Kino

Kino-Neustart: Stabile Angelegenheit

Ganze vier Debütanten schafften es am vergangenen Wochenende in die Top 5 der deutschen Kinocharts. Doch obwohl keiner dem Platzhirschen "Fast & Furious 9" das Wasser reichen konnte, ging es nicht zuletzt auch dank der erfreulichen Entwicklung vieler Bestandstitel im Gesamtmarkt deutlich nach oben. Sehr gute Nachrichten gibt es zudem aus Österreich und den Niederlanden.

02.08.2021 14:21 • von Marc Mensch
"Fast & Furious 9" war zum dritten Mal der überlegene Spitzenreiter in den deutschen Kinos (Bild: Universal)

Der Rückfall auf lediglich sechsstellige Wochenend-Besucherzahlen im deutschen Kinomarkt war glücklicherweise erst einmal nur von kurzer Dauer. Laut der Filmsource-Auswertung von Comscore konnten zum Abschluss des ersten Monats mit bundesweitem Spielbetrieb wieder mehr als eine Million Besucher in den hiesigen Kinos begrüßt werden. Konkret waren es 1.138.513 Besucher, die für Gesamtumsätze in Höhe von 9.679.762 Euro sorgten, das Boxoffice blieb damit nur knapp unter der zehnstelligen Hürde, die seit dem Frühjahr 2020 bislang nur am Startwochenende von Fast & Furious 9" überschritten worden war.

Dass die Zahlen gegenüber den (wie üblich leicht nach oben korrigierten) Werten der Vorwoche um 17,2 Prozent nach Besuchern und 14,5 Prozent nach Umsatz gesteigert werden konnten, lag zum einen an einer ganzen Reihe hochkarätiger Neustarts, von denen zwar nur Ostwind - Der große Orkan" sechsstellige Besucherzahlen (gut 111.000) schreiben konnte, von denen sich aber immerhin vier mit soliden Zahlen in den Top 5 wiederfanden. Den mit Abstand besten Kopienschnitt unter den Debütanten verzeichnete dabei Jungle Cruise", der als vorerst letzter Disney-Titel zeitgleich auf Disney+ zur Verfügung gestellt wurde. Nach derzeitigem Stand werden zumindest die restlichen Disney-Kinofilme dieses Jahres mit einem Kinofenster gestartet werden. Wie schon bei Black Widow" verzichteten zahlreiche Kinos auf einen Einsatz des Films, weniger Kopien als "Jungle Cruise" (259) zählte innerhalb der Top Ten nur "Black Widow" (251). Nur knapp hinter der abenteuerlichen Kreuzfahrt lief Cash Truck" mit über 70.000 Besuchern in den Hafen ein - und überholte damit Old", der es auf knapp 61.000 Besucher brachte.

Nicht vom Thron zu stoßen war indes "Fast & Furious 9", der sich hierzulande erheblich besser hält als etwa in den USA. Dort war er nach dem Startwochenende um fast 70 Prozent eingebrochen, hierzulande nur um gut 40 - und diesmal ging es nur um etwa 30 Prozent nach unten. Generell zeigten sich etliche Filme der Top 20 des vergangenen Wochenendes äußerst stabil - oder sogar mit Zuwächsen. Obwohl die Sommerferien in den ersten Bundesländern bereits wieder zu Ende sind, gab vermutlich nicht zuletzt das eher kinofreundliche Wetter vor allem den Familienfilmen Rückenwind. So konnte sich Die Olchis - Willkommen in Schmuddelfing" nach gutem Start um 16 Prozent verbessern und zählte fast 65.000 Besucher (insgesamt wurden bereits weit mehr als 150.000 Tickets verkauft). "Die Croods -Alles auf Anfang" gelang mit einem Minus von gerade einmal vier Prozent ein Ergebnis auf Vorwochennivau; Space Jam: A New Legacy", Spirit - Frei und ungezähmt" und "Peter Hase 2" überzeugten jeweils mit Drops (teils deutlich) unter 13 Prozent, nur Catweazle" büßte für dieses Wochenende überdurchschnittlich hohe 26,8 Prozent ein, steht aber auch schon bei fast 450.000 Besuchern.

Und es geht weiter: Der Rausch" verlor praktisch keine Besucher gegenüber seinem offiziellen Debüt, Nomadland" stieg sogar um 11,5 Prozent - und auch die 23,5 Prozent, um die es für "Conjuring 3" in seiner fünften Woche nach unten ging, sind aller Ehren wert. Die rund 630.000 bislang gesammelten Besucher ohnehin. In seiner vierten Woche wiederum gingen die Besucherzahlen für "Black Widow" zwar erneut überdurchschnittlich stark zurück - aber die gut 33 Prozent Minus können sich angesichts der (beileibe nicht nur legalen...) Online-Verfügbarkeit und umso mehr im Vergleich mit den USA absolut sehen lassen, gezählt wurden bislang 606.000 Besucher.

Wirklich richtig heftig ging es - parallel zum Start bei Sky - innerhalb der Top 20 nur für "Godzilla vs Kong" nach unten. Minus 56 Prozent bedeuteten aber trotzdem noch einmal über 12.000 Besucher, seinen direkten Vorgänger Godzilla II: King of the Monsters" hat der Film nun auch in Deutschland mit rund 427.000 vs. knapp 409.000 tatsächlich überholt.

Auch im Schnitt gaben die Neustarts ein erheblich besseres Bild ab als noch vorige Woche, als selbst von den zehn stärksten Debütanten nur drei fünfstellige und zwei sogar nur dreistellige (!) Zahlen schrieben. Diesmal war das Besucher-Startergebnis einmal sechsstellig und viermal fünfstellig (Generation Beziehungsunfähig" verpasste mit gut 37.000 Zuschauern die Gesamt-Top-Ten nur knapp); dreistellige Zahlen findet man wenigstens unter den zehn populärsten Neustarts nicht.

Wo steht nun der Gesamtmarkt? Comscore zählt mittlerweile 1001 wiedereröffnete Kinos, die für 79 Prozent der regulären Spielstätten stehen, im Gesamtmarkt wurden 1066 Spielstätten erfasst. Dieser Gesamtmarkt wartet nach wie vor auf ein Wochenende mit knapp 1,6 Mio. Besuchern und rund 14 Mio. Euro Umsatz - dann wäre ein "mittleres Wochenende" der fünf Jahre vor Corona erreicht. Hierzu fehlten zuletzt noch 28 Prozent nach Besuchern und 31 Prozent nach Umsatz, der zweitniedrigste Abstand seit dem ersten Lockdown. Die untere Benchmark des schlechtesten (regulären) Wochenendes wurde natürlich wieder deutlich überschritten - um jeweils 167 Prozent.

An dieser Stelle erneut der Hinweis, dass Länder mit 3G-Nachweispflicht tendenziell schlechter abschneiden und erneut der Hinweis, dass Berlin und Hamburg nach wie vor den niedrigsten prozentualen Sprung über die untere Benchmark schaffen: Immerhin: Erstmals konnten die wiedereröffneten Häuser in Hamburg ein Plus von wenigstens 100 Prozent gegenüber ihrem schlechtesten Wochenende vorweisen, in Berlin blieb der prozentuale Abstand mit 57 Prozent weiterhin zweistellig. Woche für Woche machen die Zahlen aber natürlich klar, dass die Kinobranche mit ganz besonderem Interesse auf die Pläne der Bundesregierung bzw. der Länder zu Nachweispflichten und kostenlosen Testmöglichkeiten blicken muss.

Dass aber auch eine Nachweispflicht durchaus solide Ergebnisse zulässt, wenn sie denn über lange, umfassende Praxis "gelernt" ist und nicht nur für Kinos und ähnliche Veranstaltungen gilt, zeigen unterdessen beispielsweise die Zahlen aus Österreich: Denn obwohl zu hören ist, dass die Situation ausgerechnet in der Hauptstadt Wien angespannter ist, weil dort schärfere Regeln als im restlichen Land gelten und eine 3G-Nachweispflicht sogar schon ab sechs Jahren (ansonsten 12) vorgesehen ist (was Familienfilmen dem Vernehmen nach spürbar schadet), lieferte das vergangene Wochenende dank massiver Zuwächse (plus 58 Prozent nach verkauften Tickets) wieder ausgesprochen positive Zahlen: Mit fast 136.000 Besuchern und gut 1,3 Mio. Euro Umsatz blieb der Gesamtmarkt (bei 93prozentiger Öffnung) nur um 24 Prozent nach Besuchern und 20 Prozent nach Boxoffice hinter einem "mittleren Wochenende" (knapp 180.000 Besucher) zurück. Die untere Benchmark wurde um 158 Prozent, nach Boxoffice sogar um 180 Prozent übersprungen. Und noch einmal apropos Test: In Deutschland behalten nicht nur die Innenstadtkinos Stuttgart die Praxis bei, Abends und an Wochenenden 3G-Nachweise einzufordern, um über diese Option die Kapazitäten besser ausschöpfen zu können - auch andere Häuser haben einzelne Vorstellungen bereits via 3G-Nachweis aller Besucher stärker ausgelastet.

Abschließend der Blick in die Niederlande - ein Hochinzidenzgebiet, dessen Infektionszahlen aber (ähnlich wie in Großbritannien) aktuell wieder deutlich sinken, durchaus zum Erstaunen diverser Experten. Dort konnten am vergangenen Wochenende mit fast 451.000 Besuchern und über 4,5 Mio. Euro Boxoffice laut Comscore die besten Zahlen dieses Jahres verzeichnet werden. Gegenüber der eher enttäuschenden Vorwoche ging es sowohl nach Zuschauern als auch Ticketumsätzen um rund 40 Prozent nach oben - das "mittlere Wochenende" als ganz entscheidender Gradmesser wurde nach Besuchern um elf, nach Boxoffice sogar um 30 Prozent überschritten.

Nächste Woche starten in Deutschland unter anderem Kaiserschmarrndrama" und Suicide Squad". Die Hoffnung auf zehnstellige Umsätze ist da nicht gänzlich unberechtigt - auch wenn die Kapazitätsfrage natürlich umso drängender wird, je deutlicher sich die Besucher auf eine breite Riege an Filmen verteilen. Und breit ist die Riege schon jetzt allemal, auch ohne die 17 (!) Neustarts (inkl. Wiederaufführungen), die Comscore für 5. August listet...