Kino

Genossenschaft will Kino Colosseum retten

Das Berliner Colosseum ist eines von mehreren großen Kinocentern, die seit Anfang 2020 dauerhaft geschlossen wurden. Nun hat es sich eine neu gegründete Genossenschaft zum Ziel gesetzt, in dem Gebäude wieder einen Kinobetrieb zu realisieren.

21.10.2021 09:54 • von Marc Mensch
Ehemalige Mitarbeiter wollen die Hoffnung auf eine Wiederbelebung des Colosseum nicht aufgeben (Bild: IMAGO/Future Image)

Das CineStar Original und Imax am Potsdamer Platz, der Ufa-Palast Stuttgart, der Filmpalast Eisenhüttenstadt, die Filmpassage Salzgitter (und womöglich auch Osnabrück, wo derzeit noch keine Wiedereröffnung angekündigt ist), zuletzt das Light Cinema in Halle und das CineStar Bamberg sowie das UCI Gera und das UCI Colosseum: die Liste alleine der größeren Kinocenter, die seit Anfang 2020 den Spielbetrieb dauerhaft eingestellt haben, ist durchaus lang genug, um beinahe Verwunderung aufkommen zu lassen, dass sich der Kinobestand seit Beginn der Pandemie nicht deutlich schlechter entwickelt hat, als er dies tatsächlich tat. Wobei man natürlich anmerken muss, dass die Pandemie allenfalls Katalysator für absehbare Entwicklungen bei den genannten Standorten war - wenn überhaupt.

Was das zuletzt im Eigentum von Sammy Brauner stehende UCI Colosseum betrifft (das kein Teil des eigentlichen UCI-Netzwerkes war, sondern von UCI nur gemanagt wurde), wollen ehemalige Mitarbeiter und Berliner Kinofreunde trotz des nun schon über einjährigen Leerstands des Gebäudes (und der Tatsache, dass ein Bauvorbescheid aus dem Jahr 2019 darauf hindeutet, dass Pläne für eine anderweitige Nutzung des Gebäudes lange vor der Pandemie gefasst wurden), die Flinte nicht ins Korn werfen.

Aus dem bereits 2020 gegründeten Verein "Rettet das Colosseum e.V." ist nun eine Genossenschaft hervorgegangen - die "Colosseum - UnserKino e.G. (i.G.)", gegründet von einer Gruppe ehemaliger Angestellter und mehrerer Mitstreiter. Auf einer neu eingerichteten Website heißt es dazu:

"Die Genossenschaft Colosseum - UnserKINO eG (i.G.) hat das Ziel, das Kino Colosseum in der Schönhauser Allee 123/ Gleimstraße 32-35 zu betreiben und wieder zum Leben zu erwecken. Wir wollen erneut Filme in den Kinosälen zeigen und wehren uns gegen die Umwandlung des historisch bedeutenden Kinos in einen Bürokomplex.

Wir wollen ein Kino, das von den Menschen in unserem Kiez getragen wird. Deshalb haben wir uns für das Modell Genossenschaft entschieden. So schaffen wir einen Ort, an dem wir uns treffen können und den wir gemeinsam gestalten können. Für Kino, Kunst und Kultur.

Wir setzen für das Kino Colosseum auf einen hochwertigen Programm-Mix aus Arthouse und Mainstream. Es geht um Qualität statt Quantität. Wir zeigen regelmäßig Filme im Originalton und möchten Klassiker, die für die Leinwand geschaffen sind, wieder zurück ins Kino holen. Die Wünsche unserer Besucher*innen fließen in das Programm mit ein und werden im Rahmen von Mottowochen und Themenabenden umgesetzt.

Wir bieten dem lokalen und berlinweiten Publikum Sonderveranstaltungen wie Filmpremieren und Filmfestivals an. Neben der Berlinale werden auch die Prenzlauerberginale und weitere Festivals Teil unseres jährlichen Programms.

Auch abseits des Filmtheaters werden Kulturveranstaltungen gefördert. Mindestens zwei Säle stehen künftig zur Verfügung für Kreativwerkstätten, Theater, Musik, Lesungen, Bürger*innentreffen sowie Veranstaltungen für Kinder, Jugendliche und Familien. Das Foyer soll mehr als je zuvor geöffnet werden: Neben Live-Musik und Ausstellungen werden zum Beispiel auch Kabarettveranstaltungen und ein neu überarbeitetes Gastronomiekonzept die Besucher*innen anregen, hier ihren Abend zu verbringen.

Doch das ist nur möglich mit Deiner Hilfe: Nur, wenn wir genügend Mitglieder und Kapital haben, können wir Pacht, Mitarbeitende und Filme bezahlen und das Kino so wieder zum Leben erwecken. Mit einer starken Genossenschaft und einem facettenreichen Konzept versuchen wir die Stadt Berlin dazu zu bewegen, das Gebäude zu erwerben und uns als Betreibende einzusetzen. Und selbst wenn der Verkauf an den privaten Investor geht, wollen wir als Genossenschaft Druck ausüben, dort wieder Kultur stattfinden zu lassen."

Auch wenn eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs in einer vergleichbaren Form wie vor 2020 mehr als unwahrscheinlich erscheint - einen Hoffnungsschimmer gibt es. Denn der größte der ehemals zehn Säle steht unter Denkmalschutz und darf baulich nicht verändert werden, wie Sammy Brauner im vergangenen Jahr in einem Interview mit dem Tagesspiegel erklärt hatte - zumindest dieser Teil des Gebäudes könnte also irgendwann wieder kulturell genutzt werden.