Kino

"Auf der sicheren Seite"

Als erster großer Präsenzveranstaltung für die Kinos seit Herbst 2020 kommt der Filmmesse Köln in diesem Jahr besondere Bedeutung zu. Wir sprachen mit dem Organisator über die Herausforderung, aktuell ein solches Event zu planen.

05.08.2021 12:09 • von Marc Mensch
Martin Molgedey bei der Filmmesse 2019 (Bild: Dirk Dobiey)

Seit 20. Juli läuft die Anmeldefrist für die diesjährige Filmmesse Köln im Cinedom - den ersten großen Präsenz-Branchentreff in Deutschland seit dem Herbst 2020. Wir sprachen mit Organisator und MMmedia-Geschäftsführer Martin Molgedey über die Besonderheiten einer Veranstaltung im zweiten Pandemiejahr. Weitere Informationen finden Sie unter www.filmmesse2021.de.

BLICKPUNKT: FILM: Zunächst einmal: Wie geht es Ihnen und Ihrem Unternehmen, wie sind Sie durch die Krise gekommen?

MARTIN MOLGEDEY: Ehrlich gesagt will ich mich mit dem, was in der Vergangenheit liegt, gedanklich nur noch so wenig wie möglich beschäftigen. Ich denke, wir Alle haben in den zurückliegenden Monaten negative Erfahrungen gemacht, sind Alle auf die Probe gestellt worden. Jetzt arbeiten wir uns Schritt für Schritt aus der Krise heraus - und das gelingt vor allem dann, wenn wir klar nach vorne schauen. So möchte ich das auch halten.

BF: Lassen die Kinozahlen der ersten Wochen Ihrer Ansicht nach darauf schließen, dass die Branche mit Optimismus nach vorne blicken kann?

MOLGEDEY: Ich denke doch. Natürlich ist noch viel in Bewegung, natürlich ist es noch alles andere als einfach - zumal manche Leute ihre Angst erst wieder ablegen müssen. Aber die Branche hat es nach und nach wieder stärker selbst in der Hand, zu tun, was nötig ist. Der Austausch ist da unverzichtbar - nicht umsonst stehen praktisch alle Gespräche, die aktuell führe, unter dem Vorzeichen der kollektiven Vorfreude darauf, sich in Köln endlich wieder begegnen und persönlich miteinander sprechen zu können.

BF: Welche Faktoren haben zur Wahl des Termins im September geführt?

MOLGEDEY: Im Zentrum der Terminfindung steht natürlich die Frage: Was können unsere Partner den Kinobetreibern präsentieren? Und da gab letztlich das Timing der auf Ende August verschobenen US-Leitmesse CinemaCon den Ausschlag. Bekanntermaßen erstellen die Studios Material gezielt für diese Messe, um es danach auch für andere Territorien zur Verfügung zu stellen, ähnlich verhält es sich mit der CineEurope. Jetzt sind wir in der besonderen Situation, dass die CineEurope tatsächlich erst nach uns stattfindet - und dass, sollte sich die Situation nicht noch ändern, Branchenvertreter aus dem Schengenraum wegen des Einreiseverbots der USA per se daran gehindert sind, an der CinemaCon teilzunehmen. Das macht die Präsentationen in Köln umso wichtiger. Dass es nicht Anfang, sondern leider Mitte September wurde, war dann am Ende anderen Großveranstaltungen geschuldet, zu denen wir die Filmmesse parallel nicht sinnvoll hätten abhalten können. In diesem Zusammenhang gilt mein ganz besonderer Dank auch den Organisatoren der Filmkunstmesse Leipzig, die bekanntermaßen direkt in der Woche nach unserer Veranstaltung stattfindet. Denn selbstverständlich ist das eine unglückliche - und wie ich noch einmal betonen möchte, absolut einmalige - Ausnahmesituation. Aber man hat seitens der AG Kino-Gilde letztlich Verständnis für unsere Lage aufgebracht. Wir hatten uns vor der Entscheidung natürlich auch mit den Verleihern und weiteren Partnern abgestimmt und sind zu der Überzeugung gelangt, dass die einmalige zeitliche Nähe keiner der beiden Veranstaltungen schadet. Dazu sind die Leute nach den monatelangen Lockdowns viel zu dankbar für jede Gelegenheit, wieder zusammenzukommen.

BF: Von welcher Genehmigungslage ist man bei der Planung der Veranstaltung ausgegangen - und wie flexibel kann man gegebenenfalls reagieren?

MOLGEDEY: Das ist natürlich der absolute Knackpunkt, denn Monate im Voraus mit Sicherheit vorhersagen zu können, welche Rahmenbedingungen gelten werden, ist immer noch ein Ding der Unmöglichkeit. Aktuell warten wir ja nun wieder alle gespannt auf das, was im Rahmen der Ministerpräsidentenkonferenz am 10. August beschlossen wird... Das müssen wir zunächst abwarten! Wir mussten von Anfang an also eher konservativ planen, sicherstellen, dass wir jegliche Auflage würden erfüllen können. Stand heute ließe sich die Filmmesse mit weniger Einschränkungen umsetzen, als es unser Konzept vorsieht. Aber wir können uns leider nicht darauf verlassen, dass es bis Mitte September nicht doch wieder zu Verschärfungen kommt. Entscheidend ist für mich, unsere Vorkehrungen schon im Vorfeld klar und proaktiv zu kommunizieren, um niemanden vor den Kopf zu stoßen.

BF: Von welchen Vorkehrungen sprechen wir?

MOLGEDEY: Zuallererst davon, dass wir die Zahl der Teilnehmer dieses Jahr auf maximal 1000 begrenzen und wir den Nachweis einer vollständigen Impfung, Genesung oder eines negativen tagesaktuellen Tests benötigen - wobei ich davon ausgehe, dass der Löwenanteil der Teilnehmer bis dahin durchgeimpft sein wird. Darüber hinaus werden wir sehr genau auf Details achten, was Hygienemaßnahmen betrifft. Unsere Sponsoren sind zwar vor Ort und stehen natürlich für persönliche Termine zur Verfügung, werden aber keine Stände im Foyer aufbauen können, weil wir den Platz einfach benötigen, um Abstände wahren zu können. Statt eines Zeltes auf dem Vorplatz werden wir noch viel mehr Stehtische aufstellen, um auch an dieser Stelle zu entzerren, möglicherweise buchen wir neben dem Hans im Glück noch ein weiteres Lokal dazu. Ganz wichtig ist: Tickets werden nicht mehr am Counter ausgegeben, sondern nach Anmeldung und Begleichung der Rechnung von uns übersandt, damit wir an dieser Stelle völlig kontaktlos agieren können und keinerlei Warteschlangen am Eröffnungstag haben. Deshalb sollte man nicht bis zur letzten Minute mit der Anmeldung warten. Auch die Goodie-Bags - die es natürlich wieder für alle Akkreditierten geben wird - händigen wir diesmal nicht vor Ort aus, sondern schicken sie nach Hause oder ins Büro. Ansonsten prüfen wir noch, an welchen Stellen wir noch weiter entzerren können. Für die Präsentationen sind schon jetzt Simultanübertragungen aus einem in zwei weitere Säle vorgesehen, Tammo Buhren von zweiB prüft noch, was eventuell noch on top möglich ist. Hervorheben möchte ich in diesem Zusammenhang noch die sehr gute Zusammenarbeit mit dem Cinedom unter Holger Pfaff. Ansonsten stehen wir in engem Austausch mit den Behörden vor Ort und werden selbstverständlich alle Auflagen umsetzen. Mit unseren Planungen sollten wir aber schon jetzt auf der absolut sicheren Seite sein.

BF: Das bedeutet aber auch: Keine Party?

MOLGEDEY: Ich kann natürlich nicht sagen, was das eine oder andere Unternehmen im kleineren Rahmen vorhat, aber auf die große Sause müssen wir zu meinem Bedauern diesmal leider verzichten. Das ist unendlich schade, aber leider der Preis dafür, die Filmmesse überhaupt planen zu können. Was wir aber bereits unter Dach und Fach haben, sind zwei wirklich hochkarätige Screenings am Dienstag- und Mittwochabend. Warner wird als ganz besonderes Highlight allen Teilnehmern "Dune" zeigen. Außerdem gibt es eventuell noch einen Überraschungskracher, wenn alles so läuft wie geplant. Hundertprozentige Sicherheit geben die Umstände ja leider noch nicht her.

BF: Die großen Verleiher jedenfalls nehmen die Chance, endlich wieder vor Ort präsentieren zu können, offenbar dankbar an...

MOLGEDEY: Absolut, sie sind alle wieder dabei! Wir haben jetzt insgesamt 12 Verleihpräsentationen; wie viele Screenings es werden, kann ich derzeit leider noch nicht sagen, da wir das traditionell immer sehr kurzfristig finalisieren. Gut ein Dutzend Filme sind bislang bestätigt, aber das ist durchaus noch nicht der Endstand. Erwähnen sollte man noch, dass Dominik Porschen die Präsentationen wieder anmoderieren wird, was der Veranstaltung ja schon in den vergangenen Jahren noch einmal zusätzlich Schwung verliehen hat. Und dass wir den Sponsoren quasi als Ausgleich für die fehlenden Stände auch die Gelegenheit geben, in kurzen Slots Neuigkeiten mit der Branche zu teilen. Hinweisen möchte ich noch darauf, dass der HDF am Dienstag im Cinedom seine Mitgliederversammlung abhält.

BF: Die Anmeldefrist ist am 20. Juli gestartet, was lässt sich bereits über den Zuspruch sagen?

MOLGEDEY: Er ist einfach großartig. Wir sind mit den Anmeldungen auf einem ebenso guten Weg wie in den Jahren vor Corona - und das Feedback, das wir schon jetzt erhalten, ist einfach wunderbar. Die Leute sind geradezu dankbar dafür, dass wir wieder am Start sind. Ich spüre tatsächlich ein wenig Aufbruchstimmung - und damit wären wir wieder am Anfang: Wir sollten vor allem in die Zukunft blicken, uns darüber unterhalten, wie wir weiter erfolgreich Kino machen können. In Köln können wir das gemeinsam tun. Endlich wieder.

Das Gespräch führte Marc Mensch