Produktion

REVIEW STREAMING: "Infiltration" auf Apple TV+

Kurz nach "Foundation" geht bei Apple TV+ die nächste aufwändige Genreserie an den Start: "Infiltration" erzählt den »Krieg der Welten« einmal anders, als wirklich weltumfassenden Angriff Außerirdischer auf die Menschheit. Lesen Sie hier unsere Besprechung.

22.10.2021 13:45 • von Thomas Schultze
Sam Neill zählt zum internationalen Cast von "Infiltration" (Bild: Apple)

Kurz nach Foundation" geht bei Apple TV+ die nächste aufwändige Genreserie an den Start: "Infiltration" erzählt den »Krieg der Welten« einmal anders, als wirklich weltumfassenden Angriff Außerirdischer auf die Menschheit. Lesen Sie hier unsere Besprechung.

Stell Dir vor, die Welt geht unter und man sieht immer nur die USA. Wie man das nun mal gewohnt ist aus zahllosen großen Hollywood-Desasterfilmen. Siehe Independence Day". Siehe Krieg der Welten". Für ein bisschen Zerstörung sind die Sehenswürdigkeiten der Erde gut genug, wenn es aber dramatisch ans Eingemachte geht, beschränkt sich die Erzählung indes zumeist auf Amerika, wo moderne Cowboys ans Werk schreiten, um die Invasoren aus dem All in die Schranken zu weisen. Die neue Apple-TV+-Serie "Infiltration" korrigiert die Sichtweise, macht den Angriff einer fremden Kultur zu einem durch und durch weltumspannenden Event, das von den USA zum Irak, Europa und Japan springt, um minuziös festzuhalten, wie es sich wohl anfühlen könnte, wenn ein Krieg der Welten losbräche. Tatsächlich verwenden die Macher der erst einmal zehnteiligen Serie die Blaupause der klassischen HG-Wells-Vorlage, die zuletzt Steven Spielberg 2006 mit Tom Cruise als Blockbuster auf die große Leinwand gebracht hatte, um ihre Saga raumgreifend und manchmal auch etwas langatmig auszubreiten.

Wie vor kurzem schon die Serienfassung von The Mosquito Coast" folgt man den Ereignissen zwar nicht unbedingt in »real time«, aber doch ausführlich genug, um als Zuschauer wirklich unmittelbar teilzunehmen an den Ereignissen, die das Leben auf der Erde unwiederbringlich verändern. Große Namen hat man sich auf kreativer Seite geholt: Simon Kinberg war seit seinem Drehbuch zu X-Men: Zukunft ist Vergangenheit" im Jahr 2006 bei Fox die Schaltstelle für das X-Men"-Universum (und tat sich unter anderem als ausführender Produzent der kultisch verehrten Serie "Legion" hervor); David Weil gilt seit den Prime-Serien Hunters" und "Solos" als aufstrebender Stern am Serienhimmel. Mit Jakob Verbruggen, u.a. verantwortlich für "Die Einkreisung", wissen sie ein zusätzliches versiertes Serienschwergewicht an ihrer Seite.

Und man ist in der besonders aufwändig realisierten ersten Folge schon auch sofort dabei, wenn aus unerklärlichen Gründen die Stromkreise auf der Welt kollabieren und die Erde in Chaos gestürzt wird. Eine Gruppe Schüler kämpft in einem abgestürzten Bus ums Überleben; eine junge Frau flieht mit ihrem Sohn und ihrem Mann, von dem sie gerade erfahren hat, dass er eine Affäre hat und sie verlassen will; eine japanische Weltraumforscherin muss live mitverfolgen, wie eine Raumkapsel mit ihrer Freundin an Bord aus dem Erdumlaufbahn gewischt wird; ein amerikanischer Soldat stößt beim Einsatz im Irak auf unerwarteten Widerstand und muss sich den Weg durch karges Land bahnen; ein Sheriff in der Provinz will herausfinden, was es mit einem mysteriösen Loch in einem Maisfeld auf sich hat. Das ist immer wieder spannend, manchmal aber auch etwas arg bemüht, allzu menschliches Drama mit der großen Katastrophe zu verbinden. Bis zur fünften Folge bewegt sich die Handlung recht langsam; keiner der Plotstränge hat sich bisher überkreuzt. Die spannendste Frage ist bislang, warum eine Serie mit dem knackigen Titel "Invasion" in Deutschland weniger knackig "Infiltration" heißen muss.

Thomas Schultze