Kino

Französischer Kinoverband wettert gegen Netflix-Screenings

Netflix plant, mehrere hochkarätige Filme aus dem aktuellen Angebot des Streamers im Dezember auf ausgewählte Leinwände in Frankreich zu holen. Der dortige Kinoverband läuft Sturm gegen dieses Ansinnen - und sieht darin eine Störung nach wie vor laufender Verhandlungen über die gesetzliche Regelung des Kinofensters.

27.10.2021 15:43 • von Marc Mensch
Richard Patry, Präsident des FNCF (Bild: IMAGO/PanoramiC)

Den Netflix-Film"Die Hand Gottes" konnte man bereits auf der Leinwand sehen - just dieser Titel errang sogar den Silbernen Löwen beim Festival in Venedig. Und er soll zu jenen Filmen gehören, die Netflix in einer Reihe von Sondervorstellungen im Dezember in ausgewählte französische Kinos bringen will. Ein Plan, gegen den der dortige Kinoverband Sturm läuft. In einem offiziellen Statement forderte der FNCF Netflix dazu auf, von diesen Plänen abzurücken.

Das Argument: Seit Monaten befände sich die Branche in Verhandlungen um die Neuordnung der Medienchronologie. Jüngster Stand ist, dass die bislang dreijährige Sperrfrist, der Kinofilme bis zu einer SVoD-Auswertung unterliegen, auf bis zu ein Jahr gekürzt werden könnte - entsprechende Investitionsverpflichtungen von SVoD-Plattformen vorausgesetzt. Ein Kompromiss, von dem allerdings zu hören ist, dass er (nicht zuletzt aufgrund der Privilegierung von klassischem PayTV, auf die Canal+ als wesentlicher Player drängt) in dieser Form nicht weit genug geht, um auch sämtliche Studios, die eigene SVoD-Dienste betreiben, zufriedenzustellen.

Der FNCF aber sieht eine Lösung am Horizont - und betrachtet die nun bekanntgewordenen Pläne von Netflix als "kontraproduktiv" gegenüber den zuletzt erreichten Verhandlungserfolgen. Gleichzeitig argumentiert der Verband damit, dass die Netflix-Screenings zu einer Zeit kämen, in der klassische Verleiher ohnehin um jede Leinwand ringen würden. Gleichzeitig könne die Bewerbung dieser Screenings Aufmerksamkeit von den "regulären" Kinofilmen abziehen. Man appelliere daher an Netflix verantwortlich zu handeln - im Geiste einer gemeinsamen Lösung.

Und selbstverständlich ruft der Verband auch die Kinos auf, "Verantwortung" zu übernehmen und das wirtschaftliche Fundament der Branche nicht in Gefahr zu bringen - und vor allem das Geschäft der Verleiher nicht weiter zu schwächen.