Festival

Kyra Scheurer, Künstlerische Leiterin von Edimotion: "Ein Filmfest ohne Kater danach"

Das 21. Festival Edimotion startet heute und steht ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit. Was die Gäste alles erwartet, erzählt die Künstlerische Leiterin Kyra Scheurer im Interview.

15.10.2021 07:56 • von Barbara Schuster
Kyra Scheurer von Edimotion (Bild: Juliane Guder/Edimotion)

Das 21. Festival Edimotion startet heute und steht ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit. Was die Gäste alles erwartet, erzählt die Künstlerische Leiterin Kyra Scheurer im Interview.

Wie gestaltete sich die diesjährige Planung von Edimotion als Hybrid-Ausgabe?

KYRA SCHEURER: Wir sind in erster Linie froh, wieder mit volleren Kinosälen und einem 3G-plus- Modell live stattfinden zu können - denn Festival heißt Begegnung und die Mon- tage hat die große Leinwand mehr als verdient. Aber es ist gut, in nach wie vor eingeschränkten Zeiten auch Menschen, die nicht reisen können oder wollen, Teilhabe zu ermöglichen: online sind unsere Inhalte noch eine Woche länger als die Dauer des Live-Festivals verfügbar, also die meisten der Filme, aber auch Aufzeichnungen von allen Nominiertentalks, sowie den Panels und Werkstattgesprächen, ergänzt von "online-only"-Formaten wie einem Branchen-Speeddating im virtuellen Raum. Es gibt also live wie online viel zu entdecken, von der Hommage an Ingrid Koller über den Gastlandabend UK, Specials zu Trailermontage und agilen Formaten bis hin zu 15 ab- wechslungsreichen und außergewöhnlich gut montierten Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen. Die wesentliche Neuerung in diesem Jahr ist der aus den erzwungenen Veränderungen im letzten Jahr gewachsene Entschluss, unser Festival nun endgültig klimaneutral zu veranstalten, inklusive anschließenden Emissionsausgleich und mit einigen strukturellen Neuerungen, die sich aber weder auf das Programm noch die Stimmung vor Ort auswirken werden. Aber "Edimotion Goes Green" macht uns nicht nur zum Vorreiter in NRW, sondern ermöglicht vor allem ein "Filmfest ohne Kater danach" für uns und unsere Besucher*innen.

Gastland ist das Vereinigte Königreich. Wie wichtig ist die internationale Vernetzung der Editoren untereinander?

KYRA SCHEURER: Uns war wichtig, nach dem Brexit ein bewusstes Zeichen zu setzen und die Kolleg*innen aus Großbritannien einzuladen, in Köln ihren Kollegen aus dem DACH-Raum über die Besonderheiten ihres Verbandes und ihres Arbeitsalltag in UK zu erzählen. Auch wenn sich viele Herausforderungen ähneln, gibt es natürlich international durchaus Unter- schiede z.B. in Sachen Urheberrecht für Editor*innen oder verschiedene Modelle der Zusammenarbeit.

Inwiefern hat sich der Markt der Editoren durch den immer stärker werdenden Aufschlag der Streamer mit eigenen Produktionen verändert?

KYRA SCHEURER: Im Moment sind - auch durch den Rückstau der Drehs durch Corona - im Gewerk Schnitt hohe Auslastungen zu beobachten. Und nicht nur die Streamer bringen enge Zeitfenster und neue Arbeitswege mit in die Branche, gerade im Bereich agiler Formate, Instant Fiction und Co stellt sich - und stellen wir z.B. bei einem unserer Panel - die Frage, in- wieweit "New Work" auch "New Pay" bedeutet, also auch Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen mit sich bringt wenngleich die Bandbreite selbst wächst und mehr Arbeitsmöglichkeiten für Editor*innen schafft.

Wie hat sich die Corona-Pandemie auf die Arbeit der Editoren ausgewirkt?

KYRA SCHEURER: Neben den bereits erwähnten neuen Formaten gab und gibt es völlig neue Wege der Zusammenarbeit - nicht selten haben sich Regie und Schnitt nur ein bis zwei Mal oder auch gar nicht live getroffen und sich ausschließlich digital Schnittfassungen zugespielt und darüber ausgetauscht. Auch Editoren, die zusammen an Projekten montierten, haben dank des "neuen Normals" in 2020 und 2021 oftmals in ihren jeweiligen Schneideräumen bzw. Home Offices gearbeitet, ohne sich zu treffen, und mussten diverse neue Wege für Technik und Kommunikation finden. Umso schöner, sich nun wieder live bei Edimotion als "Familientreffen für Editorinnen und Editoren" treffen zu können.

Edimotion setzt sich auch für den Dialog zwischen den Filmkreativen ein. Wie ist es um den Austausch der verschiedenen Gewerke untereinander bestellt?

KYRA SCHEURER: Es hat sich in den letzten Jahren einiges verbessert, auch hinsichtlich der Wahrnehmung und Würdigung - aber es ist und bleibt ein langer Weg, Sensibilität, Verständnis und Kompetenz in anderen Gewerken für das zu stärken, was man nicht umsonst "die Magie des Schneideraums" nennt. Aber nicht zuletzt unser Festival ermöglicht hier konkrete Ein- blicke und lädt zum Dialog ein, was auch rege genutzt und ausgebaut wird.