Kino

KOMMENTAR: Nobody Does It Better

Carly Simons Bond-Song bringt es auch 44 Jahre später noch auf den Punkt: Bond ist der Beste. Seine Mission ist es, die Welt zu retten, und natürlich rettet er das Kino gleich mit, das mit diesem Film endlich wieder ein weltumspannendes Ereignis nur auf der großen Leinwand hat, über das auch noch alle Welt spricht.

07.10.2021 07:41 • von Jochen Müller
Ulrich Höcherl, Chefredakteur (Bild: Blickpunkt:Film)

Carly Simons Bond-Song bringt es auch 44 Jahre später noch auf den Punkt: Bond ist der Beste. Seine Mission ist es, die Welt zu retten, und natürlich rettet er das Kino gleich mit, das mit diesem Film endlich wieder ein weltumspannendes Ereignis nur auf der großen Leinwand hat, über das auch noch alle Welt spricht. Dass er in den Territorien, in denen er bereits gestartet ist, für fantastische Besucherzahlen sorgen wird, war dringend gehofft worden. Dass aber dieser traditionsreiche, in den 60er Jahren geschaffene und immer neuen Generationen ans Herz gewachsene Leinwandmythos in gendergerecht modernisierter Form nun wieder alle Augen auf das Kino richtet, das in der Pandemie von vielen schon vorzeitig abgeschrieben wurde, das ist in diesem Moment der Zeit seine besondere Leistung. Das Warten hat sich gelohnt.

Monat um Monat wurde sein Start verschoben. Barbara Broccoli und die Chefs von MGM, dem Studio, das praktisch schon Amazon gehört, haben darauf gepocht, dass diese Premiere nicht auf die Bildschirme verbannt, sondern larger-than-life gefeiert wird. Ein riskantes Millionenspiel in den dunkelsten Monaten der Pandemie, das eines 007 würdig ist und sich nun auszahlt. In Deutschland hat Bond erstmals wieder einen Millionenstart hingelegt, fast auf Augenhöhe mit den vier Vorgängerfilmen mit Daniel Craig aus der Zeit vor Corona. Der erste Film, der sich nach langen 30 Monaten wieder einen Bogey am Startwochenende verdienen konnte mit über einer Mio. Besuchern und deutlich mehr als 1000 pro Location, und das obwohl die Kinos immer noch absurden Auflagen beim Betrieb ihrer Häuser ausgesetzt sind. Der begeisterte Andrang im Heimatland Großbritannien, wo die königliche Familie ihm und dem Kino ihre Reverenz erwies, sowie in vielen europäischen Nachbarländern spiegelt die ungebrochene Anziehungskraft des Kinos. Darauf lässt sich jetzt aufbauen.

Die Filmwelt hat sich weiter gedreht, und Bewegtbild findet auf vielen Wegen sein Publikum, aber die Strahlkraft des Kinos hat die Pandemie überstanden. Daran zu arbeiten, dass das Publikum auch für andere Filme den Weg ins Kino findet, ist die Aufgabe der Stunde. Es sei den Arthouse-Kinos gegönnt, mit Bond auch ihre Zugkraft zu steigern, aber ihre Aufgabe liegt woanders. Es stimmt ein wenig traurig, dass die teils großartigen Filme, die für den Deutschen Filmpreis nominiert wurden, so wenige Zuschauer gefunden haben. So war der festliche und recht gelungene Verleihungsakt vor allem eine glamouröse Betriebsversammlung der Deutschen Filmakademie mit wunderbaren Momenten, bei der wichtigen Themen Tribut gezollt wurde und die Branche sich nach überstandener Pandemie selbst feiern durfte. Aber der Weg zum Publikum scheint für viele deutsche Filme weiter denn je. Ein Auftrag, den Agent 007 leider nicht übernehmen kann.

Ulrich Höcherl, Chefredakteur