuerlichen Regierungskrise von sich Reden. Auch beim ORF stand ein Wechsel an der Spitze an. Wie bewerten Sie das?

JOHN LÜFTNER: Aktuell kann ich noch nicht viel dazu sagen. Aber was verbreitet wird, ist eine glaubwürdige Aufbruchsstimmung. Das ist schon mal grundsätzlich super. Dinge kommen in Bewegung. Wir Produzenten blicken dem Geschehen positiv entgegen.

Seit 2016 ist Superfilm auch mit einem Standbein in Deutschland, genauer gesagt in München, vertreten. Hier produzieren Sie für den BR die Personality-Show "Ringlstetter". Gibt es weitere Pläne für diese Filiale?

JOHN LÜFTNER: "Ringlstetter" funktioniert sehr gut, die Show hat den Schnitt auf diesem Sendeplatz verdreifacht. Wir haben Glück gehabt, dass wir sie für den BR produzieren dürfen. Ein solcher Langläufer ist auch entscheidend dafür, dass man keine reine Briefkastenfirma verwaltet, was nicht in unserem Sinn wäre. Im Prinzip machen wir es in München genauso, wie wir damals in Wien begonnen haben: Am Anfang stand eine Late-Night-Show - in München eher eine Personality-Show -, die uns den Betrieb sicherte und uns wöchentliche Rechnungen schreiben ließ. Aus dieser Struktur heraus folgten dann mehr und mehr fiktionale Stoffe sowie Formatfernsehen. So wollen wir das auch in München handhaben. Wir haben dort nun zusätzlich zum Team der Show eine junge Produzentin eingestellt, die die fiktionalen Entwicklungen am Standort selbstständig und eigenverantwortlich führt.

Die Volatilität in der Konzeption von Seiten Streaming- und Senderpartner hatten Sie angesprochen. Ist Superfilm eine Firma, die auf Nachfrage reagiert, sich in Richtung des gewünschten Contents verbiegt?

JOHN LÜFTNER: Bei den Entwicklungszeiten ist das fast unmöglich. Wir entwickeln seit nunmehr fast 16 Jahren die Inhalte, an die wir glauben. Da wir allerdings auch viel in Vorlagen, in die Konzeption investieren, müssen unsere Ideen elastisch sein. Wenn eine Miniserie geplant ist, denken wir quasi im Hintergrund auch ein Feature mit. Sollte uns die Finanzierung nicht gelingen, können wir das Projekt hinsichtlich der bereits getätigten Investitionen nicht einfach in den Kanal pumpen. Wir sind aber auch kein Konzern, sondern eine kleine One-Stop-Shop-Hütte mit einer gewissen Haltung und Handschrift. Formatmäßig und was Genres betrifft, sind wir völlig frei und beweglich. So haben wir vor zehn Jahren auch einen Horrorfilm in 3D gemacht...

Stichwort Kino: "Zauberer" von Sebastian Brauneis war die letzte Kinofilmproduktion von Superfilm, eine Koproduktion mit der Schweiz. Welchen Stellenwert hat Kino für Sie innerhalb der Firma?

JOHN LÜFTNER: Aus rein unternehmerischer Sicht ist Kino schwierig. Natürlich würde David Schalko gerne auch mal wieder Kino machen. Ich würde mich dagegen auch nicht wehren. Aber Kino ist generell etwas, wo wir nicht so wendig und erfahren sind. Es gibt Kolleginnen und Kollegen, die das schon ewig machen, die die nötigen Netzwerke haben. Um auf unseren Horrorfilm zurückzukommen: Der landete damals in den Jahrescharts zwar auf Platz drei der erfolgreichsten österreichischen Filme. Aber das fette Minus auf der Kostenstelle habe ich immer noch. Die reine Liebhaberei zum österreichischen Arthousekinofilm fehlt mir.

Sie sind auch Präsident des Produzentenverbands AAFP in Österreich. An welchen Themen arbeitet der Verband derzeit?

JOHN LÜFTNER: Neben der Implementierung eines Steueranreizmodells und der fehlenden Aufstockung des Fernsehfonds Austria hatten wir wie alle europäischen Produzenten die Urheberrechtsnovelle zu besprechen. Das ist allerdings nicht mein Spezialgebiet. Was derzeit alle umtreibt und beschäftigt, sind die Themenfelder Geschlechtergerechtigkeit und grünes Produzieren, was ich nicht recht nachvollziehen kann, weil ich beides für leicht lösbar halte. Aber in einem demokratischen Verbandsprozess ist es eben nicht so einfach. Wenn ich den Daumen auf die aus meiner Sicht wichtigsten Themen legen dürfte, wären dies das Steueranreizmodell und der Fernsehfonds Austria. Tut sich hier nichts, verlieren wir den Anschluss.

In welchem Ausmaß müsste der Fernsehfonds, der über ein Budget von 13,5 Mio. Euro verfügt, denn aufgestockt werden?

JOHN LÜFTNER: Genau kann man das nach dem kommenden Einreichtermin im Januar sagen. Dann hat man es schwarz auf weiß, wie weit er wieder überlastet wurde. Eine Verdoppelung würde keinesfalls schaden. Aber es ist nicht einmal absehbar, dass er um 30 oder 40 Prozent erhöht werden könnte. Das würde zumindest die größte Not lindern. Es war schon so massiv beim diesjährigen Termin, dass teilweise Produktionen gar nicht stattfinden konnten. Ich verstehe es einfach nicht, weil der Fonds eine Erfolgsgeschichte ist. Das Geld fließt im Durchschnitt mit einem Effekt von 265 Prozent wieder zurück ins Land. Wir holen es über unsere internationalen Partner wieder rein.

Stichwort grünes Produzieren: Sie haben sich mit Superfilm der klimaneutralen Filmproduktion verschrieben. Wird dieses Thema in der Branche ernst genug genommen? Und warum ist es Ihrer Meinung nach relativ leicht umzusetzen?

JOHN LÜFTNER: Wir sind diesbezüglich Vorreiter. Das Pilotprojekt war David Schalkos Landkrimi "Höhenstraße", wir hatten mit dem Umweltministerium, dem Verein für Konsumenteninformation und dem Umweltamt der Stadt Wien das sogenannte Umweltzeichen aufgesetzt, das sich lizenzieren lässt. Alle unsere Produktionen, auch die Late-Night-Show "Willkommen in Österreich", werden klimaneutral produziert. Die Kriterien, um das Siegel zu erhalten, sind relativ leicht umzusetzen mit Dingen wie Abfallvermeidung, keine Einwegutensilien beim Catering, keine Flüge unter 700 Kilometer etc.. Das kann jeder machen, ob er nun das Label lizenziert oder nicht. Grünes Produzieren ist keine Raketenwissenschaft und im Zuge der Klimakatastrophe unabdingbar. Film macht Mist. So ist das nun einmal.

Sie sagten auch, dass das Thema Geschlechtergerechtigkeit leicht lösbar wäre...

JOHN LÜFTNER: Dass es zu einer Geschlechtergerechtigkeit kommen muss in der Filmbranche, halte ich für entscheidend. Aus Verbandssicht sage ich: Alles, was passiert, ist gut. Alles, was irgendwie zu einer Gleichstellung beitragen kann, begrüße ich. Persönlich finde ich die derzeit vorhandenen konzeptionellen Ansätze noch nicht optimal. David und ich haben uns bei Superfilm das Ziel gesetzt, dass die Lohn-Quersumme all unserer Produktionen am Ende zu 50/50 zwischen Frauen und Männern aufzuteilen ist.

Das Gespräch führte Barbara Schuster