Kino

Bayerische Kino-Spitzenprämie für Theatiner Film

Insgesamt 800.000 Euro konnte Bayerns Digitalministerin und FFF-Aufsichtsratsvorsitzende Judith Gerlach anlässlich der Verleihung der Filmtheater-Programmprämien an 79 bayerische Kinos vergeben. Im Vorfeld der Verleihung hatten die Grünen Kritik an der Verrechnung von Vorjahresprämien mit Coronahilfen erneuert, die das Digitalministerium klar zurückwies.

14.10.2021 13:55 • von Marc Mensch
Claire Schleeger und Bastian Hauser nahmen als langjährige Mitarbeiter*innen von Marlies Kirchner die Auszeichnung von Digitalministerin Judith Gerlach entgegen (Bild: Kurt Krieger)

Noch ist nicht wieder alles wie vor der Pandemie - aber man nähert sich der Normalität zumindest wieder an. Und so konnte die Verleihung der bayerischen Filmtheater-Programmprämien nicht nur als Präsenzveranstaltung in dem zum 1. Juli von Christian Pfeil und Markus Eisele übernommenen Rio Filmpalast stattfinden, sondern auch mit der lieb gewonnenen Tradition eines Überraschungsfilms - in diesem Fall Monday um Zehn", Debütfilm von Mareille Klein.

Insgesamt 800.000 Euro an Prämien konnte Bayerns Digitalministerin und FFF-Aufsichtsratsvorsitzende Judith Gerlach zu diesem Anlass vergeben - eine Summe, die aufgrund der nach wie vor außergewöhnlichen Situation nahezu paritätisch unter sämtlichen für eine Auszeichnung infrage kommenden Kinos verteilt wurde. Nahezu deshalb, weil neben den 78 Häusern, deren Betreiber*innen Unterstützung in Höhe von je 10.000 Euro erfuhren, auch eine Spitzenpreisträgerin gekürt wurde: Die nach wie vor unermüdliche Münchner Kino-Ikone Marlies Kirchner bzw. ihr Traditionshaus Theatiner Film, das sich seit über 60 Jahren an außergewöhnlicher Innenstadtlage hält. Ihr wurden vom FFF-Vergabeausschuss 20.000 Euro zuerkannt. Gerlach hob in ihrer Laudatio vor allem die "hohen Verdienste der Kinomacherin für die Vermittlung des europäischen Arthousekinos" hervor.

Die gegenüber regulären Jahren deutlich aufgestockte Prämiensumme soll natürlich auch in diesem Jahr, in dem das Kinogeschäft seit Juli zwar wieder überaus anständig läuft, in dem aufgrund des extrem langen Lockdowns aber bislang nicht einmal das Besucherniveau von 2020 erreicht werden konnte, als Unterstützung in einer schwierigen Zeit dienen - wie das schon im Vorjahr der Fall war.

Diesbezüglich hatte mitunter zu Enttäuschung geführt, dass bei Inanspruchnahme der bayerischen Kino-Anlaufhilfe, die gezielt Liquiditätsengpässe und existenzbedrohende Wirtschaftslagen adressierte, Programmprämien (wie auch alle sonstigen Einnahmen) bei der Liquiditätsprüfung zur Bestimmung von Förderwürdigkeit und -bedarf mit herangezogen wurden. Einzelne Betreiber sahen sich dadurch der Auszeichnung für ihre besonders gute Programmarbeit beraubt. Als Sprecherin für Kulturpolitik & Film der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hatte Sanne Kurz die diesjährige Verleihung noch einmal zum Anlass für überaus deftig formulierte Kritik an dieser Praxis genommen, sprach von "Doppelzüngigkeit" bei der Vergabe und einem "schäbigen Umgang" mit "kulturell mustergültig arbeitenden Kinos". "Man kassiert hintenrum ein, was man vorne unter viel Tamtam ausschüttet und sich als Retter feiert", so Kurz wörtlich.

Das Problem liegt indes im Haushaltsrecht begraben, die das Digitalministerium gegenüber Blickpunkt: Film erläuterte - nicht zuletzt unter Verweis auf den umfassenden Erfolg der bisherigen Unterstützungsmaßnahmen: "Die bayerischen Kino-Anlaufhilfen hatten den Zweck, Liquiditätsschwierigkeiten der Kinos während der Corona-Krise zu beheben und dadurch etwaige Kinoschließungen zu vermeiden. Dies ist in Bayern hervorragend gelungen. Kein Kino musste wegen Corona-bedingter Ausfälle schließen. Die Corona-Hilfen sind aber nicht dafür vorgesehen, entgangene Gewinne zu kompensieren, sondern sollten einen akut eingetretenen Liquiditätsbedarf infolge der Corona-Krise decken. Ein automatischer Abzug der Kino-Programmprämien erfolgt nicht. Sie wurden aber in die Liquiditätsprüfung einbezogen, um eine unzulässige Überkompensation zu verhindern. Dieses Verbot der Überkompensation entspricht den Regelungen des Haushaltsrechts."

Den Vorwurf von Kurz, die Kinos hätten Angst sich zu wehren, "weil sie fürchten, nichts mehr zu bekommen, wenn sie schimpfen" wurde übrigens schon im Sommer von den Grünen selbst insoweit widerlegt, als in einer entsprechenden Mitteilung der Fraktion mehrere Münchner Kinobetreiber namentlich zitiert wurden.

Aber zurück zu den Preisträgern: Diese hätten sich laut FFF Bayern "trotz der Herausforderungen und Einschränkungen auch im letzten Jahr für ein vielseitiges und anspruchsvolles Filmangebot engagiert und den Kontakt zu ihrem Publikum gepflegt". Digitalministerin Judith Gerlach erklärte: "Die diesjährigen Preisträger haben in eindrucksvoller Weise das Publikum mit ihren Programmgestaltungen und besonderen Aktionen begeistert und gerade in der Corona-Pandemie eine Insel der Erlebnisse und Freude geschaffen. Sie alle haben die Auszeichnung mehr als verdient und ich freue mich sehr, diese herausragende Leistung mit insgesamt 800.000 Euro würdigen zu können."

FFF-Geschäftsführerin Dorothee Erpenstein ergänzte, auch mit Blick auf die guten Ergebnisse der vergangenen Wochen: "Die Kinos haben das Publikum zurückerobert. Sie sind und bleiben ein unverzichtbarer Bestandteil der Filmkultur, und das nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Land. Das Spektrum der prämierten Filmtheater reicht vom inhabergeführten Multiplexkino über das Programmkino in den Metropolen und Universitätsstädten bis hin zum experimentellen Haus mit Avantgardefilmen sowie dem kleinen und einzigen Kino an einem Ort. Mit ihrem Engagement und Ideen tragen sie alle dazu bei, den Kinostandort Bayern zu stärken."