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REVIEW STREAMING: "Foundation" auf Apple TV+

Mit der ersten Folge der zehnteiligen Isaac-Asimov-Adaption "Foundation" startet heute auf Apple TV+ ein neues Prestigeprojekt des Streamers, für das man kaum Kosten und Mühen gescheut hat. Wir haben einen ersten Blick auf die Serie von "Batman Begins"-Autor David S. Goyer geworfen.

24.09.2021 10:47 • von Thomas Schultze
Lou Llobell ist die Entdeckung von "Foundation" (Bild: Apple)

Mit der ersten Folge der zehnteiligen Isaac-Asimov-Adaption Foundation" startet heute auf Apple TV+ ein neues Prestigeprojekt des Streamers, für das man kaum Kosten und Mühen gescheut hat. Wir haben einen ersten Blick auf die Serie von Batman Begins"-Autor David S Goyer geworfen.

Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man zu der Annahme gelangen, die beiden legendären Science-Fiction-Schriftsteller Frank Herbert und Isaac Asimov hätten sich verabredet, mit zwei Großproduktionen ihrer jeweiligen Schlüsselwerke im Herbst 2021 im Abstand von nur wenigen Wochen die Aufmerksamkeit wieder auf sich zu lenken. Es mag auch was dran sein an dem Gedanken, dass genau jetzt, in diesem Moment wachsender sozialer Spaltung, auch klassische Stoffe gefragt sind, die mit Hilfe des Blicks in die Zukunft und andere Galaxien den Finger in die Wunden der Gesellschaft der Gegenwart legen und Hoffnung vermitteln, dass mit dem Glauben an die Menschheit und die Wissenschaft Zerwürfnisse aller Art beseitigt werden können. In beiden Fällen wird von einem im Niedergang begriffenen Imperium mit bislang unangreifbarer Macht erzählt und von Erneuerung durch den Willen zur Anpassung und Allianz. Da sind Dune", von Denis Villeneuve für die große Leinwand choreographiert, und "Foundation", von "Batman Begins"-Drehbuchautor David S. Goyer mit Hilfe von Snow White & the Huntsman"-Regisseur Rupert Sanders als Vorzeigeprojekt für Apple TV+ als zehnteilige Serie konzipiert, ganz nah beisammen.

Aber während die Adaption von Herberts "Der Wüstenplanet" tatsächlich groß ist und beeindruckend, bisweilen erschlagend geradezu, ist die Bewegtbildumsetzung von Asimovs nicht minder visionärem "Foundation"-Zyklus zunächst einmal vor allem lang und dabei durchaus auch langwierig. Weltenbau ist harte Arbeit. Zumal es sich hier um eine so komplexe Welt handelt, dass sie sich nicht in einem Satz zusammenfassen lässt und schon gar nicht mit ein paar einleitenden Bildern plus etwas Off-Kommentar mitteilt. Zumal die Romane Asimovs nicht so sehr von Plot getrieben werden als vielmehr einem elektrisierenden Ideenkosmos, der sich nicht sofort in zwingende Bilder auflösen lässt. Zumal Goyer eine Handlung daraus strickt, die nicht nur von Planet zu Planet springt, sondern auch von Zeitebene zu Zeitebene. Das macht es bisweilen durchaus anspruchsvoll, immer auf der Höhe des Geschehens zu sein. Liebe auf den ersten Blick ist es zumindest bei mir nicht, aber ich bin weder ausgewiesener Asimov- noch Science-Fiction-Afficionado. Bedenkt man die enorme Beliebtheit von in ihrem Ausufern und verschachtelten Erzählen vergleichbaren HBO-Tentpoles wie Game of Thrones" oder "Westworld", ist womöglich genau das, was mir den Zugang zu "Foundation" erschwert, der springende Punkt, der die aufwändige Produktion zum Event für die Fangemeinde macht.

Tatsächlich spricht es für "Foundation", dass hier so viel Mühe und Zeit darauf verwendet werden, die verschiedenen Welten auszubreiten, in denen man sich fortan bewegen wird. Das unterstreicht das große Vertrauen von Apple TV+, zu The Morning Show" und For All Mankind" eine weitere Signature-Show hinzuzufügen, die über mehrere Staffeln weitererzählt werden soll. Den Auftakt hat man sich offenkundig ordentlich etwas kosten lassen, auch wenn man fast bis zum Schluss warten muss auf das große Spektakel, das dann auch als entscheidender Katalysator dient für die eigentliche Handlung, die in dieser Staffel verfolgt wird. Der geniale, aber vom imperialen Herrscher Cleon mit tiefem Misstrauen beäugte Mathematiker Hari Seldon, nicht gerade überanstrengt gespielt von Jared Harris wie in einem Best-of... seiner bisherigen Rollen, sieht eben nicht nur das Ende der herrschenden Dynastie voraus, sondern weiß, dass perfide Anschläge auf die Macht dafür sorgen werden, ihn und andere Wissenschaftler ans Ende der Galaxie zu verbannen: Weit entfernt von Kontrolle und Zugriff des Imperators will er unter dem Deckmantel der wissenschaftlichen Mammutarbeit an einer Enzyklopädie mittels der von ihm entwickelten Wissenschaft der Psychohistorik - ein zentrales Motiv im Schaffen Asimovs - eine neue interstellare Zivilisation auf den Weg bringen. Entscheidende Elemente aus 2001 - Odyssee im Weltraum" lassen sich ausmachen, ein bisschen Krieg der Sterne" wird auch gespielt, hin und wieder fühlt man sich sogar erinnert an Loki", und ja, eine Verwandtschaft zu "Der Wüstenplanet" lässt sich auch nicht leugnen. Aber alles eben vereint unter einem epischen Atem, der einen großen Vision, die man für das Etablieren und Erzählen großer Serienwelten aufbringen muss. Als großer Pluspunkt lässt sich sogleich Lou Llobell ausmachen als mysteriöses Wunderkind Gaal, das, zumindest legt die erste Folge das nahe, eine Schlüsselrolle in den folgenden Ereignissen einnehmen wird. Llobell hat man bislang nur in Voyagers" gesehen, und sie spielt nicht nur inhaltlich eine ähnliche Rolle wie Timothée Chalamet als Paul Atreides in "Dune", eine unschuldige Figur, vor Schönheit strahlend und von Neugier getrieben, die das Geschehen nicht nur prägen, sondern auch vom Geschehen geprägt wird. Ihr will man gerne folgen in die Welt von "Foundation", auch wenn er zumindest am Anfang noch ein wenig dornig sein mag.

Thomas Schultze