TV

Wie die ARD-Programmreform aussieht

Mehr Fokus auf die Mediathek, mehr Doku-Serien, exklusive eigenproduzierte Fiction-Premieren für das Internet und noch mehr. Die ARD stellt ihre Programmreform vor.

15.10.2021 15:25 • von Michael Müller
V.l.: Oliver Köhr, ARD-Chefredakteur, ARD-Programmdirektorin Christine Strobl, ARD-Vorsitzende Tom Buhrow und Florian Hager, Channel Manager ARD Mediathek (Bild: ARD/WDR/Laurence Chaperon/Herby Sachs)

Bei einer Pressekonferenz am Freitag hat die ARD ihr großes Reformprojekt für Mediathek und lineares Programm vorgestellt. Im Fokus steht der digitale Umbau und die Profilschärfung, um "ein attraktives mediales Angebot für die gesamte Bevölkerung zu schaffen". Demnach sollen alle ARD-Gemeinschaftsangebote so aufgestellt werden, dass sie sich ergänzen und zusammen an Jung und Alt richten.

Das umfangreiche Reformprojekt von ARD-Programmdirektorin Christine Strobl, ARD-Chefredakteur Oliver Köhr und Florian Hager, Channel Manager ARD-Mediathek, wurde an diesem Freitag von den Intendantinnen und Intendanten nach vorheriger Beratung mit den ARD-Gremienvorsitzenden einstimmig verabschiedet.

Die ARD-Mediathek wird regelmäßig eigene Programmhighlights anbieten, die sich in der Machart an den Erwartungen der Nutzerinnen und Nutzer für dieses Medium ausrichten. Die Angebote in der ARD-Mediathek sollen zielgruppenspezifisch und divers sein; spannende Dokumentationen, besondere Filme und attraktive Serien stehen dabei im Mittelpunkt.

Monatlich wird es exklusive Premieren von relevanten Doku-Serien geben, unter anderen "Bastards" über ein deutsch-iranisches Wrestling-Team, "Auf dem Weg" über acht Jugendliche mit Down-Syndrom, die gemeinsam auf eine außergewöhnliche Abenteuer- und Erlebnisreise gehen, eine True-Crime-Reihe über die legendäre Polizeidirektion 65 auf der Reeperbahn der 1970er-Jahre, die "Nazijäger", eine spannend erzählte Geschichte der echten "Inglourious Basterds" und ein Porträt eines interkulturellen Fußball-Teams in Deutschland. Zudem werden regelmäßige Dokumentationen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Ausland, Geschichte, Religion, Kultur und Sport gezielt für die Mediathek und ein jüngeres Publikum geplant und produziert.

Jährlich sind mindestens 25 Premieren von eigenproduzierten und internationalen fiktionalen Serien-Highlights geplant, wie "Santa Fu", eine reale Gefängnisgeschichte unter der Regie von Kida Khodr Ramadan, oder "Lamia", eine Coming-of-Age-Geschichte über eine junge deutsche Muslimin und ihre Familie. Erfolgreiche Serien wie "All You Need" oder "Beforeigners" werden mit neuen Staffeln fortgeführt.

Ausgebaut wird auch das Genre Comedy: So ist u. a. Carolin Kebekus nicht nur mit 16 Shows pro Jahr, sondern auch exklusiv mit eigenem Angebot für die Mediathek präsent. Mit Tahnee ist eine neue Personality-Show geplant. Comedy-Serien wie "How to Dad" oder "Marzahn, mon amour" verstärken ebenfalls das Angebot.

Der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow kommentiert: "Unser Auftrag ist es, Programm für alle zu machen. Was wir gemeinsam beschlossen haben, ist keine Reform, sondern ein ganzes Reformpaket, auf dem Weg zu einem relevanten Inhalte-Netzwerk. Damit bieten wir für alle Nutzerinnen und Nutzer generationenübergreifend im Ersten und der ARD-Mediathek relevante und hochwertige Angebote."

Die ARD-Programmdirektorin Christine Strobl sagt: "Wir wollen informieren, das Geschehen in der Welt und zu Hause beleuchten, faszinieren, unterhalten, zum Nachdenken anregen und unsere Themen und Geschichten bestmöglich an unser Publikum bringen. Nur so können wir auch in Zukunft relevant sein und im Ersten und in der ARD-Mediathek ein attraktives Angebot für alle schaffen."

Dies sind die weiteren Eckpunkte der strategischen Neuausrichtung:

Ein neues Wissensformat wird für den Montagabend um 22.50 Uhr und die ARD-Mediathek entwickelt und mit neuen filmischen Reportagen aus der Themenwelt des "Weltspiegels" wird ein neuer Schwerpunkt am Montagabend im Ersten geboten. Sandra Maischberger lädt am Dienstag und Mittwoch Gäste aus unterschiedlichen Lebensbereichen zu einem neuen, vertiefenden Gesprächsformat ein. Für Freitag, 21.45 Uhr, wird eine neue Comedy-Sendung entwickelt. Außerdem ist für diesen Sendeplatz die Pilotierung einer neuen Reportage-Reihe geplant.

Unter dem Label ARD investigativ werden einmal im Monat Dokumentationen in der ARD-Mediathek angeboten. Sie entstehen in den ARD-Kompetenzzentren für Qualitätsjournalismus, den Redaktionen der politischen Magazine "Fakt", "Kontraste", "Monitor", "Panorama", "Report Mainz" und "Report München". Sie werden den von diesen Magazinredaktionen durchgehend bespielten Sendeplatz am Dienstag und Donnerstag im Ersten komplettieren.

Die Berichterstattung aus der Hauptstadt und dem Ausland wird am Sonntagabend auf über 80 Minuten ausgeweitet und bildet einen neuen journalistischen Schwerpunkt im Ersten. Nach der "Tagesschau" wird der "Bericht aus Berlin" um 18 Uhr auf 30 Minuten verlängert. Die Themen aus dem Ausland werden direkt anschließend im "Weltspiegel" auf einem neuen Sendeplatz um 18.30 Uhr vertieft, die Sendezeit wird dazu auf 45 Minuten verlängert.

Montag ist der neue Informationstag im Ersten. Um 20.15 Uhr werden neben dem Naturfilm hochwertige Dokumentationen und Reportagen aus den Bereichen Politik, Kultur, Wirtschaft, Religion, Geschichte und Sport platziert. Nach "hart aber fair" und den "Tagesthemen", dem neuen Wissensformat und filmischen Dokumentationen aus der Themenwelt des "Weltspiegels" werden die Doku-Reihen aus dem Themenfeld Geschichte und die "ARD Story" weiterentwickelt und durch das multimediale Reportageformat "Rabiat" zu einem umfassenden Informationspaket ausgebaut.

Mehr Vereinsfußball aus der 2. Bundesliga am Sonntagabend direkt vor der "Tagesschau" mit regelmäßigen Topspielen aus den internationalen Fußball-Ligen bereichern das Programmangebot. Geplant ist außerdem, das Sendeschema des Ersten für außergewöhnliche Themenschwerpunkte zu öffnen, wie z. B. anlässlich des "Weltwassertags" im März 2022. Auch regelmäßige Kulturevents können die Zuschauerinnen und Zuschauer live miterleben, unter anderem das Waldbühnen-Konzert der Berliner Philharmoniker und das Deutsche Chorfest in Leipzig in enger Verknüpfung mit dem neuen Kulturnetzwerk der ARD.

Die Programmreform soll schrittweise - beginnend mit dem Jahr 2022 - umgesetzt werden.