Kino

"PCR-Test wäre immense Hürde gewesen"

Seit 16. August gilt in Baden-Württemberg für Kinobesuche die 3G-Nachweispflicht. In den Innenstadtkinos Stuttgart wurden bereits zuvor Erfahrungen gesammelt - wir sprachen mit der Marketingverantwortlichen Margarete Söhner.

16.08.2021 10:49 • von Marc Mensch
Margarete Söhner, Marketingverantwortliche bei den Innenstadtkinos Stuttgart (Bild: Duncan Smith)

Seit dem heutigen 16. August gilt in Baden-Württemberg für Kinobesuche grundsätzlich eine 3G-Nachweispflicht. Wer nicht zweifach geimpft, genesen (oder Schüler) ist, muss für einen Kinobesuch demnach einen negativen Test vorlegen. Welcher Art dieser in welcher Konstellation zu sein hat, hatte nach ersten Angaben des Sozialministeriums zunächst für Unsicherheit gesorgt - zumal die neue Verordnung wesentliche Punkte nicht klar adressiert, sondern auf Hygienekonzepte verweist.

Kinobetreibern zufolge ist die jüngste Klarstellung der Landesregierung aber so zu verstehen, dass der Antigen-Schnelltest grundsätzlich ausreicht - auch bei Vollauslastung von Sälen. Bislang war ein Testnachweis Ungeimpfter optional und konnte vom Kino gewählt werden, um Vorstellungen besser auslasten zu können, als dies unter den ansonsten geltenden Abstandsregeln möglich gewesen wäre.

Unter anderem die Innenstadtkinos Stuttgart hatten diese Möglichkeit bereits regelmäßig genutzt - wir sprachen mit der Marketingverantwortlichen Margarete Söhner über die Erfahrungen vor Ort.

BLICKPUNKT: FILM: EM, Cinema und Gloria zählen zu den wenigen Häusern, in denen bislang der optionale 3G-Nachweis genutzt wurde, um Säle besser auslasten zu können. Hat sich das gelohnt?

MARGARETE SÖHNER: Unter dem Strich auf jeden Fall. Allerdings muss man es differenziert betrachten. Wir sprechen von Sälen zwischen knapp 40 und rund 460 Plätzen - und gerade in den kleineren Auditorien hätten wir vor allem am Wochenende etliche Besucher wegschicken müssen, wenn wir so nicht wenigstens die 50-prozentige Auslastung hätten ermöglichen können. Unter der Woche hing es stark von den einzelnen Filmen ab. Zum Start von Black Widow" und Fast & Furious 9" haben wir die Option abends durchgehend genutzt. Darüber hinaus hätten wir uns an nachfrageschwachen Tagen nur unnötige Hürden aufgebaut und Gäste verprellt. Sinnvoll nutzen konnten wir Nachweise also explizit wegen der Wahlmöglichkeit.

BF: Wie haben die Gäste auf die Nachweispflicht reagiert?

SÖHNER: Ganz unterschiedlich, wie ja auch die Meinungen zu den Corona-Maßnahmen grundsätzlich gespalten sind. Zum Teil natürlich durchaus irritiert und kritisch. Es wurde schließlich nicht einfacher dadurch, dass die Kultur quasi der einzige Bereich war, in dem Tests eine Rolle spielten, weswegen auch die Testkapazitäten ausgedünnt waren. Ebenso ist man uns aber auch wohlwollend begegnet, wenn wir erklären konnten, warum es eine wirtschaftliche Notwendigkeit ist, die Option zu nutzen. Es gab aufgrund der Nachweispflicht eine ganze Reihe Stornierungen, das lässt sich nicht leugnen. Aber wie gesagt: Unter dem Strich lohnte es sich.

BF: Wie aufwändig war das Prozedere?

SÖHNER: Das ist ein kritischer Punkt. Gerade zu den Stoßzeiten war es eine Herausforderung, Vorstellungen pünktlich zu starten. Man scannt ja bis zu drei Mal - das Ticket, den Nachweis, die Luca-App, das verdoppelt den Zeitaufwand am Einlass locker und verlangt auch den Gästen Geduld ab. Jetzt könnte man sagen: 'Dann stellt mehr Personal ein!' Aber abgesehen vom finanziellen Aspekt - Sie kennen sicherlich die derzeitige Personalsituation in Brachen wie Kino oder Gastro...

BF: Ist es zumindest von Vorteil, dass die Testpflicht nun breiter angelegt wird?

SÖHNER: Im Prinzip schon, denn es senkt die Hürde, sich testen zu lassen, wenn das die "Eintrittskarte" für diverse Örtlichkeiten ist. Was für uns zunächst unklar blieb, war die Frage, ob fürs Kino ein Antigen-Schnelltest reicht - zum Glück wurde dies kurzfristig klargestellt. Ein PCR-Test wäre eine immense Hürde und eine massive Schlechterstellung gegenüber der Gastronomie gewesen, für die mir jegliches Verständnis gefehlt hätte. Denn der PCR-Test an sich ist nicht nur unangenehmer, sondern benötigt für die Auswertung erheblichen Vorlauf. Für einen Kinobesuch wäre das eine Wahnsinnshürde.

BF: Wie problematisch ist die kommende Kostenpflichtigkeit von Tests?

SÖHNER: Dass sie uns das Geschäft nur weiter erschwert, liegt auf der Hand. Wie sehr, hängt dann auch vom Anteil der Kinogänger ab, die bis dahin noch nicht geimpft sind; aktuell würde ich ihn für unsere Häuser auf 40 Prozent schätzen. Eine PCR-Testpflicht jedenfalls würden wir in jeglicher Konstellation für eine enorme Herausforderung und im Zusammenspiel mit Kostenpflichtigkeit für extrem bedenklich halten. Gerade angesichts der Sicherheit der Kinos.

Das Gespräch führte Marc Mensch