Kino

Offizieller Quartalsreport für deutschen Kinomarkt

Nach der Bekanntgabe vorläufiger Zahlen in der vergangenen Woche hat Comscore nun den finalen Report für das laufende Gesamtjahr und das dritte Quartal vorgelegt - und damit auch etliche zusätzliche Betrachtungen im Detail. An den Gesamtzahlen hat sich nichts Wesentliches geändert - die Besonderheiten dieser konkreten Auswertung lassen aber die Vergleiche mit den dritten Quartalen 2020 und 2018 nun noch etwas besser aussehen.

13.10.2021 14:06 • von Marc Mensch
"Keine Zeit zu sterben" macht den September in der Auswertung zum Wonnemonat - für die 3D-Fassung entschieden sich aber weniger als zehn Prozent des Publikums (Bild: Universal)

Im Prinzip hat sich gegenüber den vorläufigen Quartalszahlen, die Comscore bereits vergangene Woche vorgelegt hatte, in der finalen Bilanz keine großartige Veränderung ergeben. Aus 188.329.982 Euro Gesamtumsatz zwischen 7. Januar und 6. Oktober 2021 wurden 188.518.758 Euro; aus 21.780.036 Besuchern abschließend 21.795.568. Insofern bleibt es bei dem, was wir bereits berichtet hatten.

Aufmerken lassen könnte allerdings die gegenüber der vorliegenden Bilanz neu hinzugekommen Betrachtung der separaten Quartale und einzelnen Monate - denn hier glänzt das dritte Quartal 2021 nun sogar mit einem Zuwachs um 251 Prozent nach Umsatz und 228 Prozent nach Besuchern gegenüber dem Vergleichszeitraum aus 2020 - und die über 185 Mio. Euro Boxoffice aus dem dritten Quartal des laufenden Jahres sind nicht mehr nur auf dem nahezu exakt gleichen Niveau wie die Umsatzzahlen aus 2018, sondern liegen sogar um rund zehn Mio. Euro höher.

Indes liegt diese Diskrepanz gegenüber der vorherigen Analyse nicht an Nachmeldungen oder Ähnlichem - sondern schlicht an der Methodik: Anders als bei den bereits veröffentlichten Gesamtzahlen folgt die Aufteilung nach Monaten und Quartalen in der Comscore-Bilanz dem Kalender, nicht den Spielwochen. Mit einer entscheidenden Ausnahme: Dem September wurde die am 30.09. beginnenden Spielwoche zugeschlagen, sowohl der Monat als auch das Quartal fallen damit um eine Woche "länger" aus als der Rest - was sich angesichts des Starts von Keine Zeit zu sterben" in diesem Zeitraum entsprechend klar in der Bilanz ausdrückt.

Am Ende sind dies aber nur analytische Details, es bleibt dabei, dass das dritte Quartal dieses Jahres mit Ergebnissen auf dem Niveau von 2018 zu überzeugen wusste, selbst nach dieser Betrachtung gegenüber dem Vergleichszeitraum aus 2019 aber noch eine Lücke von gut 38 Mio. Euro klaffte. Auffällig ist, dass der Juli und September 2021 deutlich stärker waren als die Vergleichsmonate 2018 (was sich unter anderem über Fußball-WM in 2018 und "Bond" in 2021 erklären lässt), der August aber deutlich schwächer.

Selbstverständlich zeigt die Statistik auch glasklar, in welchem Umfang das Ende des zweiten bzw. der Beginn des dritten Quartals als Termin zur Wiedereröffnung genutzt wurde - von KW 24 auf KW 25 (Spielwoche vom 24. Juni) stieg die Zahl der Locations von 953 auf 1734, in KW 26 (Spielwoche des "bundesweiten Neustarts") sprang sie auf 7262. Die höchste von Comscore im laufenden Jahr erfasste Locationzahl wurde in KW 34 mit 11.275 erzielt.

Betrachtet man die einzelnen Verleihbezirke, so ist München im laufenden der Jahr der Primus: Nach absoluten Zahlen liegen die dortigen Kinos mit Ticketumsätzen von 42.273.900 Euro nur hauchdünn vor Düsseldorf mit 42.240.522 Euro - gegenüber dem Vorjahr lagen die Kinos im Verleihbezirk München zum Beginn des dritten Quartals aber nur noch um 20,3 Prozent zurück, ein absoluter Spitzenwert im bundesweiten Vergleich. Bei einem Schnitt aller fünf Bezirke von minus 26,4 Prozent hatten Frankfurt und Hamburg mit je minus 30,3 Prozent noch den höchsten Aufholbedarf.

Tatsächlich liegt Hamburg - wo seit der bundesweiten Wiedereröffnung besonders strenge Vorgaben galten - im Vergleich aller 16 einzelnen Bundesländer erwartungsgemäß so massiv zurück, wie sich dies anhand der wöchentlichen Filmsource-Auswertungen von Comscore abzeichnete. Um ganze 45,9 Prozent lag man zuletzt noch nach Umsätzen hinter dem Vorjahr zurück, kein anderes Bundesland weist eine auch nur annähernd so große Lücke auf. Spitzenreiter ist hier vielmehr Mecklenburg-Vorpommern mit seinen liberalen Vorgaben, hier beträgt das Minus nur 11,1 Prozent. Bayern folgt auf Rang 2 mit einem Rückstand von 16,1 Prozent auf das Vorjahr.

Noch eine interessante Betrachtung zum Thema 3D: Nur bei einem einzigen, der in diesem Jahr in 3D ausgewerteten Filme lag der 3D-Anteil am Gesamtumsatz noch bei über 40 Prozent (bei Monster Hunter" mit 41,6 Prozent), bei Die Croods - Alles auf Anfang" bei gerade einmal 11,6 Prozent, beim tatsächlich überraschend als 3D-Film angekündigten "Keine Zeit zu sterben" bei nur 12,2 Prozent, der 3D-Besucheranteil lag hier unter zehn Prozent. Dune" zählt zur Spitzengruppe der 3D-Umsatzbringer mit einem 3D-Umsatzanteil von immerhin 35,6 Prozent. Von den Werten aus der Zeit des 3D-Booms ist man damit natürlich meilenweit entfernt.