Kino

KOMMENTAR: Ich bin dein Film

Der Film der Stunde ist Maria Schraders "Ich bin dein Mensch". Gerade wurde er als deutscher Beitrag ins Oscarrennen geschickt, für den Deutschen Filmpreis ist er aussichtsreich nominiert, wurde ausgezeichnet auf der Berlinale, von den Kritikern einhellig gelobt und auch vom Publikum auf Festivals gefeiert. Nur in den Kinos haben ihn die Zuschauer nicht so recht entdeckt.

23.09.2021 09:10 • von Barbara Schuster
Chefredakteur Ulrich Höcherl (Bild: BF)

Der Film der Stunde ist Maria Schraders Ich bin dein Mensch". Gerade wurde er als deutscher Beitrag ins Oscarrennen geschickt, für den Deutschen Filmpreis ist er aussichtsreich nominiert, wurde ausgezeichnet auf der Berlinale, von den Kritikern einhellig gelobt und auch vom Publikum auf Festivals gefeiert. Nur in den Kinos haben ihn die Zuschauer nicht so recht entdeckt. Dabei hat Maria Schraders so leichtfüßige wie tiefgründige Komödie eigentlich alles, was ein Arthouse-Publikum und seine Programmkinobetreiber begeistern müsste. Sie wirft einen klugen Blick auf das Geschlechterverhältnis und diese Gesellschaft und versteht sehr unterhaltsam ihre Pointen zu setzen. Und doch ist ihr im Kino noch nicht einmal eine sechsstellige Besucherschar vergönnt gewesen. Dabei ist sie - ganz solidarisch - pünktlich zur Wiedereröffnung der Kinos gestartet, die überraschend erfolgreich verlief, wie die Zahlen für Juli zeigen, und durfte auf dieselbe Solidarität der Kinobetreiber hoffen.

Nun teilt Schraders Komödie ihr Schicksal mit einer ganzen Reihe hochkarätiger und gelungener deutscher Produktionen, die auf Festivals erfolgreich liefen und in den Programmkinos fast übersehen wurden oder wenig Gelegenheit bekommen haben, ein Publikum, das sie nun in den weiteren Verwertungsstufen finden werden, zu erreichen. Daniel Brühls Nebenan", Dominik Grafs Fabian oder Der Gang vor die Hunde", gerade erst Christian Schwochows Je Suis Karl" oder auch Maria Speths Herr Bachmann und seine Klasse" sind rundum geglückte deutsche Kinofilme, die auch mit ihrem exklusiven Fenster ein gefundenes Fressen für Arthouse-Kinos - oder wegen ihres Crossover-Potenzials auch für Mainstreamkinos - sein müssten. Würden diese Filme nicht durch erhebliche Förderungsbeträge unterstützt und hätten sie nicht Garantien in den weiteren Verwertungsstufen erwirtschaften können, sie wären mit ihren Ergebnissen im Kino für ihre Produzenten und Verleiher ein kaum tragbares Risiko. Gerade diskutierte die Arthouse-Branche in Leipzig über das Erfordernis, ein Programm zu kuratieren und sein Publikum dafür zu gewinnen, damit diese Filmperlen in der Flut der Neustarts auch ihre faire Chance erhalten. Viele sorgen schon dafür, aber diese engagierten Kinobetreiber brauchen Verstärkung. Denn es ist das eine, Filme zu fordern, die sich im Kino auch vermarkten lassen, und das andere, wenn sie da sind, auch die Verantwortung zu erkennen, ihnen den erforderlichen Marktzutritt zu ermöglichen. Und diese viel beschworene kulturelle Verantwortung sollte schwerer wiegen als die Versuchung, auf möglichst vielen Programmkinoleinwänden auch noch den neuen Bond zu zeigen.