Kino

Emma Watts ist raus bei Paramount

Filmchefin Emma Watts hat Paramount verlassen. Dem Vernehmen nach wurde ihr das von dem neuen Studiochef Brian Robbins nahegelegt. Watts galt als engste Vertraute des ehemaligen Paramount-Chefs Jim Gianopulos sowie als wichtigste Fürsprecherin für eine exklusive Kinoauswertung. Robbins verfolgt eine andere Strategie und will künftig nur noch zwischen sechs und acht Titel fürs Kino produzieren.

25.09.2021 08:25 • von Thomas Schultze
Für Emma Watts ist kein Platz mehr in der neuen Strategie von Paramount (Bild: Paramount)

Eine Überraschung ist das nicht. Bereits nach der Ankündigung von Jim Gianopulos vor zwei Wochen, er werde die Leitung von Paramount niederlegen, war vermutet worden, dass ihm seine Filmchefin Emma Watts nachfolgen würde. Sie war von Gianopulos Mitte 2020 an Bord geholt worden, die Produktion bei Paramount mit einem Blick auf exklusive Kinoauswertung wieder anzukurbeln, zugleich mit einem Blick darauf, Gianopulos nach getaner Arbeit als Studiochefin zu beerben. Das machte sie automatisch zu einer Art Gegenspielerin des von ViacomCBS-CEO Shari Redstone installierten neuen Paramount-Studiochef Brian Robbins, der nunmehr die Titel President und CEO trägt: Robbins will die Kinoaktivitäten von Paramount deutlich reduzieren - aktuell spricht man von sechs bis acht Kinofilmen im Jahr, die niedrigste Anzahl von allen Hollywood-Studios - und stattdessen gezielt primär preiswertes Produkt nach dem Paw Patrol"-Modell für den hauseigenen Streamingdienst Paramount+ produzieren.

Watts' Abschied kam nach einem Gespräch mit Robbins, der ihr nahegelegt hatte, das Studio zu verlassen. Kurz war spekuliert werden, der ehemalige Warner-Produktionschef Jeff Robinov könne sie beerben - aber auch Robinov ist ein passionierter Kinomann und denkbar ungeeignet für die Umsetzung von Robbins' Vision von Paramount als modernes Filmstudio. Entsprechend wurde bereits bekanntgegeben, dass Watts von den vormaligen Co-Presidents of Production Mike Ireland und Daria Cercek beerbt wird, die nun als Co-Heads der Paramount Picture Group direkt an Brian Robbins berichten werden.

Emma Watts war zunächst seit 2007 unter Jim Gianopulos und dem jetzigen Sony-Pictures-Chef Tom Rothman bei Fox für die Produktion verantwortlich gewesen und hatte das Studio nach der Übernahme von Disney verlassen, als die Produktionsaktivitäten auf nur noch vier Filme im Jahr heruntergefahren wurden. Immerhin hatte sie dem Studio die Hits "LeMans 66 - Gegen jede Chance" und Free Guy" hinterlassen - ein Hinweis darauf, dass sie als offenbar einer der letzten Executives in Hollywood ein ausgezeichnetes Fingerspitzengefühl besitzt für kommerziell reizvolle Originalstoffe. Dafür hatte sie auch Jim Gianopulos wieder zu Paramount geholt. Speziell mit ihrer Hilfe befand er sich mitten dabei, das vormals schlingernde Studio wieder auf feste Beine zu stellen. In kurzer Zeit schrieb das Studio bereits wieder schwarze Zahlen. Aber erst 2022 wären die Bemühungen von Watts erstmals wirklich zu sehen gewesen. Neben den mehrfach verschobenen Top Gun: Maverick" und "Mission: Impossible 7" warten ein neuer Scream", Jackass Forever", Sonic the Hedgehog 2" und ein Reboot von Transformers" auf ihre Auswertung. Dazu kommen u. a. noch Lost City of D", Sandra Bullocks Rückkehr zur romantischen Komödie, ein noch unbetiteltes Biopic über die Bee Gees (Emma Watts hatte bei Fox Bohemian Rhapsody" zum weltweiten Blockbuster gemacht) und "Babylon", der neue Film von Oscargewinner Damien Chazelle mit Brad Pitt. Zudem war Watts im Begriff, "Star Trek" als Marke zurückzubringen, und sie konnte Ryan Reynolds an Paramount bringen. Die Stimmung im Studio galt unter ihrer Führung als ausgezeichnet.

Nun ist ungewiss, ob wirklich all diese Titel ins Kino kommen werden. Ebenso ist unklar, ob Filme, die in den USA direkt oder als day-and-date bei Paramount+ landen, außerhalb der Staaten nicht doch auch regulär in den Kinos ausgewertet werden. Aktuell berichtet Variety, dass bei den Mitarbeitern im Studio Unsicherheit und Angst herrsche. Seit seiner Übernahme habe sich Brian Robbins erst zweimal an seine Mannschaft gewandt. Wie das Studio laufen soll, wie es aufgestellt sein wird, wie seine Vision genau aussieht, seien noch völlig ungewiss. Angeblich soll es keine weiteren personellen Änderungen auf Management-Ebene geben. Aber wenigstens Verleihchef Chris Aronson ist ebenfalls ein alter Gianopulos-Vertrauter aus Fox-Zeiten. Man wird abwarten müssen, ob er dem Studio hold bleiben wird.