Kino

KOMMENTAR: Notwendiger Schulterschluss

Noch bevor im Bund die Ampelkoalition zur Einigung gekommen ist, hat sich eine noch viel buntere Koalition zusammen gefunden, die in Zukunft deutlicher vernehmbar für die Forderungen und Bedürfnisse der Kultur- und Kreativwirtschaft trommeln will. Ein notwendiger, ja fast historischer Schulterschluss.

04.11.2021 07:33 • von Jochen Müller
Ulrich Höcherl, Chefredakteur (Bild: Blickpunkt:Film)

Noch bevor im Bund die Ampelkoalition zur Einigung gekommen ist, hat sich eine noch viel buntere Koalition zusammen gefunden, die in Zukunft deutlicher vernehmbar für die Forderungen und Bedürfnisse der Kultur- und Kreativwirtschaft trommeln will. Ein notwendiger, ja fast historischer Schulterschluss. In Deutschland wird gerne die Kunst von der Kasse getrennt, auch wenn Kultur- und Kreativwirtschaft inzwischen die drittgrößte Wirtschaftsleistung nach der Automobilindustrie und dem Maschinenbau erbringen. 100 Mrd. Euro Bruttowertschöpfung sprechen eine deutliche Sprache.

Und doch haben viele Bereiche der Kultur- und Kreativwirtschaft die Maßnahmen von Bund und Ländern während der Pandemie kaum überlebt, weil das Gros der Politik sie aus Ignoranz oder mangelndem Interesse für nicht systemrelevant befunden hat. Die Klagen müssen nicht wiederholt werden, auch nicht der Hinweis auf die vergebliche Mühe, mit der Veranstalter oder Kinobetreiber wissenschaftlich nachzuweisen versuchten, dass sich gefährliche Hotspots woanders bilden. Mit am Härtesten hat es die Konzert- und Veranstaltungswirtschaft getroffen mit zahllosen Künstlern und Kreativen, die von einem Tag auf den anderen ohne Einkommen und mit wenig Verständnis der Politik dastanden.

Natürlich sind über die Zeit des Lockdowns Hilfen geflossen, aber die Bedeutung ihrer Entscheidung, den Kulturbetrieb für Monate still zu legen, dämmert vielen Politikern bis heute nicht. Umso wichtiger, dass sich nun so gut wie alle Interessengemeinschaften im Kultur- und Kreativbereich zu der Koalition k3d zusammengefunden haben, um dringend notwendige Lobbyarbeit für Kultur und Kreative auf höchster Ebene zu leisten. Fehlt nur noch der richtige Ansprechpartner. Die inzwischen geschäftsführende BKM konnte das jedenfalls nicht sein, bei allem Einsatz und Verständnis fehlte doch die wirtschaftspolitische Dimension.

Es ist richtig, von den Ampel-Koalitionären in spe eine Anlaufstelle im Ministerrang zu fordern, die sich mit der Bedeutung und Entwicklung dieser stark wachsenden Zukunftsindustrie, die anderen Wirtschaftszweigen den Rang als Beschäftigungs- und Konjunkturtreiber abläuft, gebührend beschäftigt und Veränderungen der Rahmenbedingungen im Vorfeld mit ihren Vertretern diskutiert. Die Liste der Koalitionäre liest sich dabei wie ein Lexikon des Kulturbereichs. Und genau jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür, wenn für die anstehenden Herausforderungen neue Ministerien zugeschnitten werden und auch das Zusammenspiel von Bund und Ländern neu diskutiert wird.

Im übrigen verschaffen wir bei Busch Glatz mit unseren unterschiedlichen Plattformen von Blickpunkt:Film über MusikWoche, Gamesmarkt und Meedia bis hin zum Buchreport gerne den legitimen Interessen der Kultur- und Kreativwirtschaft das notwendige Gehör.

Ulrich Höcherl, Chefredakteur