Kino

Kino-Neustart: Die Ruhe vor dem Ansturm

Nicht nur für die Union war das vergangene Wochenende miserabel - auch auf einen Kinobesuch fiel die Wahl der Deutschen vergleichsweise selten. Obwohl sich Spitzenreiter "Dune" sehr gut hielt, reichte es insgesamt nur für die schlechtesten Zahlen seit Anfang Juli.

27.09.2021 15:34 • von Marc Mensch
"Dune" hielt sich an einem insgesamt schwachen Wochenende gut (Bild: Warner)

Knapp 775.000 Besucher (ohne Previews) zählt Comscore in seiner Filmsource-Auswertung für das vergangene Kinowochenende in Deutschland, fast ein Viertel (23 Prozent) weniger als noch vor einer Woche. Beim Umsatz ging es wiederum um gut 22 Prozent auf knapp 7,3 Mio. Euro zurück. Auch wenn die Filmsource-Zahlen aufgrund von Nachmeldungen nicht bereits am Montag erfasster Spielstätten in der Folgewoche noch immer ein klein wenig nach oben angepasst werden, lässt sich festhalten: Das ist das schlechteste Ergebnis seit der bundesweiten Wiedereröffnung der deutschen Kinos am 1. Juli. Sogar das mit Abstand schlechteste.

Allzu sehr verwundern muss dies allerdings nicht: Schließlich war ein Rückgang an einem Wahl-Wochenende ohne nennenswerten US-Neustart absolut zu erwarten gewesen, das spätsommerliche Wetter in weiten Landesteilen tat ein Übriges.

Tatsächlich zeigt sich beim Detailblick auf die Top 20, dass sich die Bestandstitel unter den gegebenen Umständen recht solide gehalten haben. In ganz besonderem Maße gilt dies für Dune", der (ohne Betrachtung der Mittwochs-Previews) nur rund 24 Prozent seiner Besucher verlor - auch im internationalen Vergleich ein guter Wert, global gab der Film laut Comscore um 32 Prozent nach. Innerhalb der Top 20 gibt es zudem nur wenige Besuchereinbrüche jenseits eines Drittels. Mit Abstand am stärksten gab Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" mit minus 45,3 Prozent in seiner vierten Woche nach, am besten hielten sich die Familienfilme Tom & Jerry" (minus 13 Prozent) und Hilfe, ich hab meine Freunde geschrumpft" (minus 16,9 Prozent) sowie Free Guy" mit einem Drop von nur 16,4 Prozent, obwohl vergangene Woche der unmittelbar bevorstehende Termin für dessen Digitalauswertung bekannt gegeben wurde.

Betrachtet man die Zahlen seit Anfang Juli, lässt sich feststellen, dass sich der Besucherabbau von Bestandstiteln in der Regel (zumindest noch) nicht in einem Maße beschleunigt hat, wie man es unter anderem angesichts auch hierzulande vielfach geschrumpfter Auswertungsfenster hätte befürchten können. Aber das ist natürlich noch nicht ausreichend, wenn Filme schon beim Start Zahlen schreiben, von denen man zumindest annehmen darf, dass sie vor der Pandemie höher ausgefallen wären.

Zudem zeigt sich auch in dieser Woche klar, wie wenige Neustarts überhaupt so richtig angenommen werden. Nur zwei Debütanten gelangen fünfstellige Besucherzahlen, wobei "LOL im Kino" zwar "nur" knapp 14.000 Besucher anzog (eine durchaus beachtliche Zahl für ein singuläres Event in 235 Locations), sich dank höherer Ticketpreise mit knapp 178.000 Euro Umsatz auf Platz 7 aber noch unmittelbar vor "Schachnovelle" mit knapp 20.000 Besuchern und gut 175.000 Euro Boxoffice setzte. Noch in die Top 20 (auf Position 15) schaffte es zudem Helden der Wahrscheinlichkeit" mit knapp 9500 Besuchern.

Dass das vergangene Wochenende nicht jenes der großen internationalen Debütanten sein würde, war allerdings seit geraumer Zeit klar. Schließlich kommt in wenigen Tagen mit Keine Zeit zu sterben" ein Film in die Kinos, der nicht nur einen Großteil der Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird - sondern der angesichts teils noch immer begrenzter Kapazitäten potenziell noch mehr Säle für sich in Anspruch nehmen wird als dies unter völlig normalen Bedingungen der Fall gewesen wäre. Immerhin: Schon im Vorfeld hatten einzelne Häuser angekündigt, rechtzeitig zu diesem Start auf 2G und Vollauslastung zu gehen (wo dies möglich ist).

Vom Niveau des schwächsten Wochenendes der fünf Jahre vor Corona (knapp 426.000 Zuschauer am Wochenende vom 19. April 2018) war der Gesamtmarkt natürlich erneut weit entfernt - auch wenn die Besucherzahlen zuletzt nur um 82 Prozent über dieser unteren Benchmark lagen. Tatsächlich muss man aus deutscher Sicht damit aber vielleicht sogar halbwegs zufrieden sein - denn in Österreich und den Niederlanden betrug das Plus gegenüber dieser Messlatte nach Besuchereinbrüchen um 33 bzw. 24 Prozent gegenüber dem Vorwochenende nur noch 46 bzw. 68 Prozent.

Unterdessen schrumpft der Rückstand gegenüber dem Vorjahr natürlich weiter - wenn auch längst nicht so schnell, wie man es angesichts des wirklich gelungenen Neustarts Anfang Juli vielleicht hätte hoffen mögen. Mit knapp 19,1 Mio. Besuchern und gut 161 Mio. Euro Umsatz rangiert der deutsche Kinomarkt noch um rund 38 Prozent hinter den Ergebnissen des Vorjahres zum selben Zeitpunkt - damals waren aber natürlich auch mehr als zwei "normale" Monate Teil der Bilanz.

Wie bereits berichtet, erwartet Comscore-Partner Gower Street bis Ende des Jahres insgesamt 47,1 Mio. Besucher für 2021. Dies wäre ein Wert, der rund 13 Prozent unter jenem für das zweite Halbjahr 2018 liegen würde. Nachdem das Niveau jenes Jahres im Sommer 2021 erreicht wurde und man sich für "Bond" einen echten Peak erwartet, muss man sich - zumindest nach Einschätzung dieser Experten - für das vierte Quartal noch auf einige eher maue Wochen einstellen.

Einstweilen aber richten sich alle Augen auf das kommende Wochenende: Die Messlatte für die Benchmark eines "mittleren Wochenendes" liegt bei knapp 1,5 Mio. Gesamtbesuchern - in etwa dem Doppelten dessen, was zuletzt gezählt wurde. Gower Street geht in seiner Prognose davon aus, dass diese Hürde dank "Bond" übersprungen wird. Meilenweit...