Kino

REVIEW KINO: "Eternals"

Frischer Wind im Marvel-Universum: "Eternals" legt ein episches Storyfundament für die noch junge "Phase 4" des MCU - und hebt sich dabei überraschend stark von den vorangegangenen Blockbustern der Reihe ab.

26.10.2021 20:49 • von Marc Mensch
"Eternals" startet in Deutschland am 3. November (Bild: Walt Disney)

Vom halbdokumentarischen Roadmovie zur weltumspannenden Reise durch die Zeitalter, vom intimen Charakterporträt zum zweieinhalbstündigen CGI-Bombast, der sich durch einen Gutteil der Menschheitsgeschichte trickst: Der Schritt, den Oscar-Preisträgerin Chloé Zhao von Nomadland" zu Eternals" vollzog, weckt durchaus Erinnerungen an jenen, den Patty Jenkins - im Kino zuvor nur mit dem ebenfalls Oscar-gekrönten "Monster" vertreten - tätigte, als sie dem DC-Kinouniversum mit Wonder Woman" einen veritablen Schub verpasste. Wo zwischen dem Porträt einer Serienkillerin und dem kunterbunten Superheldinnenepos jedoch rund 14 Jahre lagen, kommen Chloé Zhaos jüngste Werke quasi parallel zu Leinwandehren - zumindest hierzulande, wo "Nomadland" weiterhin in einigen Kinos läuft.

Umso deutlicher tritt zutage, weshalb Zhao eine kluge Wahl für einen Film war, auf dessen Schultern eine erhebliche erzählerische Last ruht. Denn "Eternals" - nach Black Widow" und Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings" die dritte Kinoproduktion der "Phase 4" des Marvel Cinematic Universe - hat nicht zuletzt die Aufgabe, ein breites Fundament für den nächsten großen Storybogen des MCU nach dem Abschluss der drei Phasen währenden "Infinity-Saga" zu legen. Wohin dieser Bogen führen könnte, sei natürlich nicht verraten - wie bei nahezu allen Marvel-Filmen aber gilt, dass sich das Betrachten des Abspanns selbstredend lohnt. Diesmal ganz besonders - und wirklich bis zum Ende.

Zhao jedenfalls oblag es, rund ein Dutzend zentraler Figuren zu jonglieren und dabei dem an Protagonisten wahrlich nicht armen Marvel-Universum gleich eine ganze Reihe potenziell wegbestimmender Hero*innen hinzuzufügen. Keine ganz triviale Aufgabe. Umso weniger, wenn man bedenkt, dass ganze fünf Filme die Hintergrundgeschichten so zentraler Figuren wie Iron Man, Thor, Hulk und Captain America erzählten, bevor es zum ersten Mal "Avengers assemble!" in den Kinos hieß.

"Eternals", der in die Exposition bereits mit einem Lauftext einsteigt, bevor auch nur die ersten Bilder zu sehen sind, wirkt auch nach dem furiosen Finale eines Avengers: Endgame" dennoch nicht behäbig - schon alleine deshalb nicht, weil der Film von Schauplatz zu Schauplatz und von Epoche zu Epoche jagt - und dabei Nicht-Marvel-Versierten streckenweise einiges an Aufmerksamkeit abverlangt.

Der Film jedenfalls meistert die Aufgabe, innerhalb von knapp zweieinhalb Stunden praktischem jedem der unter anderem von Gemma Chan, Richard Madden, Angelina Jolie, Salma Hayek und Kumail Nanjiani verkörperten "Eternals" (deren wahre Natur zu enthülllen, ein Spoiler wäre) Charakter zu verleihen und dem Zuschauer die im wahrsten Sinne des Wortes diverse Cast ans Herz wachsen zu lassen. Wo "Eternals" seine Stärken aber gerade in der Erzählung (die Wendungen nimmt, die der Trailer - der ohnehin erfreulich wenig zeigt - nicht einmal andeutet), dem Zwischenmenschlichen und der Figurenzeichnung hat, können die wiederholt eingestreuten Actionsequenzen bis hin zum Finale nicht an die epischen Auseinandersetzungen eines The First Avenger: Civil War" oder "Avengers: Endgame" anknüpfen.

Unterhaltsam sind sie aber allemal - und der eigentliche Payoff, das wird im Abspann klar, erwartet Marvel-Fans ohnehin im späteren Verlauf einer Phase, die langsam Gestalt annimmt - und mit "Eternals" ein ganzes Stück spannender wurde.

Marc Mensch