Kino

Herbstauftakt beflügelt Boxoffice-Prognosen

Die Kinoerfolge der vergangenen Wochen haben die Zahlenexperten von Gower Street bewogen, die eigene Prognose für das globale Boxoffice im Gesamtjahr 2021 nach oben zu korrigieren. Die Oktober-Starts übertrafen die Erwartungen demnach deutlich.

26.10.2021 12:03 • von Marc Mensch
Mit über einer halben Milliarde Dollar Boxoffice ist "Keine Zeit zu sterben" auf Platz 5 der weltweit umsatzstärksten Filme 2021 vorgerückt (Bild: Universal / 2021 DANJAQ, LLC AND MGM)

Es dürfte nicht zuletzt dem immensen Erfolg des Kriegsepos "The Battle at Lake Changjin", das in China bis heute umgerechnet knapp 830 Mio. Dollar in die Kinokassen gespült hat, geschuldet sein: Der Oktober lieferte im bisherigen Verlauf weltweit deutlich bessere Kinozahlen, als von den Analysten von Gower Street vorhergesagt. Tatsächlich schätzt man die globalen Umsätze alleine für diesen Monat nun auf 3,2 Milliarden Dollar, einen Wert, der um rund 30 Prozent über den ursprünglichen Prognosen liegen würde. Vor allem aber wäre mit einem solchen Ergebnis zumindest im weltweiten Durchschnitt wieder ein Niveau wie vor der Pandemie erreicht worden, denn die Zahl würde weniger als fünf Prozent unter dem Oktober-Schnitt der Jahre 2017 bis 2019 liegen.

Tatsächlich haben die Oktober-Ergebnisse - die auch hierzulande überaus erfreulich ausfallen - Gower Street dazu bewogen, die bisherige, auf den zwischen Januar und August erzielten Einspielergebnissen basierende, Prognose für das Gesamtjahr zumindest leicht nach oben anzupassen - von 20,2 auf nun 21,6 Milliarden Dollar. Gegenüber dem ersten Pandemiejahr 2020, als insgesamt nur 12 Milliarden Dollar mit weltweiten Ticketverkäufen erzielt wurden, wäre das ein Sprung von ganzen 80 Prozent, allerdings bleibt das Gesamtergebnis 2021 noch weit hinter jenem eines regulären Jahres zurück. Im Prinzip ließe sich sagen, die Kinomärkte seien auf halbem Weg zur Erholung: 42,2 Milliarden Dollar lautete das bisherige Rekordergebnis aus dem Jahr 2019.

Für Deutschland steht aktuell noch die Gower-Street-Prognose von 47,1 Mio. Besuchern für das Gesamtjahr, das wären 60 Prozent weniger als im (sehr guten) Jahr 2019, allerdings sieht es aktuell so aus, als würde sich der Oktober nicht zuletzt dank der Standfestigkeit von Keine Zeit zu sterben" und Dune" und jüngsten Erfolgsstarts wie jenem von Die Schule der magischen Tiere" auch hierzulande besser entwickeln als zunächst vorhergesagt.

Obwohl in den USA schon wieder deutlich früher Bewegung in den Kinomarkt kam, als in Deutschland - so wurde das erste Wochenergebnis jenseits der 100 Mio. Dollar (gut 117 Mio.) in den USA und Kanada bereits Ende Mai erzielt - wird der dortige Kinomarkt mit geschätzten 4,7 Mrd. Dollar ebenfalls um (knapp) 60 Prozent hinter den Zahlen aus 2019 (11,4 Mrd. Dollar, ein Wert, der nur knapp unter dem Rekord von 11,8 Mrd. aus dem Jahr 2018 lag) zurückbleiben. Zum Vergleich: Im ersten Pandemiejahr waren in den USA gerade einmal 2,2 Mrd. Dollar am Boxoffice umgesetzt worden.

Für China, wo im Zuge einer konsequenten Null-Covid-Strategie aktuell wieder scharfe Restriktionen in mehreren Landesteilen gelten, sehen die Experten von Gower Street ein Jahresendergebnis von umgerechnet 7,3 Milliarden Dollar. Dieses Ergebnis würde nur um knapp 21 Prozent unter dem bisherigen Rekord aus dem Jahr 2019 (9,2 Mrd. Dollar) liegen. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang: Die Ergebnisse des laufenden Jahres wurden bislang mit einem vergleichsweise geringen Anteil an großen US-Starts erzielt, insbesondere Walt Disney leidet darunter, dass Filme wie Black Widow", Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings" oder nun offenbar auch Eternals" keine Startgenehmigung im Reich der Mitte erhielten. Dabei war "Shang-Chi" ursprünglich derart auf den chinesischen Markt geeicht, dass diverse Passagen auch in Deutschland nur mit Untertiteln auf die Leinwand kamen.

Fast & Furious 9", der nach herausragendem Start offenbar im Zuge einer Kontroverse um eine Aussage von John Cena bei einer Promotour in Taiwan um immense 85 Prozent eingebrochen war, kann sich aktuell mit einem weltweiten Einspiel von gut 721 Mio. Dollar rühmen, der dritterfolgreichste Film des Jahres zu sein - und damit in das Bollwerk chinesischer Produktionen vorgedrungen zu sein. Denn hinter "The Battle at Lake Changjin" rangiert aktuell "Hi, Mom" mit gut 822 Mio. Dollar, auf Rang 4 kommt "Detective Chinatown 3" mit 686,3 Mio. Dollar. "Keine Zeit zu sterben" hat es mit aktuell über 525 Mio. Dollar allerdings schon auf Rang 5 geschafft - und startet Ende dieser Woche in China.