Produktion

REVIEW KINO: "Es ist nur eine Phase, Hase" von Florian Gallenberger

Florian Gallenberger hat eine (anti)romantische Komödie gemacht, nach Bestsellervorlage. Heute startet "Es ist nur eine Phase, Hase" mit Christoph Maria Herbst und Christiane Paul in den Hauptrollen in den deutschen Kinos. Hier unsere Besprechung.

14.10.2021 07:21 • von Thomas Schultze
Was nun, Christiane Paul und Christoph Maria Herbst? (Bild: Majestic)

Mit ernsten Filmen hat sich Florian Gallenberger einen Namen gemacht. Jetzt hat er eine (anti)romantische Komödie gedreht, nach Bestsellervorlage. Heute startet Es ist nur eine Phase, Hase" mit Christoph Maria Herbst und Christiane Paul in den Hauptrollen in den deutschen Kinos. Hier unsere Besprechung.

In den Neunzigerjahren hatte die deutsche romantische Beziehungskomödie ihre erfolgreichste Phase gefeiert: In rascher Abfolge legten damals all die Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit", Der bewegte Mann", Superweib", Workaholic" oder Abgeschminkt!" den Finger in zeitgeistige Wunden und sorgten für erstaunliche Besucherzahlen in den Kinos. In dieser Tradition ist der neueste Film von Florian Gallenberger zu sehen, der jüngst schon in Grüner wird's nicht, sagte der Gärtner und flog davon" erstmals leichtere Töne angeschlagen hatte, jetzt aber 20 Jahre nach dem Gewinn des Studentenoscars erstmals eine lupenreine Komödie gedreht hat. Klar, einen ernsten Kern hat diese Betrachtung des unverändert merkwürdigen Verhaltens von Großstädtern jetzt knapp nach der Midlife-Krise, wo die Geschlechtsreife spürbar abzunehmen beginnt und die Paarungszeit längst in der Vergangenheit liegen sollte, natürlich schon.

Aber Gallenberger verpackt seine Adaption des "Trostbuchs für Alterspubertierende" von Maxim Leo und Jochen Gutsch in einem mit dicken Pinselstrichen aufgetragenen Schwank, der ein bisschen in Richtung der Filme von Judd Apatow schielt, aber doch vor allem ein auf den heutigen Stand der Dinge gebrachtes Update der genannten Späße aus einer Blütezeit des deutschen Filmschaffens ist. Man entdeckt aber auch Parallelen zu aktuellen Werken, Til Schweigers "Klassentreffen" etwa, allerdings dankenswerter Weise ohne dessen Bitternis und zwischen den derben Gags durchschimmernde Verzweiflung, oder auch zu Ralf Huettners TV-Movie Um die 50", der ja als Fortsetzung von "Um die 30" buchstäblich die Neunziger in die Jetztzeit überführt. Dass der Zahn der Zeit im Hier und Jetzt ganz arg an gerade noch vitalen und mit beiden Beinen fest im Leben stehenden Frauen und Männern nagt, brennt offenkundig auf den Nägeln. Und wird hier beschwingt verhandelt, heiter und sympathisch, auch wenn gewisse böse Gags den Film schon auch in die Nähe der Komödie der Demütigung rücken.

Aber nichts könnte so peinlich sein, dass es einem Christoph Maria Herbst - Opfer der meisten gemeinen Prüfungen hier - nicht gelingen würde, es Kraft seiner darstellerischen Souveränität nicht doch lustig aufzulösen. Ob er nun dabei ertappt wird, wie er sich auf Anraten eines Freundes Analkugeln einführt, Spermaproben abgeben soll oder sich abmüht, als der Gigolo, der er nie war, einer Eroberung im Rausch der Lust den Slip mit den Zähnen vom Leib zu reißen, Herbst versteht es stets, die fortwährenden Erniedrigungen zum Sinnbild zu machen für den Zustand, in dem sich der bemitleidenswerte Paul gerade befindet: Gerade noch Erfolgsautor und glücklicher Ehemann und dreifacher Vater, aber nach einem einmaligen One-Night-Stand seiner Frau Emilia völlig aus der Bahn geworfen. Um das Ausloten des eigenen Lebensentwurfs geht es, der so gesichert und selbstverständlich erscheint, dass eigentlich alles langweilig geworden ist. Wie Bombeneinschläge lässt Gallenberger die Gags und Kalauer kommen, während Paul und Emilia - Christiane Paul großartig als Frau, die das eigene Glück nicht mehr spüren und wahrnehmen kann, weil sie sich selbst nicht mehr spürt und wahrgenommen fühlt - sich nach einer Trennung durch das Mienenfeld ihrer Existenz schlagen. Der Regisseur, der auch das Drehbuch geschrieben hat, umgibt sie mit illustren Gestalten, die man gerne sieht und über die gerne lacht: Jürgen Vogel als viagragesteuerter Playboy, Jytte-Merle Böhrnsen als unwiderstehliche Versuchung, Nicola Perot als absoluter Traumtyp, der aber doch nicht der Richtige ist. Nicht jeder Treffer landet, manches gerät auch etwas platt. Auch das teilt "Es ist nur eine Phase, Hase" mit den Hits der Neunziger. Weil aber der Gesamteindruck zählt, das Paket und die Verpackung, sieht man doch immer gerne zu bei dieser Tour de Force der Irrungen und Wirrungen, in der die Gezähmten lernen müssen, wieder widerspenstig zu sein.

Thomas Schultze