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Hofer Panel zur Rolle von Schauspielerinnen ab 50

"Und bitte! Mehr Schauspielerinnen ab 50 in Kino, Streaming und Fernsehen!", lautete der Titel einer gemeinsam von Woman in Film & Television (WIFT Germany) und der Götz George Stiftung initiierten Veranstaltung.

29.10.2021 14:40 • von Frank Heine
Adriana Altaras zählte zu den Teilnehmerinnen an der Diskussion (Bild: X Verleih (Warner)

Wie kann man im Kino, im Fernsehen und auf Streaming-Plattformen die Wirklichkeit von Frauen über 50 realistischer als bisher abbilden? Wie können Frauenfiguren über 50 mehrschichtiger erzählt werden? Wie kann man erreichen, dass Schauspielerinnen über 50 weniger auf Alter und Herkunft, vor allem aber weniger auf ihr Aussehen reduziert werden? Und was braucht es, damit die meisten weiblichen Haupt- und Nebenrollen ab 50+ nicht überwiegend mit prominenten Schauspielerinnen besetzt werden? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigte sich eine Diskussionsrunde im Rahmen von HoF Plus auf den Hofer Filmtagen, die von WIFT Germany und der Götz George Stiftung in Kooperation mit dem Bundesverband Schauspiel (BFFS) veranstaltet wurde.

Mit von der Partie waren Frank Tönsmann vom WDR, Wolfgang Grundmann vom ZDF, Nadja Malkewitz von RTL, Leslie Malton als BFFS-Vertreterin, Anna Schöppe von HessenFilm, Petra Wagner, Lars Becker, Casterin Nina Haun, Zazie de Paris, Ilknur Boyraz, und Adriana Altaras. Elizabeth Prommer. bot einen Einblick über die aktuellen Zahlen aus der Neuauflage der Studie zur audiovisuellen Diversität in Film und Fernsehen in Deutschland.

Das Fazit der Studie und der Diskussion um Schauspielerinnen über 50 dürfte ziemlich deckungsgleich sein: Inzwischen ist zwar einiges in Bewegung, doch es muss sich noch viel ändern. Dabei stünden gerade auch die öffentlich-rechtlichen Sender, letztlich jedoch alle Marktteilnehmer in der Pflicht. WDR-Redakeur Frank Tönsmann sprach von einem "Bewusstseinsprozess", der bei seinem Sender angekommen sei "und an dessen Umsetzung wir schon seit längerem arbeiten". Nadja Malkewitz berichtete, dass in der RTL-Fiction seit einiger Zeit mit einem Diversitäts-Assistenten gearbeitet werde, der neben der Aufführung einer Reihe von Testverfahren auch Checklisten für uns bereithält". Diese Checklisten, die viele Teilnehmer*innen als sinnvoll betrachteten, beschrieb Malkewitz als "ein wichtiges Mittel der Reflexion". Es ginge nicht darum sie stoisch abzuarbeiten.

Regisseur und Autor Lars Becker, der nicht zuletzt dank seiner "Nachtschicht"-Reihe als Vorreiter für diverse Besetzungen und Themen gilt, vertrat eine klare Meinung: "Diversität darf nicht als Thema begriffen und die Figuren nicht über Geschlecht, Sexualität, Herkunft und Religion legitimiert werden. Es braucht eine Normalisierung von Diversität, die mit Nachhaltigkeit erzählt wird."

Schauspielerin Simone Wagner berichtete vom Druck, dass Frauen mit 50 Jahren wie 20-Jährige aussehen müssten, weil "viele ältere Rollen häufig mit jüngeren Schauspielerinnen besetzt werden." Adriana Altaras stieß mit ihrer Forderung, "Lasst die 60-Jährigen auch tatsächlich von 60-Jährigen spielen!", ins gleiche Horn. Ihre Kollegin Ilknur Boyraz appellierte dafür, mehr Netzwerke und Synergien zu bilden. "Auch wenn es sicher eine Weile dauert: Packen wir es an!", so Boyraz.

Moderiert wurden die Gesprächsrunden von Knut Elstermann, Cornelia Köhler (WIFT Germany), Sandra Willmann (BFFS) und Urs Spörri.