Kino

"Wir kämpfen erneut mit Unsicherheit und Intransparenz"

Im Vorfeld der Ministerpräsidentenkonferenz appelliert die Kinowirtschaft an die Spitzen von Bund und Ländern, neue Parameter und Richtwerte zu setzen, die nicht zuletzt dem Impffortschritt und der entspannten Situation bei der Intensivbettenbelegung gerecht werden.

05.08.2021 09:45 • von Marc Mensch
Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des HDF Kino (Bild: Mike Auerbach/HDF Kino)

Unter der Überschrift "Perspektiven für Kinos und andere Kulturorte angesichts der aktuellen Pandemieentwicklung" haben sich der HDF, der VdF, die AG Verleih, der Bundesverband kommunale Filmarbeit und die SPIO in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel, Kulturstaatsministerin Monika Grütters und die Ministerpräsident*innen der Länder gewandt.

Hintergrund ist die von den Verbänden ausdrücklich begrüßte Vorverlegung der Bund-Länder-Konferenz auf den 10. August, bei der darüber beraten wird, welche Maßnahmen und Regelungen zur weiteren Eindämmung der Pandemie in den nächsten Monaten gelten sollen.

Für die Kinowirtschaft eine essenziell Frage, leidet sie doch weiterhin unter Restriktionen, die noch einem Umgang mit der Pandemiesituation entspringen, der angesichts des Impffortschritts zunehmend als überholt angesehen wird. So heißt es in dem Schreiben, das Blickpunkt: Film vorliegt, denn auch:

"Leider sind die Auflagen der Bundesländer in keiner Weise an die neue Situation angepasst. Es herrscht bei unseren Besucher*innen und den Kinobetreiber*innen weiterhin eine große Verunsicherung. Nur eins scheint allen klar: Das Corona-Virus gehört mittlerweile zu unserem Alltag und wir müssen in Anbetracht der fortschreitenden Impfkampagne neue Regeln zum Umgang mit dem Virus finden. Die zurzeit existierenden Verordnungen spiegeln diese neue Zeit noch nicht wider. Für die Kulturbranche ist dies unverständlich. Wir kämpfen erneut mit Planlosigkeit, Unsicherheit und Intransparenz und vor allem weiteren unausweichlichen wirtschaftlich negativen Folgen."

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass es "erwiesenermaßen nicht die Kinos" seien, die für vermehrte Neuinfektionen und die steigenden Inzidenzen verantwortlich zeichneten, legen die Verbände einen Forderungskatalog vor, der es der Kinowirtschaft erlauben soll "wirtschaftlich endlich wieder auf eigenen Füßen stehen zu können".

Konkret werden die Spitzen von Bund und Ländern aufgefordert, dafür Sorge zu tragen, dass die vom Bund bereits angekündigten Erweiterungen der Parameter (u.a. hinsichtlich einer Anpassung der Inzidenzgrenzen und einer Berücksichtigung der Intensivbettenbelegung - die übrigens laut RKI zuletzt zu weniger als zwei Prozent auf COVID-Patienten zurückging, Anm.d.Red.) auch in den Landesverordnungen umgesetzt werden. In diesem Zusammenhang müssten die Inzidenz-Richtwerte vor allem mit Blick auf die steigende Zahl an Geimpften deutlich nach oben angepasst werden (wie dies u.a. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bereits klar zum Ausdruck gebracht hatte, Anm.d.Red.).

Gefragt seien vor allem bundesweit einheitliche Verordnungen ohne eine 3G-Regel für Kinos. Eine solche stelle eine "gravierende Hemmschwelle" dar, Bundesländer mit entsprechenden Vorschriften (die auch im Niedriginzidenzbereich galten) verzeichneten demnach im Vergleich bis zu 50 Prozent weniger Besucher.

Und schließlich dürfe es keinesfalls zu einer erneuten, pauschalen Schließung von Kulturorten wie Kinos kommen, obwohl diese bislang während der gesamten Pandemie nachweislich keine Verbreitungsorte gewesen seien.

Immerhin: Einen neuerlichen Lockdown wollen Bundes- und Landesspitzen nach Möglichkeit vermeiden, allerdings gewinnt die Idee weitreichender Nachweispflichten zunehmend an Traktion - siehe dazu auch den kürzlich vom Bundesgesundheitsministerium verfassten Bericht.

Auch in diesem Zusammenhang bitten die Unterzeichner*innen des offenen Briefes dringend darum, die Lage der Kultur- und Erlebnisorte differenziert zu betrachten - und sie nicht ein weiteres Mal wirtschaftlich noch stärker einschränkenden Maßnahmen auszusetzen, als man "sie ohnehin bereits zu verkraften habe".