Kino

Marktforschung: Kino nach Corona - Teil 7

Seit gut einem Monat spielen die meisten deutschen Kinos wieder - mit ansehnlichen Resultaten. Auch beim Feedback der Besucher, wie die aktuelle Studie von S&L Research zeigt.

09.08.2021 16:20 • von Marc Mensch
S&L zeichnet ein Stimmungsbild rund einen Monat nach der bundesweiten Wiedereröffnung der Kinos (Bild: S&L Research)

Zum nunmehr siebten Mal seit dem Beginn der Corona-Krise im Frühjahr 2020 hat S&L Research mittels einer Online-Umfrage ein aktuelles Stimmungsbild der Kinobesucher erstellt. Dies in einer Zeit, in der die meisten Kinos seit rund einem Monat (unter teils sehr unterschiedlichen Bedingungen) wieder spielen.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Besucher, die bereits wieder im Kino gewesen sind, in den allermeisten Fällen eine positive Erfahrung gemacht haben und sich dort auch sicher gefühlt haben. Aber es zeigt sich auch, dass die Zuschauer - auch jene mit Impfung - weiter Vorsicht walten lassen und unter anderem Wert auf Abstand legen. Insbesondere ältere Kinobesucher zeigen sich zum Teil sogar noch abwartend.

Aktuell geben 32 Prozent der befragten Kinogänger an, seit dem zweiten Lockdown bereits wieder im Kino gewesen zu sein. Wie auch im vergangenen Jahr nach dem ersten Lockdown sind es insbesondere die jüngeren Kinogänger, welche zu den frühen "Rückkehrern" gehören: von den 16- bis 19-Jährigen geben 46 Prozent an, bereits wieder im Kino gewesen zu sein, bei den 20- bis 29-Jährigen sind es 32 Prozent, bei den 30- bis 39-Jährigen 33 Prozent, aber bei den Befragten über 40 Jahren nur 26 Prozent, also nur rund jeder Vierte. Auffällig ist diesmal, dass von den Männern 35 Prozent schon wieder ein Kino besucht haben, von den Frauen aber nur 29 Prozent. Geschuldet ist dieses Verhältnis wohl nicht zuletzt dem aktuellen Angebot, mit Fast & Furious 9" und Black Widow" lassen beispielsweise zwei der drei besucherstärksten Titel einen deutlich höheren Männeranteil im Publikum beobachten. Interessanterweise ist der Anteil der bereits "Zurückgekehrten" unter den vollständig Geimpften mit 33 Prozent nur minimal höher als im Gesamtschnitt. Lediglich bei den Befragten über 40 korrespondiert die vollständige Impfung mit einer etwas deutlich höheren Rückkehrquote von 29 vs. 26 Prozent.

Weiterhin auf einem extrem niedrigen Niveau von drei Prozent ist der Anteil der (früheren) Kinogänger, die für die Zukunft ausschließen, wieder vor die Leinwand zurückzukehren. Von den Befragten, die noch nicht wieder ein Kino besucht haben, planen zwei Drittel eine Rückkehr innerhalb der nächsten zwei Monate. Auch hier zeigt sich, dass insbesondere die älteren Kinogänger noch zurückhaltender sind - in der Altersgruppe ab 40 Jahren liegt der entsprechende Anteil nur bei 57 Prozent.

Der (in einer offenen Frage abgefragte) Hauptgrund für ausgebliebene Kinobesuche überrascht womöglich: Nur 18 Prozent derjenigen, die bislang auf die Kinorückkehr verzichteten, taten dies aufgrund von Bedenken wegen Corona, 19 Prozent wiederum, weil sie noch keine Zeit fanden. Ganze 26 Prozent aber gaben an, dass "keine interessanten Filme laufen".

Ganz und gar nicht überraschend ist in diesem Kontext: Während insgesamt 17 Prozent aller Kinogänger angaben, recht genau zu wissen, was in den kommenden Monaten im Kino startet, liegt der Wert bei jenen, die noch nicht wieder im Kino waren, nur bei elf Prozent. 35 Prozent aller Kinogänger haben zumindest eine ungefähre Vorstellung davon, welche Filme demnächst anlaufen, unter jenen, die noch nicht wieder im Kino waren, gaben dies nur 31 Prozent an. Dennoch hat sich der Informationsstand über die kommenden Kinostarts im Vergleich zur letzten Befragung im Juni sehr deutlich verbessert: Damals wussten nur neun Prozent der Befragten recht genau, was in den kommenden Monaten im Kino zu erwarten ist (jetzt 17 Prozent), 20 Prozent hatten eine ungefähre Vorstellung (jetzt 35 Prozent), 39 Prozent (jetzt 34 Prozent) wussten nur von einigen wenigen großen Titeln und ganze 32 Prozent hatten gar keine Vorstellung davon, was in den kommenden Monaten im Kino starten wird. Hier sind es aktuell nur noch 14 Prozent. Auch zeigten sich nun drei Viertel der Befragten darüber informiert, dass ihr Lieblingskino wieder geöffnet hat. Die hauptsächlichen Quellen für diese Information waren die Website der Kinos (51 Prozent), soziale Netzwerke (30 Prozent) und allgemein das Internet (29 Prozent).

Aber setzen wir nun den Fokus auf die Teilnehmer der Befragung, die zwischenzeitlich schon wieder im Kino gewesen sind - diese lassen ein durchweg positives Feedback beobachten: In einer offen gestellten Frage gaben 46 Prozent der Kinogänger an, dass ihnen der Besuch gut gefallen hat bzw. dass es ein tolles Erlebnis war (was bei einer offenen Frage nicht heißt, dass 54 Prozent dies zwangsweise anders empfunden haben, s.u.), immerhin 15 Prozent fanden den Besuch "wie immer", konnten also offenbar keine Auflagen-bedingten Einschränkungen empfinden. Neun Prozent der Kinorückkehrer merkten an, dass bei ihrem Besuch vergleichsweise wenig los war, acht Prozent hat es gut gefallen, dass der Kinosaal aufgrund der Kapazitätsbeschränkungen nicht so voll war.

Unter dem Strich stimmten kaum zu toppende 92 Prozent der bereits wieder im Kino gewesenen Teilnehmer bei einer weiteren Frage der Aussage zu, dass sie während des Kinobesuchs ein gutes Gefühl hatten - im Juni lag dieser Wert bei 87 Prozent. Besonders hervorzuheben sind hier die über 40-Jährigen, bei denen dieser Wert sogar 95 Prozent erreicht. Dementsprechend bleibt zu hoffen, dass diese Befragten anderen Personen ihrer Altersklasse von diesen guten Erfahrungen berichten, damit auch in dieser Zielgruppe bald höhere Besucherzahlen registriert werden können.

Insgesamt können die Kinos ihren Besuchern ein hohes Sicherheitsgefühl vermitteln: Auf einer Schulnotenskala vergaben bei der Frage, wie sicher sie sich hinsichtlich einer Ansteckung mit dem Coronavirus gefühlt haben, 55 Prozent der Kinogänger die Note 1, 30 Prozent die Note 2. Im September 2020 hatten diese Werte bei 45 bzw. 43 Prozent gelegen.

Ein weiterer Frageblock drehte sich um das Thema der Akzeptanz der Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen: Hier hat sich das Gesamtbild gegenüber dem September 2020 kaum geändert. 87 Prozent der befragten Besucher empfinden die Vorschriften als ausreichend, acht Prozent bezeichneten sie als "übertrieben" - und nur fünf Prozent erachten sie als "unzureichend". Die große Mehrheit der Kinobesucher (82 Prozent) informiert sich im Vorfeld über die jeweiligen Hygienevorschriften.

Hinsichtlich dieser lässt sich indes - wenngleich in überschaubarem Umfang - mittlerweile ein gewisser Überdruss feststellen. Gaben im Juni 2020 noch sieben Prozent der befragten Kinogänger an, dass die bestehenden Restriktionen ihr Erlebnis negativ beeinflussten, waren es diesmal 13 Prozent. Auch das Thema Mund- und Nasenschutz wird zunehmend kritischer gesehen: Gaben im Juni dieses Jahres noch 49 Prozent der Befragten an, bei einer entsprechenden Pflicht im Saal "eher nicht" ins Kino gehen zu wollen, stieg dieser Wert zuletzt auf 53 Prozent. Umgekehrt sehen nur noch neun Prozent das Fehlen einer solchen Pflicht als Hinderungsgrund, im Juni waren es noch elf Prozent.

Grundsätzlich lässt sich feststellen: 60 Prozent der Kinogänger haben in der S&L-Befragung angegeben, bereits vollständig geimpft zu sein. Von den aktuell Nicht-Geimpften waren zum Zeitpunkt der Umfrage knapp zwei Drittel bereit, zum Kinobesuch einen negativen Test mitzubringen - allerdings erfolgte die Befragung, bevor die Debatte um die Abschaffung kostenloser Testmöglichkeiten Fahrt aufnahm. Unter dem Strich verbleiben rund 15 Prozent an Befragten, die zum Zeitpunkt der Umfrage weder geimpft noch willens waren, sich für einen Kinobesuch testen zu lassen.

Den Befragten, die aus einem Bundesland kommen, in dem im Befragungszeitraum regelmäßig ein 3G-Nachweis für einen Kinobesuch notwendig war (Berlin, Hamburg, Hessen), wurden einige zusätzliche Fragen zu ihrem Umgang mit dieser Auflage gestellt - und 14 Prozent von Ihnen gaben an, deshalb aktuell auf einen Kinobesuch zu verzichten. Ganze 40 Prozent von Ihnen verneinten allerdings auch die Aussage, diese Auflage habe keinen Einfluss darauf, wann und wie oft sie ins Kino gingen. Dennoch: Bundesweit hatten bei der letzten Befragung im Juni noch 26 Prozent der Teilnehmer erklärt, eher auf einen Kinobesuch verzichten zu wollen, als einen Negativtest vorzulegen, im März hatte der Wert sogar bei 32 Prozent gelegen. Die Maßnahme trifft also auf höhere Akzeptanz, als zunächst erwartet, kostet aber dennoch Besucher. Das Dilemma: Ganze 71 Prozent der Befragten aus den drei Bundesländern begrüßen die Auflage, da sie sich dadurch sicherer fühlen.

Ein sensibles Thema bleibt auch der Mindestabstand, der für viele Kinobesucher laut der Umfrage derzeit noch wichtig ist - so wichtig, dass ihn 56 Prozent der Teilnehmer auch bei einer 3G-Nachweispflicht für alle Besucher beibehalten sehen wollen. Nur 18 Prozent gaben an, bereit zu sein, sich wieder näher an andere Personen zu setzen, wenn alle einen 3G-Nachweis vorlegen müssen, weiteren 18 Prozent wäre die Einhaltung eines Mindestabstands wichtiger als der 3G-Nachweis.

Raum war auch bei dieser Befragung für die Thematik der Day&Date-Starts. 68 Prozent der Umfrageteilnehmer war bekannt, dass zahlreiche Kinos Filme aufgrund einer zeitgleichen oder vorzeitigen Online-Veröffentlichung nicht in ihre Programme aufgenommen haben, für 28 Prozent betraf dies einen Film, den sie eigentlich im Kino sehen wollten. Ein gutes Drittel dieser Befragten wich auf die Online-Sichtung aus, 14 Prozent suchten ein anderes Haus als ihr Lieblingskino auf - aber jeder zweite der Betroffenen gab an, einen Film aus diesem Grund (bislang) gar nicht gesehen zu haben.

Zum Abschluss wurden die Befragten erneut gebeten, den Zeitpunkt anzugeben, ab dem ihrer Meinung nach das Leben wieder relativ normal verlaufen wird. Während im Juni noch gut 15 Prozent der Befragten mit einer Rückkehr zur Normalität noch in diesem Jahr rechneten, sind es jetzt keine fünf Prozent mehr - die steigenden Inzidenzen in Deutschland und die Signale aus anderen Ländern haben die Aussicht anscheinend wieder deutlich eingetrübt. Vier Prozent (11 Prozent im Juni 2021) gehen davon aus, dass im Winter 2021/22 wieder Normalität einkehrt, 20 bzw. 26 Prozent rechnen im Frühjahr bzw. im Sommer 2022 damit, dass die Pandemie überwunden ist - im Juni lagen diese Werte noch bei 25 bzw. 17 Prozent. Mittlerweile gehen 16 Prozent (zehn Prozent im Juni) von einem Zeitpunkt später als Sommer 2022 aus und 31 Prozent (21 Prozent im Juni) glauben, dass unser Leben nie wieder so sein wird, wie wir es von vor der Pandemie kennen.

Autorin: Gaby Hardt-Voss/MM

Zur Methodik:

Die siebte Umfrage zur Studien-Reihe "Kino nach Corona" wurde von S&L Research vom 23. bis 28. Juli über www.moviepanel.de durchgeführt. 877 deutsche Kinogänger ab 16 Jahren nahmen an dieser Umfrage teil, die Zusammensetzung des Samples orientierte sich erneut an der des deutschen Kinopublikums. S&L Research ist der Geschäftsbereich der Weischer Cinema Operations GmbH, der sich seit 2003 mit dem Thema Film- und Kinomarktforschung beschäftigt. Wenn Sie Interesse an weiteren Ergebnissen haben, kontaktieren Sie bitte slresearch@weischer.net.