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REVIEW HOF: "Das schwarze Quadrat"

Gestern Abend eröffneten die 55. Hofer Filmtage leichtfüßig mit der Premiere des Debütfilms "Das schwarze Quadrat", einer schrägen Komödie auf den Spuren von Billy Wilder und Blake Edwards.

27.10.2021 08:56 • von Heike Angermaier
Sandra Hüller und Bernhard Schütz glänzen in "Das schwarze Quadrat" (Bild: Port au Prince/Felix Novo de Oliveira)

Gestern Abend eröffneten die 55. Hofer Filmtage leichtfüßig mit der Premiere des Debütfilms Das schwarze Quadrat", einer schrägen Komödie auf den Spuren von Billy Wilder und Blake Edwards. Regisseur Peter Meister wurde bereits für sein Drehbuch mit dem Tankred Dorst Preis ausgezeichnet. Es beginnt damit, dass zwei Diebe ihre Beute, das titelgebende Bild von Viktor Malewitsch, ausgerechnet auf einem Kreuzfahrtschiff übergeben sollen. Das Duo, das sich im Verlauf nicht allzu geschickt anstellt, scheitert schon fast daran, an Bord zu kommen. In letzter Sekunde entreißen sie zwei Entertainern ihre Tickets und Koffer. Und wie es das Gesetz des Genres will, wird es noch schlimmer. Sie müssen tatsächlich als Entertainer auftreten, als David Bowie und Elvis Presley, und den weiblichen Gästen als Tanzpartner zur Verfügung stehen. Und dann kommt ihnen auch noch ihr wertvolles Gemälde abhanden...

Meister spielt mit bekannten Versatzstücken des Genres, es kommt zu Verwechslungen, es gibt sogar eine überdrehte Zaubernummer, aber er erzählt ein Stück schräger. Er findet immer wieder überraschende, originelle Auflösungen. Und er lässt seine Figuren auch mal entwaffnend cool reagieren statt im kopflosen Slapstickmodus. Dabei kann er auf sein ausgezeichnetes Ensemble bauen, allen voran Bernhard Schütz u.a. als "Eichwald MdB" eine Bank, und Sandra Hüller, die ihren ungewöhnlichen Figuren und Darstellungen eine weitere wunderbare hinzufügt. Schütz gibt eine Bowie-Performance zum Fremdschämen, eine herrliche Tanzeinlage zwischen Ballett-Eleganz und Freddie-Frinton-Dinner for One-Trunkenheit und lässt sich wie ein unerfahrener Junge von Hüllers leicht spröder, aber sehr selbstbewussten Marta verführen, die nicht nur sehr klare Meinungen zu Kunst hat, sondern auch knallhart sein kann. Die beiden haben wunderbare gemeinsame Szenen wie auch Schütz mit seinem Kollegen aus "Das System", Jacob Matschenz.

Auf der skurrilen, höchst sympathischen und vergnüglichen Kreuzfahrt , deren Ton zwischen lakonisch bis schrill variiert, wird über Kunst philosophiert - und Original und Fälschung, und es fließt auch Blut. Tatsächlich ist "Das schwarze Quadrat" weniger Krimi denn ein Beziehunsreigen, in dem sich gleich mehrere Paare entweien und finden - und die zwei Hauptfiguren ihre Berufung. Ein liebevolles Überraschungsei und ein gelungener Eröffnungsfilm, der Laune macht. "Das schwarze Quadrat" ist eine Produktion von Frisbeefilms, die bereits vor 15 Jahren mit Nimmermeer" beim Indiefestival in Oberfranken war und prämiert wurde - mit dem Förderpreis für die Produktion und dem Eastman für die Regie. Auch "Das schwarze Quadrat" hat Chancen auf eine Auszeichnung - wie andere Nachwuchstitel, die bis zum Sonntag im Kino bzw. plus sieben Tage online zu sehen sind.