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REVIEW KINO: "Contra" von Sönke Wortmann

Endlich startet "Contra" in den deutschen Kinos. Die Komödie von Sönke Wortmann mit Christoph Maria Herbst und Nilam Farooq sollte eigentlich bereits im vergangenen Herbst eines der deutschen Kinohighlights werden sollen, musste aber wegen Corona verschoben werden. Lesen Sie hier unsere Besprechung.

28.10.2021 08:41 • von Thomas Schultze
Nilam Farooq und Christoph Maria Herbst tanzen sich in die Herzen des Publikums (Bild: Constantin Film)

Endlich startet Contra" in den deutschen Kinos. Die Komödie von Sönke Wortmann mit Christoph Maria Herbst und Nilam Farooq sollte eigentlich bereits im vergangenen Herbst eines der deutschen Kinohighlights werden sollen, musste aber wegen Corona verschoben werden. Lesen Sie hier unsere Besprechung.

Wenn man schreibt, eine geistreiche Komödie wie "Contra" könne Sönke Wortmann mittlerweile im Schlaf inszenieren, soll das nicht despektierlich klingen, als würde man meinen, er befände sich als Regisseur auf Autopilot. Vielmehr ist es Ausdruck allergrößten Respekts, weil Wortmann knapp 30 Jahre nach Kleine Haie" über eine Erfahrung, eine Souveränität, einen Geschmack, eine Feinfühligkeit im Umgang mit den jeweiligen Filmstoffen verfügt, dass man sich eher wundern würde, wenn am Ende Filme herauskämen, die den hohen Anforderungen und Ambitionen nicht gerecht würden. Ganz besonders ist, dass man die Hand des Regisseurs nicht sieht, dass sich die Inszenierung nie in den Vordergrund drängt und winkt: Guckt mal, was ich alles draufhabe. Vielleicht hängt das in den letzten Jahren, seitdem der 62-jährige Regisseur mit Frau Müller muss weg!" erstmals ein erprobtes Theaterstück verfilmt hat, auch damit zusammen, dass da ein unbedingtes Vertrauen in die jeweilige Geschichte und ihre Figuren besteht. Auch "Der Vorname" war ein bereits bewährter Titel, das Remake einer höchst erfolgreichen französischen Komödie. Und auf "Contra" trifft das ebenfalls zu, der zwar wegen Corona mehr als ein Jahr geschoben werden musste, aber eben zeitlos gut gemacht und gespielt ist: In Frankreich war der Stoff als "Le brio" (deutscher Verleihtitel: Die brillante Mademoiselle Neïla") mit Daniel Auteuil und Camélia Jordana im Jahr 2017 ein Hit an den Kinokassen.

Für die deutsche Neuverfilmung erfanden Wortmann und sein geschickter Autor Doron Wisotzky das Rad nicht neu, sondern nahmen vielmehr feine und geschickte Anpassungen vor, um die Geschichte, eine zeitgemäße Variation von "Pygmalion"/My Fair Lady", für ein großes Publikum in Deutschland funktionieren zu lassen: Ein gestrenger Juraprofessor von altem Schrot und Korn lässt in seiner jovialen, überheblichen Art die neue Studentin Naima auf üble Weise auflaufen, was in den sozialen Medien nicht wirklich gut ankommt, als Videoaufnahmen seiner Verbalinjurien viral gehen. Aus der Nummer kommt er nur wieder heraus, als er sich bereiterklärt, Naima zu coachen und auf einen Debattierwettstreit vorzubereiten. Es ist eine Annäherung der widerstrebenden, zögerlichen Art, wie man sich denken kann. Auch dass sich diese grundverschiedenen Figuren näherkommen, Verständnis, Respekt und sogar so etwas wie eine zarte Freundschaft entwickeln, ist nicht gerade überraschend, wenn man in seinem Leben schon mehr als fünf Filme gesehen hat.

Auf das Wie kommt es hier an, auf den Ton, auf das Timing. Und da gibt sich "Contra" keine Blöße, nicht zuletzt weil Sönke Wortmann auf seine punktgenau ausgewählten Schauspieler vertraut: Christoph Maria Herbst ist die Idealbesetzung des Juraprofs Pohl, weil man ihm sofort das Arschloch abnimmt, aber eben auch folgt, wenn er vor dem Publikum die antagonistische Deckung sinken und den Widerling zum Menschen werden lässt, Verständnis für ihn aufbringt. Und der vor allem die Größe hat, in seinen zwei oder drei großen Momenten zu glänzen, ansonsten aber den Weg freizumachen für Nilam Farooq. "Contra" ist ihr persönlicher Triumph, Naima die Rolle, auf die sie gewartet hat. Hier löst die Berlinerin das Versprechen ein, das sie in vorherigen Auftritten wie in Mein Blind Date mit dem Leben" oder Sweethearts" gegeben hat: Weil sie strahlt in diesem Film und doch immer diese Figur ist, mit all ihren Wünschen und Sehnsüchten, gesegnet mit Intelligenz und Schlagfertigkeit. Weil die Kamera sie liebt und man als Zuschauer sozusagen live miterleben darf, wie eine junge Schauspielerin zum Star wird.

Thomas Schultze