Produktion

Lars Kraume inszeniert Kolonialismus-Drama "Ein Platz an der Sonne" in Namibia

Die Hauptrolle in "Ein Platz an der Sonne" hat Leonard Scheicher übernommen, den Lars Kraume bereits in "Das schweigende Klassenzimmer" in Szene gesetzt hatte.

09.09.2021 13:04 • von Jochen Müller
Das Filmteam in den Kulissen der "Deutschen Kolonial-Ausstellung" (Bild: Anatol Kotte / Studiocanal)

Nach eigenem Drehbuch inszeniert Lars Kraume noch bis Mitte Oktober in Namibia das Anfang des 20. Jahrhunderts spielende Drama "Ein Platz an der Sonne".

Leonard Scheicher, mit dem Kraume bereits bei Das schweigende Klassenzimmer" zusammen gearbeitet hatte, spielt den jungen Ethnologen Alexander Hoffmann, der Ende des 19. Jahrhunderts an der Friedrich-Wilhelms-Universität seinen Doktor macht. Im Zuge der "Deutschen-Kolonial-Ausstellung" kommt eine Abordnung von Herero und Nama aus der Kolonie Deutsch-Südwestafrika nach Berlin. Hoffmann lernt deren Dolmetscherin Kezia Kambazembi (Girley Charlene Jazama) kennen. Er beginnt, sich für die Geschichte der Herero und Nama zu interessieren und widerspricht nach zahlreichen Gesprächen und Begegnungen mit ihnen der im Kaiserreich gängigen Rassentheorie. Nach dem Aufstand der Herero und Nama gegen die Kolonialherren bricht in Deutsch-Südwestafrika ein Krieg aus und Hoffmann wird nach Afrika entsandt. Dort soll er eigentlich für das Berliner Völkerkundemuseum zurückgelassene Artefakte und Kunstgegenstände sammeln, doch tatsächlich sucht er dort weiter nach Beweisen für seine Haltung gegen die Rassentheorie - und nach Kezia. Dabei wird er Zeuge der unmenschlichen Kriegsführung der deutschen Soldaten, überschreitet aber auch selbst moralische Grenzen, als er sich bereit erklärt, seinem von Peter Simonischek gespielten Berliner Professor Schädel und Skelette toter Herero zu Forschungszwecken zu schicken.

"Der Kolonialismus ist eines der größten ungesühnten Verbrechen der Menschheitsgeschichte. Dieser Film ist für ein Publikum, das das Vergessen überwinden will", sagt Regisseur Lars Kraume über das Projekt und Produzent Thomas Rufus , der selbst das Drehbuch verfasst hat. "Auch in Namibia, das erst 1990 die Unabhängigkeit erlangt hat, ist der Völkermord noch immer eine offene Wunde", ergänzt Produzent Thomas Kufus (zero one film) die Bedeutung des Projektes.

"Ein Platz an der Sonne", bei dem neben der Herero-Schauspielerin Girley Charlene Jazama rund 60 weitere Angehörige der Herero und Nama vor der Kamera stehen, wird von zero one film in Koproduktion mit Studiocanal und ZDF/Arte sowie Akzente Film produziert. Fördermittel gab es vom Medienboard Berlin-Brandenburg, der Film- und Medienstiftung NRW, der Moin Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, der BKM und dem DFFF.