Kino

Kino-Neustart: Bestwerte!

Mit den höchsten Besucherzahlen seit dem ersten Lockdown hat der deutsche Kinomarkt das erste August-Wochenende abgeschlossen. Dafür, dass es weiter nach oben ging, war die gute Entwicklung vieler Bestandstitel ebenso verantwortlich wie die beiden großen Neustarts. In Österreich konnte sich der Markt hingegen nicht weiterentwickeln; in den Niederlanden ging es leicht abwärts - die Zahlen blieben dort dennoch auf einem hohen Niveau.

09.08.2021 14:54 • von Marc Mensch
Teils strenge Corona-Auflagen und Kapazitätsbeschränkungen hielten "Kaiserschmarrndrama" nicht davon ab, das erfolgreichste Debüt der Reihe hinzulegen (Bild: Constantin)

Wie bereits vergangene Woche in dieser Rubrik hoffnungsvoll prognostiziert, konnte der deutsche Kinomarkt am ersten August-Wochenende zu zehnstelligen Umsätzen zurückkehren. Und nicht nur das: Mit 1.290.795 Besuchern und 11.150.276 Euro Umsatz bilanziert Comscore in seiner montäglichen Filmsource-Auswertung die bislang besten Ergebnisse dieses Jahres - und damit die besten Ergebnisse seit dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020. Gegenüber dem Vorwochenende stiegen die Besucherzahlen um 12,5 Prozent, die Umsätze um 14,3 Prozent. Erfasst wurden im Rahmen dieser Auswertung Zahlen aus insgesamt 1074 Standorten, darunter 1010 wiedereröffnete regulären Kinos (80 Prozent der regulären Häuser).

Verantwortlich für die positive Entwicklung waren vor allem zwei Faktoren Da wären zum einen die beiden großen Neustarts: The Suicide Squad" debütierte mit gut 162.000 Zuschauern (ohne Previews) auf Platz 2 - und Kaiserschmarrndrama" gelang auch dank eines erstmals bundesweiten Starts tatsächlich das beste Wochenendergebnis der Erfolgsreihe. Gerade auch in Anbetracht der diversen Restriktionen eine herausragende Leistung. Gut 218.000 Besucher ohne Previews weist Comscore in der Filmsource-Auswertung aus, der direkte Vorgänger Leberkäsjunkie" hatte es unter regulären Bedingungen am Startwochenende ohne Previews auf gut 203.000 Besucher gebracht.

Zum anderen aber - und dies hebt den deutschen Markt aktuell recht deutlich von den USA ab - zeigten die Bestandstitel quasi durch die Bank eine erfreuliche Entwicklung. Innerhalb der Top 20 war Fast & Furious 9" der einzige Titel mit einem Besucherminus von über 30 Prozent, allerdings hatte sich der Film in den Wochen nach dem Start hierzulande unter dem Strich erheblich stabiler gezeigt als in den USA. Mittlerweile steht er kurz davor, Tenet" in Deutschland als besucherstärksten Neustart in Pandemiezeiten abzulösen. Am stärksten innerhalb der Top 20 entwickelte sich Die Olchis - Willkommen in Schmuddelfing", der tatsächlich um 3,6 Prozent zulegte. Die Croods - Alles auf Anfang" gab wiederum nur wenige Besucher ab und verzeichnete lediglich ein Minus von 9,5 Prozent. Nur wenig mehr war es bei "Peter Hase 2" (minus 10,9 Prozent) und Space Jam: A New Legacy" (minus 11,6 Prozent). Aber nicht nur Familientitel blieben deutlich stabiler, als man es aktuell in den USA beobachten kann: Cash Truck" beispielsweise büßte nur um 18 Prozent ein. Das Kunststück der Vorwoche, mehr als jeweils 50.000 Besucher für sämtliche Top-Ten-Titel zu haben, ließ sich zwar (sehr knapp) nicht wiederholen, aber insgesamt 17 Filme über der Marke von 25.000 zu sehen, ist auch nicht schlecht...

Dass sich die Bestandstitel trotz der Kapazitätsbeschränkungen so gut halten konnten, liegt indes wohl auch daran, dass nur zwei Debütanten der Sprung in die Top Ten und nur zwei weiteren jener in die Top 20 gelang. Und weder "Kaiserschmarrndrama" noch "The Suicide Squad" waren an diesem Wochenende mit 488 bzw. 484 Locations die am breitesten ausgewerteten Filme - hier führte innerhalb der Top 10 Ostwind - Der große Orkan" mit 650 Locations vor "Die Croods - Alles auf Anfang" mit 584 und "Fast & Furious 9" mit 554.

So reichte es unter dem Strich trotz der absolut erfreulichen Entwicklung (allerdings erwartungsgemäß) nicht dafür, den deutschen Markt auf das Niveau der ganz entscheidenden Benchmark zu heben: dem mittleren Ergebnis aus den fünf Jahren vor der Pandemie. Den wiedereröffneten regulären Kinos fehlten hierzu noch 15 Prozent nach Besuchern und 17 Prozent nach Umsatz, im Gesamtmarkt betrug die Lücke noch 19 bzw. 20 Prozent. Dass die untere Benchmark des "schlechtesten Wochenendes" natürlich erneut um über 200 Prozent übersprungen wurde, soll nicht unerwähnt bleiben.

Wann aber könnte die zweit große Hürde auch in Deutschland genommen werden? Geht es nach der Prognose von Comscore-Partner Gower Street Analytics, werden die Kinos dafür wenigstens auf das Ende des dritten Quartals, genauer gesagt das Wochenende vom 30. September, warten müssen, wenn Keine Zeit zu sterben" anläuft. Selbstverständlich basiert diese Prognose auf den aktuellen Rahmenbedingungen (die sich im Zuge der für morgen anstehenden Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz deutlich verschlechtern könnten) und den aktuellen Startlisten. Insbesondere die Situation in den USA lässt befürchten, dass der eine oder andere Titel womöglich doch noch einmal von seinem Termin abrücken könnte.

Der österreichische Markt konnte sich unterdessen nicht weiterentwickeln und verharrte mit Umsätzen in Höhe von 1.371.203 Euro und 137.968 Besuchern quasi auf dem Niveau der Vorwoche, zum mittleren Wochenende fehlten dem dortigen Gesamtmarkt 23 Prozent nach Besuchern und 17 Prozent nach Umsatz.

In den Niederlanden sinken die Inzidenzen - und zuletzt leider auch die Besucher- und Umsatzzahlen, wenngleich nur um jeweils sieben Prozent. Entscheidend ist aber: Mit 4.330.522 Euro Boxoffice und 432.192 Besuchern lag der niederländische Gesamtmarkt (obwohl die Bilanz nur 191 wiedereröffnete Kinos erfasst, was einer Öffnungsquote von 82 Prozent entspräche) einmal mehr über dem "mittleren Wochenende" - um sechs Prozent nach Besuchern und sogar um 24 Prozent nach Boxoffice. Vorsorglich sei aber einmal mehr betont: Gerade in den Niederlanden klafft die Schere zwischen dem schwächsten und einem mittleren Vergleichswochenende nicht ganz so weit auseinander wie in Deutschland.

Für das kommende Wochenende zählt Comscore 16 Neustarts.