Produktion

REVIEW STREAMING: "Red Notice" mit Dwayne Johnson und Ryan Reynolds

Heute startet bei Netflix "Red Notice", die aufwändigste Produktion des Streamers bislang. Ob die Actionkomödie mit Dwayne Johnson, Ryan Reynolds und Gal Gadot hält, was sie verspricht, erfahren Sie in unserer Besprechung.

12.11.2021 11:33 • von Thomas Schultze
Ungleiche Gegenspieler: Ryan Reynolds und Dwayne Johnson in "Red Notice" (Bild: Netflix)

Heute startet bei Netflix Red Notice", die aufwändigste Produktion des Streamers bislang. Ob die Actionkomödie mit Dwayne Johnson, Ryan Reynolds und Gal Gadot hält, was sie verspricht, erfahren Sie in unserer Besprechung.

Es ist nicht neu, dass Netflix bei seinen Produktionsbemühungen nicht nur die großen Filmpreise im Visier hat, sondern längst auch die Fühler ausgestreckt hat nach Blockbustern und potenziellen Franchises: Filme also wie 6 Underground", Extraction", The Old Guard" oder Army of the Dead", die mit zündender Starpower, namhaften Filmemachern, griffigen Prämissen und hohen Schauwerten allemal das Zeug hätten, in einem regulären Kino-Release zu reüssieren, wenn man als Zuschauer zehn Euro für ein Ticket zahlen müsste. Aber noch nie hat der Streamer seine kommerzielle Popcorn-Filmvision treffender formuliert, in Idee wie Ausführung, wie bei "Red Notice", der nach Central Intelligence" und Skyscraper" dritten Zusammenarbeit von Dwayne Johnson mit Regisseur Rawson Marshall Thurber - ihrer ersten für eine Streamingplattform -, zu der sie mit Ryan Reynolds und Gal Gadot zwei weitere Stars eingeladen haben, die es in punkto Popularität mit The Rock aufnehmen können: eine ebenso gefällige wie unterhaltsame Actionkomödie, deren angebliches Budget von bis zu 200 Mio. Dollar gewährleistet, dass man nicht nur von einer attraktiven Location auf der Welt zur nächsten hoppen kann, sondern auch Bond-Film sein kann, wo es nötig ist, eine luftige "Ocean's 11"-Variante, wenn es gefällt, oder ein Indiana-Jones-Verschnitt, wenn man beim Showdown noch einmal ein bisschen mehr auf die Tube tritt.

Nichts ist echt, alles ist erlaubt, viel macht Spaß, wenn Handlungselemente aus Midnight Run", Nur 48 Stunden" und Zwei hinreißend verdorbene Schurken" miteinander verwoben werden zu launigem Kintopp, in dem in den Sechzigerjahren vermutlich Belmondo und Ventura die Hauptrollen gespielt hätten, heute aber auch Johnson und Reynolds als ungleiches Paar neben Charisma all ihre Talente ausspielen dürfen, die sie in den letzten Jahren zu den verlässlichsten A-Listen-Namen Hollywoods werden ließen. Sie können sich auf ihren Regisseur verlassen, dass sie auch dann immer noch gut aussehen, wenn sie sich gerade bereitwillig zum Affen machen. Johnson spielt den FBI-Profiler Hartley, der eigentlich dem genialen Kunstdieb Booth auf der Spur ist, dann aber durch ein raffiniertes Manöver des mysteriösen "Bishop" gezwungen ist, gemeinsame Sache mit dem Gegenspieler zu machen und die drei seltenen Eier Cleopatras zu finden und an ihren geheimen Verstecken zu stehlen.

Man müsste lügen, wenn man behauptete, "Red Notice" sei besonders spannend. Die einzelnen Szenarien sind eigentlich stets Vorwand, Johnson und Reynolds ihr Ding machen zu lassen: ungerührt und stoisch der eine, quirlig und schlagfertig der andere, Spruch auf Spruch, Gag auf Gag, gemeinsam immer augenzwinkernd und mit Spaß an der Sache, bis ihnen dann, auch das muss sein, von Gal Gadot die Butter vom Brot genommen wird in einer endlosen Abfolge von One-Upmanship und immer neuen Wendungen und Haken und veränderten Allianzen. Das ist natürlich harmlos bis zur Zahnlosigkeit, gleichzeitig aber auch angenehm erfrischend in Zeiten filmischer Ultragewalt: Der gnadenlose Eskapismus, der nahtlos fortsetzt, was Johnson zuletzt in Jungle Cruise" und Reynolds zuletzt in Free Guy" abgeliefert hatten, verbeugt sich vor dem amerikanischen Unterhaltungskino der Achtziger, hat aber immer Tempo und Look der Gegenwart. Im Kino wär's ein Hit. Auf Netflix ist es garantiert ebenfalls einer. Die Fortsetzung darf kommen, vielleicht dann aber noch mit mehr Gal Gadot, die hier ein bisschen kurz kommt, aber jede Szene beherrscht, in der sie auftritt.

Thomas Schultze